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Jennifer Lopez


Jennifer Lopez kann alles. Sie ist Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, besitzt ihre eigene Modelinie, Restaurants und Parfums, sie kann die allamerican Blondine, die Latina, sie füllt Sportstadien und mit ihren Beziehungen und Ehen ganze Klatschmagazine, sie ist eine Diva und enorm erfolgreiche Geschäftsfrau.

Jennifer Lynn Lopez kommt am 24 Juli 1969 in New York zur Welt. Als Tochter puertoricanischer Einwanderer wächst sie im wohlbehüteten Mittelklasseumfeld nahe der Bronx auf, besucht eine katholische Privatschule, erhält früh Tanzunterricht, es folgen der obligatorische Highschool-Abschluss und erste Engagements in Musicalproduktionen.

 

Fernsehjahre

1991 wird sie vom Fernsehsender Fox für die Sendung „In Living Color“ verpflichtet und tanzt hier als typische Latina mit großen Ohrringen, knallroten Lippen, wallendem Haar, ausufernden Rundungen – so heißt es immer (so waaaahnsinnig groß ist ihr Hintern nun auch wieder nicht). Auch wenn sie nicht fürs Sprechen und für keine große Rolle bezahlt wird, ist dies ein erster wichtiger Schritt in ihrer Karriere – sie wird gesehen, ist allerdings für die folgenden Jahre allein auf die Rolle der Latina festgelegt. Dabei spricht sie nicht einmal besonders gut Spanisch.

In der Serie „In living Color“ (ebenfalls Fox) erhält Jennifer Lopez 1994 ihre erste etwas größere Sprechrolle. Behutsam arbeitet sie sich hoch, wird zur mit Stereotypen aufgeladenen Superlatina: aus einem armen Elternhaus in der Bronx, mit einem starken, exotischen Akzent auf Knopfdruck, hocherotisch und unter Generalverdacht, mit Ende 20 plötzlich 4 Kinder zu haben und ihr Gewicht zu verdreifachen. Mal ist sie eine vom Schicksal geplagte Einwanderin (1995 in „My Family/Mi Famila“), mal eine sexy Polizistin aus Puerto Rico (1996 in „Jack“) oder eine süße Latina-Lehrerin, auch mal eine rätselhafte Schönheit mit indianischen Wurzeln („U-Turn“, 1997). Als sie 1997 die Hauptrolle als Selena Quintanilla Perez erhält, gibt es deshalb sogar ein bisschen Ärger. Selena ist eine texanische Sängerin mit mexikanischen Wurzeln, die hier vergessen, in den Südstaaten allerdings eine Ikone der Popmusik (bzw. des Tejano) ist. Sie wird 1995 kurz vor ihrem 24. Geburtstag und auf der Höhe ihres Erfolges (ein Monat vor ihrem Tod kommen 64000 Menschen zu einem Konzert in Houston) erschossen. Selena wird bereits kurz nach ihrem Tod wie eine Heilige verehrt, die Entscheidung, Jennifer Lopez mit dieser Rolle zu betrauen, provoziert Proteste gerade bei spanischsprachigen US-Amerikanern, da sie nicht als authentisch empfunden wird.

 

Jennifer Lopez - Die große Rolle

Sie spielt die Rolle und es wird ihr Durchbruch. Zumindest die spanischsprachige Presse flippt aus. Neben einer Reihe von Preisen, die sie erhält, wird sie u.a. für den „Golden Globe“ und den „MTV Movie Award“ nominiert. Langsam entwickelt sich auch in den englischsprachigen  Medien eine Art J.Lo-Obsession, die sich vornehmlich auf ihren Hintern fokussiert. Jennifer Lopez spielt das Spiel mit, so antwortet sie auf die Frage im Time-Magazin: „What´s the big deal with your booty?“ schlicht: „It´s big.“ Immer und überall ist vom Arsch der Lopez die Rede. Später wird die aufsteigende Musikerin Shakira sich in Interviews auf ausführliche Vergleiche ihres Hinterns mit dem J.Los einlassen. Große Pos sind ein Zeichen exotischer Schönheit und weichen vom euroamerikanischen Schönheitsideal ab, sie gelten als archaisch und wild.

