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James BluntMan muss ihn mögen, den James Blunt – für seine Fans singt er wundervoll, klar, den anderen geht er mit seiner alles übertreffenden Sanftmütigkeit gewaltig auf die Eier. Und seine Geschichte ist wirklich sehr merkwürdig: James Blunt, ein britischer Soldat, kommt von einem der Nato-Friedenseinsätze heim, spielt Lieder, von denen er eines sogar im Krieg komponiert und wird zum Star – seine dritte Single „You´re Beautiful“ ist ein phänomenaler Erfolg. Im Video ist ein junger, attraktiver Mann zu sehen, der sich singend entkleidet und am Ende eine Klippe hinab ins Meer springt, in Interviews und Berichten ist über diesen Mann zu lesen, dass er zwischen den Spannungsfeldern seiner musikalischen Leidenschaft und der Militärdynastie, in die er geboren wird, lebt und den familiären Verpflichtungen nachkommt, indem er seine Klampfe an den Panzerwagen bindet und so über den Balkan …
So welche Geschichten riechen derart nach billiger Kriegspropaganda, dass es schon schwierig ist, einen einigermaßen normalen Zugang zur Musik des Künstlers zu bekommen – da ist es völlig egal, ob sie nun irgendwie wahr oder ausgedacht sind. Wir gehen einfach davon aus, dass das hier alles vollkommen korrekt ist:
James Hillier Blount kommt im Februar 1974 in einem Militärkrankenhaus im südwestenglischen Tidworth zur Welt. Die Familie zieht (der Vater ist Hubschrauberpilot) berufsbedingt durch Europa, James Blunt wohnt mal auf Zypern, mal auf der Soester Börde, er besucht kostspielige englische Schulen, etwa die Elstree School und die Harrow School, die schon Winston Churchill besuchte und er ist in Sandhurst an der Royal Military Academy, an der auch zum Beispiel William und Harry, das halbe jordanische Königshaus und wiederum Churchill auf das Leben mit dem Militär vorbereitet worden sind.
Er macht mit 16 Jahren seinen ersten Pilotenschein, einige Jahre zuvor bereits erhält er Musikunterricht, schult sich an der Gitarre, spielt Klavier und Violine; der Vater kann nicht viel mit der Liebe seines Sohnes zur Musik anfangen, James Blunt ist gewillt, den Prioritäten nachzukommen, die sein alter Herr vorgibt. Das Studium wird vom Militär finanziert, der Deal beinhaltet die Verpflichtung zum Dienst.
Er wird bei den Life Guards ausgebildet, 1999 ist er schließlich mit der Nato im Kosovo. Es heißt, James Blunt habe (mit seiner Gitarre) Priština, die Hauptstadt des Kosovo als allererster betreten und den Ärger mit den russischen Militärs am Flughafen beigelegt. „No Bravery“, ein Lied seines Debütalbums, entsteht, während er des Nachts, die Stiefel geschnürt, auf seinen Einsatz wartet … wir schicken Gunter Gabriel zu den Soldaten, die Engländer kehren mit einem Singer-Songwriter heim. Was ist besser?
James Blunt ist schließlich kurze Zeit in der Schweiz (Soldaten auf Skiern), leistet Beeindruckendes, um anschließend in London beim Household Cavalry Mounted Regiment, also bei einem berittenen Wachregiment zu dienen. Der Mann schlägt sie alle. Eine seiner letzten wichtigen Dienste beim Militär ist die Teilnahme am Beerdigungszeremoniell nach dem Tode von Elizabeth Bowes-Lyon, der Queen Mutter, im April 2002. Im Oktober des Jahres scheidet er aus dem aktiven Dienst aus.
