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Ja, Panik


Man kann die Österreicher beneiden: die müssen nicht nach Berlin ziehen, wenn sie raus wollen aus ihren Heimatgemeinden, sie können nach Wien ziehen und dürfen dort Musik machen, so tun, als hätte es sowas wie sie noch nicht gegeben und Interviews führen, die so verworren klingen, dass etwas Wichtiges drin stecken muss, was dazu führt, dass Musikjournalisten Texte zu schreiben versuchen, die das noch übertrumpfen. So wie zu Ja, Panik. Dabei ist das eine Band, bei der der- oder diejenige (in diesem Fall eine Form unerträglicher Anbiederung), die nicht glaubt, irgendwie doof zu sein und damit eigentlich alles verstehen können müssen, zu uneingeschränkt unangestrengt Hörvergnügen gelangen.

 

Ja, Panik ist einfach witzig, die Musiker sind von dieser schmalen Sorte mit schräg ins Gesicht fallenden Haaren, wie es sie lange schon aus Hamburg gibt, glucksen und kichern gern im Chor und sind gerne bereit, über eigene Unzulänglichkeiten zu sprechen – schließlich wird durchaus direkt und scharf mit den Unzulänglichkeiten und Besonderheiten von Musikermilieus, der Stadt und so gearbeitet. Ja, Panik gehört zu den Bands, die in Interviews österreichischer klingen als in ihren Liedern, könnte man sicherlich auch irgendeinen Quatsch drüber schreiben. Ja, Panik wird 2005 gegründet, die Musiker kommen aus dem Burgen-, einem seepferdförmigen Bundesland an der Grenze zu Ungarn, ein Stück südlich von Wien, wohin Ja, Panik zieht, weil man nicht Popmusiker auf dem Land sein kann. Es bedarf einer Szene.

 

Ja, Panik wird von Andreas Spechtl, Stefan Pabst, Christian Treppo und Manuel Dinhof gegründet, nachdem der Gitarrist ihrer Band Flashbax aussteigt. Später steigt Manuel Dinhof aus, der wird einfach nur durch Sebastian Janata ersetzt. Thomas Schleicher gehört inzwischen ebenfalls zur Band. Ja, Panik existiert also seit 2005, arbeitet mit deutschsprachigen, zum Teil auch mit englischen, mit Klavier und Rockmusikbesetzung, verspielt, schleppend und scheppernd – kann man sich wirklich gut anhören. Zum Beispiel diese kleine „Venedig“-Single aus dem Jahr 2005 mit den drei Liedern „Andreas“, „Venedig“ und „Kreuzgut“, vor allen Dingen aber mit „Venedig“ und „Kreuzgut“.

 

Ja, Panik – Ja, Panik

  

Und 2006 gibt es dann das Debütalbum, das selbstbetitelte, und zwar bei Schoenwetter Schallplatten, die insgesamt siebte Albumveröffentlichung des Labels. Die Musik ist nicht gerade die, die bei Viva und Einslive rauf und runter läuft, in Österreich steigt immerhin GO-TV begeistert ein, besonders wegen des Liedes „Ob ich das verdiene?“ und bei der Spex, noch in Köln, also die echte Spex, ist man hingerissen von „Zwischen 2 & 4“ – und beweist damit noch einmal Geschmack; es ist das bessere von zwei guten Liedern, ein herausragendes Stück auf einem sehr guten Album.

  

Stilistisch lässt sich die Band nicht gut einfangen, das will sie vermutlich auch nicht. Da ist mal ein bisschen Deutschpunk, da wiederum etwas Hymnisches, woanders finden sich Countryanleihen, jetzt fängt es an, dämlich zu werden – damit geht es auf erste Touren durch den deutschsprachigen Raum. Der Jubel wird dann aber erst mit dem zweiten Album richtig groß und schwer verständlich. „The Taste And The Money“ gibt es ab April 2008, man muss schon einen Hang zu Liedern haben, die man einfach nie mitgrölen kann, einen Hang zum Rausch von Hochprozentigem vielleicht auch, aber dann ist Ja, Panik ein wirklich großes Erlebnis. Obwohl – „Marathon“ funktioniert auch mit Mitgrölen und Bier beispielsweise. Und „Ich bring mich in Form“ geht am Morgen zum Beispiel gut. Und den Rest kann man über den ganzen Tag verteilen.





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