 

Musik

Mit Beginn ihrer Musikerinnenkarriere wandelt sich das Bild der Jennifer Lopez. Ihre Haare sind glatt und aufgehellt, ihr Körper, selbst ihr Gesicht wirkt schlanker. Die Wandlung wird von verschiedenen Medien erfasst, man spricht von „whitening“ und „americanizing“. Das Ganze ist eine vollkommen rassistische, blöde Angelegenheit und wahrscheinlich einmal mehr ein Beleg dafür, wie durchdrungen unsere aufgeklärte westliche Zivilisation von Rassismen und Blödheit ist. Jennifer Lopez geht in ihr und als Teil von ihr ihren Weg. 1998 erhält sie bei Sony Records ihren ersten Vertrag. Ein großer Schritt ist das Debüt „On the 6“ aus dem Jahr 1999. Die Single „If You Had My Love“ steht einige Wochen auf Platz 1 der US-Charts. Vermutlich um eine möglichst hohe Anzahl von Hörern anzusprechen befindet sich Lopez im Video zwischen einer ausgewogen abgezählten Mischung aus Mittänzern verschiedener Hautfarben und Milieus. Single und Album erreichen Platinstatus in den USA. Neben dem genannten Titel schlagen in der Folge vier weitere Titel in den Charts ein: „Waiting For Tonight“, „Feeling So Good“, „Let´s Get Loud“ und „No Me Ames“ werden noch heute den meisten zumindest beim Hören bekannt sein, der letzte Titel ist ein Duett mit ihrem späteren Mann Marc Anthony.

Das zweite Album „J.Lo“ übertrifft den Erfolg seines Vorgängers. Insgesamt 8 Millionen Stück wird Jennifer Lopez davon in kürzester Zeit los. „Love Don´t Cost A Thing“ wird ebenso ein Hit wie „Play“, „Ain´t It Funny” und “I´m Real”. Schließlich wird ein Remix-Album hinterhergeschoben, “J.Lo” wird clubtauglich getrimmt. Auch „J To Tha L-O: The Remixes“ wird zum Hit, auch die wiederum ausgekoppelten Singles entern die Charts.

 

Jennifer Lopez - „Jenny From The Block“

Es folgt „This Is Me… Then“ im letzten Rest des Jahres 2002. Neben „All I Have“ und „Baby, I Love U“ ist es vor allen Dingen die erste Single „Jenny From The Block“, die nachhaltig in Erinnerung bleibt. Allein das Album wird 5,5 Millionen Mal weltweit verkauft. Für das Video von „Jenny From The Block“ wird Francis Lawrence engagiert, der bereits Arbeiten für Janet Jackson, Britney Spears, Destiny´s Child, Aerosmith und Justin Timberlake abgeliefert hat.

Jennifer Lopez zur Seite springen für diesen Track die Gangster-Rapper Styles und Jadakiss, Mitglieder von L.O.X. Während man Jennifer Lopez unterstellen kann, dass sie Probleme hat, ein authentisches Bild von sich zu vermitteln, sie hat sich zu wandlungsfähig gegeben, helfen ihr diese beiden echten, wirklichen Männer, sich ein für allemal zu verorten. Denn darum geht es in dem Lied: der Text ist der einer Person, die zwar finanziell erfolgreich ist, allerdings weiß, woher sie gekommen ist und wohin sie gehört. Block meint Bronx. Gut, sie ist nicht gerade ein Ghettokind, allerdings muss man Kompromisse machen, wenn man eine Geschichte erzählt – und sie meint es ernst: „I´m real, I thought I told you.“

Im Sommer 2004 nimmt Jennifer Lopez mit ihrem aktuellen Ehemann Marc Anthony „Escapemonos“ auf, Anfang 2005 folgt ihr eigenes Album „Rebirth“. Verspekuliert. Die Erwartungen sind im Vorfeld hoch, die Pause war vergleichsweise lang, „Get Right“ ist ein kleiner Erfolg, mit Wiedergeburt ist nicht viel. Hat sie auch nicht nötig. Erfolgreicher ist da schon die Zusammenarbeit mit LL Cool J 2006. „Control Myself“ bleibt allerdings auch nur ein Strohfeuer. Irgendwie scheint der ganz große Hype verflogen, große Fans werden jetzt protestieren und von der schwierigen Marktlage erzählen; Fakt ist, die Schlagzahl ihrer Präsenzen am Markt ist verlangsamt und gleichzeitig ist ihre Dominanz, die sie ja mal in den Charts besaß, flöten gegangen.

Vielleicht hat sie auch besseres zu tun. Nach langer Bastelei kommt Anfang 2007 „Como ana una mujer“ auf den Markt, nein, sie scheint den Markt gewechselt zu haben. Die Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann ist ein Schmusibusi-Plättchen, auf dem gesäuselt und an spanischer Folklore entlang gehangelt wird, mit dem sich das Ehepaar Lopez/Anthony der großen spanischen Gemeinde Amerikas präsentiert, und die Achtungserfolge in der Türkei, Deutschland und Italien erreicht.

 

Jennifer Lopez - Und die Männer?

Und die Klatschspalten? müsste es heißen. Jennifer Lopez ist allseits anerkannte Diva. Zumindest betonen das ihre Ex-Männer unermüdlich. Jetzt ist es allerdings Marc „I Need To Know“ Anthony, und über dessen Leichen im Keller spricht schließlich auch niemand. P. Diddy, Cris Judd und Ben Affleck sollen reden.





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