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K.I.Z.
K.I.Z. Foto © by Bernd Jaworek

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… und dann gibt es noch K.I.Z. Wer am Rap, wie er die Charts Deutschlands dominiert, etwas auszusetzen hat, weil ihm vielleicht der wirklich schwarze Humor und die Selbstironie fehlen, sich allerdings keinesfalls die Abkehr vom Nihilismus, der Wut und dem Spaß wünscht, der dürfte mit K.I.Z. gut bedient sein. Royal Bunker gibt es ja eigentlich nicht mehr, aber K.I.Z. kommt von dort, aus Berlin, diesem schwarzen Loch im Osten. Die Gruppe besteht aus DJ Craft, Tarek, Maxim und Nico, der DJ ist ein viel beschäftigter Mann, ein Wandler zwischen den Genrewelten, war bereits Mitglied in verschiedenen Fusion-Formationen, ist (neben Hip-Hop) im Bereich des Nu Metal, Funk, Bhangra, Jazz, Klezmer, Dancehall, Punk und noch ein paar anderen Sachen tätig …

 

Tarek ist der einzige der vier, der nicht in Berlin aufgewachsen ist – ein wirklich ungewöhnlicher Schnitt. Er kommt aus dem Breisgau, hat in Spanien gelebt und ist als gereifter junger Erwachsener in die bundesdeutsche Hauptstadt gegangen, Maxim leidet noch heute unter den Zwängen, die aus seiner durch Vernunft, die Lektüre von Büchern und den in den 80ern vorherrschenden pädagogischen Reflexen geprägten Erziehung resultieren und Nico leidet höchstens darunter, dass er nie in den Kindergarten gegangen ist und ihm sein Titel Euro8000 von einem Nazi madig gemacht worden ist.

 

2000 wird K.I.Z. gegründet, im Grunde arbeitet das Quartett mit denselben Rohmaterialien wie die meisten Berliner Kollegen, findet es nicht nur in Ordnung, Schimpfwörter und sexualisierte Sachen zu sagen, sondern kultiviert das, was Oma Gossensprache nennt, kann sich durchaus mit den ganzen anderen Ferkeln der Szene messen lassen, wird aber eher als die ganzen anderen Ferkel vom Feuilleton gemocht (und zwar nicht so, wie Bushido beispielsweise gemocht wird, um dessen Anerkennung man bemüht ist, weil er unglaublich viele Menschen zu mobilisieren vermag: bei K.I.Z. bemüht man sich um die Anerkennung der künstlerischen, sprachlichen und gesellschaftsrelevanten Kulturtätigkeit). Das ist ein bisschen merkwürdig, gewöhnlich stecken Künstler wie diese hierzulande in Imagefallen, aus denen sie nicht herauskommen.

 

Egal. Nach einer Zeit des freien künstlerischen Schaffens und der Auftritte in der Reimliga Battle Arena, zumindest sind dort Beiträge von Tarek, Euro8000 und vor allen Dingen Maxim hinterlegt, übernimmt Royal Bunker, wo 2005 „Das Rap Deutschland Kettensägen Massaker“ veröffentlicht wird. Irgendwer muss damit angefangen haben, recht schnell hört man allenthalben Experten betonen, dass sie prinzipiell keinen deutschen Hip-Hop hören, K.I.Z. jedoch die große Ausnahme sei. Die Abgrenzung ist ein bisschen kompliziert, da sich K.I.Z. beim Kollaborieren gefällt. Die Neigung zur Fleischeslust in jeder gebotenen, auch gerne äußerst morbiden Variante, wird fröhlich in die Öffentlichkeit getragen, die nächste Veröffentlichung ist das Mixtape „Böhse Enkelz“ Anfang 2006.

 

K.I.Z. parodiert sich durch Popdeutschland, geht zunächst mit der Bloodhound Gang auf Tournee, es folgt die Donnerwetter!-Tour mit Kollegah und Prinz Pi. Universal Music übernimmt, K.I.Z. wird angeblich vom Veranstalter von Rock am Ring ausgeladen, weil dem Sponsor Suzuki die Texte zu hart sind, die Berliner Verkehrsbetriebe versuchen, sich durch die Schließung eines U-Bahn-Hofes vor einem Konzert der vier zu schützen, die Berliner Polizei versucht, die Berliner vor einem Konzert der vier auf dem Vorplatz eines U-Bahnhofes zu schützen, im August 2007 wird „Hahnenkampf“ veröffentlicht, das Majordebüt.

 

K.I.Z. tout und entert einen Top-10-Platz in den deutschen Charts, „Hölle“ mit Bela B wird zum größten Singlecharterfolg der Gruppe bis hierhin (mit dem Mann von den Ärzten teilt man den Hang zum Blutigen), „Neuruppin“ hängt im Internet in einem liebevoll gestalteten, interaktiven Video.


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