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Helge Schneider


Ein Phänomen der deutschen Unterhaltungsindustrie: Helge Schneider. Bei kaum einem wird mit solch unerbittlicher Strenge der Umfang seiner musikalischen Fähigkeiten gerade von jenen besprochen, die davon keine Ahnung haben, wenige ernten so hysterische Lacher, ohne einen einzigen Witz gerissen zu haben, keiner hat das, was an der deutschen Fernsehwitzkultur eigentlich total kacke ist (die Grimasse, die Perücke, die große Brille, die Clownsklamotten), so schön für sich genutzt, ohne dabei in tiefen Tümpeln stecken zu bleiben. Helge Schneider ist Bühnenkünstler, Jazzmusiker (begnadet), Lindenberg-Imitator, Multiinstrumentalist, Familienvater, Bühnen-, Musical-, Schelmenroman-, Krimiautor (Autor von Biografien, Reiseromanen, politischen Kampfschriften), Comedian (ja, doch!), Filmemacher, Hitlerdarsteller (zum Beispiel) und Sammler motorisierter Fahrzeuge. 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, wohnt er noch immer dort, Mitschnitte seiner Bühnenprogramme werden lange unter bekifften Abiturienten herumgereicht, bevor er Anfang der 90er Jahre mit dem Film „Texas“ und Charthits wie „Katzeklo“ nationale Berühmtheit erlangt, Filme und Charthits nachlegt …

 

… und zu einem gern gesehenen Gast der Fernsehunterhaltung wird. Wenn Helge Schneider vor die Fernsehkamera tritt, weiß der Zuschauer, dass es augenblicklich urkomisch und musikalisch höchst anspruchsvoll wird. 1960 sitzt er erstmals vor einem Klavier, 1967 hält er erstmals ein Cello im Arm. Nach der Schulzeit beginnt er 1971 mit einer Bauzeichnerlehre, 1972 folgen zwei Semester Konzertpianostunden am Konservatorium in Duisburg. Auf die Stunden im Konservatorium, eine Sonderbegabtenprüfung (er ist wirklich gut), jobbt Helge Schneider die nächsten Jahre in verschiedenen Industriezweigen, macht ab 1973 eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und ist ab 1977 als Vollzeitmusiker mit verschiedenen Bands unterwegs, arbeitet und komponiert für das Radio, Fernsehen, den Film und gründet eigene Musikgruppen.

 

Helge Schneider arbeitet früh mit Christoph Schlingensief zusammen und geht als die Singende Herrentorte erstmals allein auf Tour. Das ist 1984, Helge ist kurz zuvor mit einem Förderpreis seiner Heimatstadt ausgezeichnet worden, 1986 wird „Johnny Flash“ (Werner Nekes – ebenfalls Mülheim, Schneider spielt einen Schlagersänger) veröffentlicht, ein legendärer Film, der in späteren Produktionen wiederholt thematisiert wird, ein magischer Moment der Filmgeschichte, auf dessen Spur sich in den Jahrzehnten darauf Generationen von Freunden gehobener Unterhaltungskunst machen. „Queens Palace“ ist Helge Schneiders erste kleine Show in den öffentlich-rechtlichen Medien, dem Hessischen Rundfunk, Schlingensief bucht ihn für „Menü total“ und „Mutters Maske“, mit Reinhold Beckmann ist Helge im WDR und der Sendung „Offshore“ albern.

 

Helge Schneider – Seine größten Erfolge

 

Ende der 80er gibt es die erste LP bzw. CD: „Seine größten Erfolge“, Lieder aus „Johnny Flash“ und „Hörspiele 1 & 2“, Leuchttürme späterer Werkschauen, sowie „New York I´m Coming“. Mit Peter Thoms und Buddy Casino bildet er ab 1990 die Band Hardcore, auf „Guten Tach“, das Album, folgt „Guten Tach, Auf Wiedersehn. Autobiographie 1. Teil“, das erste Buch und 1993 der Film „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“, im sauerländischen Elspe gedreht. Nicht unwichtig für seine Popularität ist auch „Es gibt Reis, Baby“ (sowohl das Album als auch die Hitsingle).

 

Die Hallen, die er füllt, werden größer, sechs Monate spielt Helge Schneider vor ausverkauften Häusern, in den folgenden Jahren bringt er immer wieder schön albernes Material auf den Markt, singt „Telephonmann“ (1994), „Fitze Fitze Fatze“ (1997), „Wurstfachverkäuferin“ (1997), „Bonbon aus Wurst“ (1997), hat auch keine Angst, sich an einem Thema mal richtig abzuarbeiten, „We Are The Firefuckers“ (1999) oder „Das Mörchen-Lied“ … Das Oeuvre ist gewaltig, vier Kinofilme bis 2004, außerdem legendäre Filmbeiträge (Helge Schneider spricht den alten Sack in „Kleines Arschloch“ 1996), Kommissar Schneider-Romane, andere Bücher, Hörspiele, „Mendy – das Wusical“ am Schauspielhaus in Bochum 2003, 2005 „Aprikose, Banane, Erdbeer – Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur“ …

 

Alben? Ungefähr zwei Dutzend seit 1987 – und bis 2008. Helge Schneider sponsert einen Formel 3-Rennstall, mal ist er Solo unterwegs, mal mit einer zehnköpfigen Bigband. Wenn Stefan Raab einen Swing-Abend gestalten möchte, dann lädt er Helge Schneider ein, der ein eifriger Zeichner und interessiert an Skulpturen ist … Seine Bands heißen Hardcore, The Firefuckers, wieder Hardcore, mit Pete York und Jimmy Woode (der 2005 stirbt) bildet er eine Weile ein Jazztrio.





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