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Janet JacksonEine verrückte Familie ist das, die der Jacksons. Janet Jackson ist das jüngste Kind von zehn, 1966 geboren ist sie beinahe acht Jahre jünger als Michael, der wiederum der alles überstrahlende Kleinste bei den Jackson Five ist und schon ein paar Jährchen Bühnenerfahrung hat, als Janet zur Welt kommt. Was die Geschwister verbindet? Sie arbeiten, seitdem sie stehen können, haben ein Faible für aufwändige Schönheits-OPs und das Ergebnis ihrer Arbeit kann nur mit jener von Familienmitgliedern verglichen werden, schließlich spielen die in einer eigenen Liga.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten, über Janet Jackson zu reden: einmal die Janet Jackson bemitleidende Art, die Musikerin wird immerhin in eine schlimme Familie hineingeboren. Die andere ist die Janet Jackson über die restliche Familie erhebende Art, bei der betont wird, dass sie die einzig normale Popkönigin der Familie sei, die unabhängig von den ganzen Zwängen, die auf sie einwirken, halt irgendwie besser als die anderen ist – wobei dabei übersehen wird, dass Janet Jacksons Operationsstadium ihrem Alter entsprechend ein Stückchen hinter dem ihrer älteren Geschwister liegt.
Eigentlich heißt sie Janet Damita Jo Jackson, irgendwer kommt in den frühen 90ern auf die Idee, dass sie im Grunde die einzige Jackson sei, die es geschafft habe, das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, zunächst ist sie allerdings primär Seriendarstellerin. Ihre Karriere wird an ihren Träumen vorbei in Angriff genommen, mit sieben Jahren tritt sie in Las Vegas im Kasino auf, mit zehn Jahren in einer Varieté-Show, in die acht der Geschwister eingebunden sind, ein Jahr später spielt sie in der Sitcom „Good Times“, zwei Jahre später arbeitet Janet Jackson an der Serie „A New Kind Of Family“ mit, von 1980 bis 1984 in der Sitcom „Diff´rent Strokes“, anschließend spielt sie noch kurz in „Fame“ mit, der Serie zum Film von 1980.
Seit ihrem zwölften Lebensjahr wird nebenbei an der musikalischen Karriere Janet Jacksons gearbeitet, 1978 singt sie ein Duett mit ihrem Bruder Randy, „Love Song For Kids“ ist die B-Seite seiner ersten Single, Janet soll dann in einer familieninternen Girlgroup mitsingen, wobei das daran scheitert, dass La Toya auf Solopfaden ab 1980 an den R&B-Charts scheitert. Janet Jackson kommt bei A&M Records unter, ihr selbstbetiteltes Debütalbum zwei Monate vor Michaels „Thriller“ auf den Markt und geht natürlich unter. Sie ist 16 Jahre alt, sieht wesentlich jünger aus, René Moore und Angela Winbush, die in jenem Jahr als René & Angela ihren ersten, lange vergessenen Erfolg feiern, sind ihre Produzenten.
Das nächste Album heißt „Dream Street“, Janets Bruder Marlon hat die Oberaufsicht inne, Cliff Richard wird eingeladen und die Jackson 5 sind für die Background Vocals zuständig, Giorgio Moroder wird (neben anderen) als Produzent gebucht. Das Ergebnis kann nicht zufrieden stellen und Janet Jackson hat ihren ersten kleinen Skandal, als sie mit James DeBarge durchbrennt und den Jungen heiratet. Die DeBarges sind ebenfalls eine Großfamilie, bilden praktisch ein Konkurrenzprodukt zu den Jackson 5, ein ziemlich erfolgloses, zugegeben, und stehen (wie die Jackson 5) bei Motown unter Vertrag. Die Ehe wird nach einem halben Jahr annuliert.
Janet Jackson – Control
Janet Jackson schmeißt ihren Vater raus, trennt sich von ihm als Manager. Die Produzenten Jimmy Jam and Terry Lewis werden mit ihr zu so etwas wie Legenden. „Control“ heißt das Album, das im März 1986 veröffentlicht wird, gleichzeitig eine Art Unabhängigkeitserklärung, die sich in der Musik, in den Texten, in der Haltung der Künstlerin widerspiegelt. Sieben Singles werden dem Album entnommen, die ersten fünf, und zwar „What Have You Done For Me Lately“, „Nasty“, „When I Think Of You“, „Control“ und „Let´s Wait Awhile” landen in der Spitze der US-Charts, zusätzlich räumt die Künstlerin überdurchschnittlich in Südafrika und in Japan ab. „Control“ soll etwa acht Millionen Mal verkauft worden sein, Janet Jackson wird für ihre Arbeit hoch gelobt, gilt vielen Kritikern als wichtige Vertreterin des New Jack Swing, einer supermodernen R&B-Variante.
Geht es bei „Control“ noch um die persönliche Freiheit, wendet sich Janet Jackson – gegen den Wunsch ihrer Geschäftspartner – universellen Themen zu. „Janet Jackson´s Rhythm Nation 1814“ wird im September 1989 veröffentlicht und übertrifft den Erfolg des Vorgängeralbums noch einmal um Längen, wobei sie wiederum vornehmlich in denselben Ländern abräumt. Acht Singles hintereinander landen in den Billboard-Top-10, „Miss You Much“, „Escapade“, „Black Cat“ und „Love Will Never Do (Without You)“ sogar auf Platz eins. Der überwiegende Teil des Albums entstammt dem inzwischen offensichtlich eingespielten Team aus Janet Jackson, Jimmy Jam und Terry Lewis, „Black Cat“ ist eine gemeinsame Arbeit mit Jellybean Johnsons.