James Blunt – Back To Bedlam
Blount nennt sich nun Blunt. Eigentlich ein kleiner Schritt, für den Musiker ist es der Weg zum in vielen Ländern gefeierten Star, Liebhaber berühmter Models, Unterstützer von Al Gore, Ärzte ohne Grenzen und Help for Heroes und Bewohner Ibizas, der Noel Gallagher damit aus seinem Domizil treib, gar nicht mehr so weit. Unschätzbar ist die Arbeit, die er jetzt investiert, aber auch das Glück, das er hat. Die EMI zeigt Interesse, Twenty-First Artists, eine Firma, die zur Regelung der Vermarktung Elton Johns und ausgewählter weiterer Künstler gegründet wurde, übernimmt den Newcomer – mit Sir Elton John hat James Blunt einen enorm gewichtigen Fürsprecher.
Linda Perry, ehemals 4 Non Blondes, heute eine sehr erfolgreiche Produzentin, holt James Blunt zu ihrem Label Custard Records und mit Tom Rothrock, der mit dem legendären (und im Oktober 2003 verstorbenen) Elliott Smith zusammengearbeitet hat, einen hochqualifizierten Mann an seine Seite. Rothrock und Blunt arbeiten in Los Angeles an dem Debütalbum „Back To Bedlam“, das schließlich im Oktober 2004 erscheint. Viel Arbeit, viel Zeit ist ins Land gegangen.
Im selben Monat erscheint auch die erste Single „High“. Zunächst kein Erfolg, erweist sich das Ding als Langstreckenerfolg – Vodafone nutzt es als Werbejingle, ebenso Firma Hilton, es wird in Fernsehserien eingesetzt und je nachdem, wo es gesendet wird, steigt es in den Charts hoch. Das zieht sich bis 2006. Natürlich wird der Erfolg auch von jenem getragen, die die offiziell dritte Single, der Durchbruch „You´re Beautiful“, mit sich bringt.
Die gibt es 2005 – und die zieht den Musiker in einen Strudel der Aufmerksamkeit und des Jubels; dass seine kriegerisch befriedende Vergangenheit in Europa zu Schulpflichtlektüre wird, fehlt noch – zunächst zählen phänomenale Verkaufszahlen. Mehr als 12 Millionen Mal soll sich „Back To Bedlam“ verkauft haben, die Ernsthaftigkeit des Vortrages von „You´re Beautiful“ ist für Parodisten äußerst verlockend – James Blunt ist plötzlich allgegenwärtig. Single und Album belegen in etlichen Ländern erste Plätze, 2006 folgen ein warmer Regen Ehrungen (Echo, BRIT-Award, MTV Awards, World Music Award) und das Live-Album „Chasing Time: The Bedlam Sessions“, auf dem er beweist, dass er stimmlich wirklich und auch live sehr hoch trifft. Nur „Where Is My Mind?“ sollte er weiterhin den Pixies überlassen …
James Blunt – All The Lost Souls
Wer 2005 verliebt gewesen ist, kommt nicht an James Blunt vorbei. Neben „You´re Beautiful“ sind auch „Goodbye My Lover“ und „Wisemen“ große Erfolge. Nachdem er Ende des Jahres auch in den USA nicht nur erfolgreich seine Arbeiten bewirbt, sondern auch noch der erste britische Künstler ist, der (seit Elton John mit „Candlegedöns“) auf dem ersten Platz der Billboard-Single-Charts landet, geht er Anfang 2006 auf „Back To Bedlam World Tour“, tritt im folgenden Jahr beinahe an jedem zweiten Tag auf.
Nebenbei schreibt James Blunt erste Lieder für sein nächstes Studioalbum. „All The Lost Souls“ erscheint im September 2007 und setzt dort an, wo der Vorgänger aufhört. Blunt spielt wirklich liebe Melodien, ist manchmal keck und sieht meistens einfach supernett aus. Weil er jetzt berühmt ist und massenhaft verehrt wird, finden immer weniger Rezensenten Gründe zum überschwänglichen Jubel. „1973“, die erste Single, wirkt dem WDR2-Hörer merkwürdig vertraut. Wenn auch kein alles in den Schatten stellender Megaerfolg wie „You´re Beautiful“ auf dem Album zu sein scheint, bedient James Blunt den Geschmack genau der Hörer, die ihn auch noch in 20 Jahren verehren werden. Und das ist richtig so. ![]() CD Reviews von James Blunt findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von James Blunt bietet lyrix.at |
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