Es regnet Preise, zwischen März und November 1990 unternimmt Janet Jackson ihre erste Welttournee, die sie überwiegend natürlich durch die USA führt, aber auch zu spektakulären Auftritten in Japan, wo sie zum Beispiel vier Mal den 50.000 Menschen fassenden Tokyo Dome füllt. In Europa absolviert sie gerade einmal fünf Termine, einen in Berlin, einen in der Frankfurter Eissporthalle. Der Vertrag mit A&M läuft aus, mit ihrer Unterschrift bei Virgin Records wird Janet Jackson zur bis hierhin teuersten Künstlerin weit und breit. Sie heiratet, singt mit Luther Vandross „The Best Things In Life Are Free“ und zeigt sich mit freiem Oberkörper und offener Hose auf dem Cover des Rolling-Stone-Magazins. Alles läuft wunderbar. MTV bewirbt die Musik vortrefflich, gerade „janet.“, das nächste Album, ab Mai 1993 auf dem Markt und „That´s The Way Love Goes“, ihr vielleicht größter Hit überhaupt, zeigen sie auf dem Gipfel ihrer großen Zeit. Diesmal werden sogar, wenn man alles ein bisschen unkorrekt zusammenzählt, sogar zwölf Singles entkoppelt. Für einen Moment sieht es so aus, als hätte Janet Jackson den Königsweg durch die Popkultur gefunden, es werden kluge Sachen über ihre Sexualität geschrieben und Vergleiche von ihr und irgendwie vergleichbaren Popstars angestellt. Letztendlich befindet sich Janet Jackson auf dem Höhepunkt ihres Erfolges und wird bewundert, wie das halt so ist.
Janet Jackson ist auch wieder Schauspielerin, sie spielt neben Tupac Shakur, der für Ice Cube eingesprungen ist, in „Poetic Justice“, beim Rolling Stone hat man sich einmal fürs Jubeln entschieden und lässt davon auch nicht ab. Es mehren sich allerdings die Stimmen der Nörgler. Jackson wird für Golden Globes und Oscar nominiert, erhält aber die Goldene Himbeere. Was sonst noch in der ersten Hälfte der 90er Jahre passiert? La Toya veröffentlicht ihre Biografie, erzählt von Missbrauch und Gewalt in der Familie Jackson, Michael wird vorgeworfen, Kinder zu missbrauchen, Jermaine Jackson greift Michael in dem Lied „Word To The Badd“ an, wirft ihm vor, alles für den Erfolg zu opfern – Janet bezieht Stellung, spricht La Toya die Zurechnungsfähigkeit ab und kollaboriert 1995 mit Michael, die Single „Scream“ ist das Ergebnis, die beiden bekommen dafür einen Grammy.
Janet Jackson – The Velvet Rope
1996 unterschreibt Janet Jackson den bis hierhin höchstdotierten Plattenvertrag überhaupt, erst 1997 wird mit „The Velvet Rope“ das nächste Studioalbum der Künstlerin veröffentlicht, ein unglaublich aufwändig produziertes Ding. J Dilla macht diesmal (neben den üblichen Verdächtigen) mit. Im Ergebnis ist die Arbeit natürlich sehr erfolgreich, dort, wo Janet beliebt ist, schießt sie direkt in die Chartspitzen, sie verschwindet allerdings schneller aus der Öffentlichkeit. Und das ist eine Tendenz, die sich fortsetzt. Die anschließende Tour geht diesmal ausführlich durch Europa und Janet Jackson bespielt auch einige Stadien in Südafrika.
Im April 2001 gibt es dann das Album „All For You“, der Titelsong steht in etlichen Ländern an der Spitze der Charts, nebenbei arbeitet Janet Jackson an Soundtracks, spielt gelegentlich in Filmen mit, arbeitet mit Kollegen zusammen, 2002 zum Beispiel mit Beenie Man und führt eine Beziehung mit Jermaine Dupri. Im Februar 2004 findet der berühmte Super Bowl statt, in dessen Halbzeitshow der Auftritt von Justin Timberlake und Janet Jackson zu einem richtig großen Skandal wird. Die beiden zwitschern ein Medley, Timberlake entblößt eine Brust Jacksons, deren Brustwarze sorgsam durch irgendein Schmuckstück bedeckt ist. Da man in den USA Angst vor Brustwarzen hat, flippen die Medien förmlich aus, die europäischen Medien flippen mit, die haben schließlich keine eigenen Ideen. Das Ende vom Lied: reuige Künstler und die Aussetzung sämtlicher Live-Übertragungen. Seitdem der Ostblock nicht mehr existiert, beweist der Westen immer wieder, wie sehr er ihn vermisst, indem er totalitäre, reaktionäre Systeme aufgreift, übernimmt und optimiert, sowie die Meinungs- und Brustwarzenfreiheit eliminiert.
Im März 2004 wird dann das achte Studioalbum veröffentlicht, „Damita Jo“ ist das erste seit „Control“, das nicht den ersten Platz der Billboard-Charts erreicht. Nipplegate wird bestraft, dabei werden Janet, Jimmy Jam und Terry Lewis diesmal von Erfolgsgaranten wie Scott Storch, Kanye West und Babyface unterstützt. Im September 2006 gibt es dann „20 Y.O.“, das nächste Album, erst „Discipline“ im Februar 2008 landet mal wieder ganz oben, und zwar mit den niedrigsten Verkaufszahlen Jacksons überhaupt. Die Zeiten verändern sich halt. ![]() CD Reviews von Janet Jackson findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von Janet Jackson bietet lyrix.at |
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