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Mark Medlock
Mark Medlock Foto © by Sony BMG - Nikolaj Georgiew

 Mark Medlock 

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Mark Medlock ist der Gewinner der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) von 2007. Die Superstars, die in solchen Shows erkoren werden, haben recht spezielle Eigenschaften – und Medlock ist dafür ein Musterbeispiel. Sie kommen für den Zuschauer aus dem Nichts, haben einige Monate Zeit, sich in den Emotionszentren der Zuschauer festzusetzen, geben von sich, was von ihnen gefordert wird, müssen blank ziehen – und werden anschließend mit einem Knebelvertrag ausgestattet ins Stardasein entlassen. Man hält an ihnen genau so lange fest, wie sich genügend potentielle CD-Käufer an die emotionalen Momente erinnern, die sie mit dem Superstar geteilt haben. Die Zuschauer wählen den Star – und er muss sich auszeichnen. Ein Freak kommt weit, gewinnt jedoch in der Regel nicht. Ganz langweilig darf der Gewinner nicht sein, das hat die Vergangenheit gezeigt – eine vernünftige Mischung aus Vergangenheit, Expertenmeinung, die das Können bezeugt und die Überzeugung, dass so etwas wie Zukunft für den Wettbewerbsteilnehmer garantiert ist, erzwingt den Sieger.

Bei RTL gehen die Stars in spe einen knallharten Weg. In einer Troika von Experten sitzt Produzent und Musiker Dieter Bohlen und gefällt sich darin, auf Jugendliche und junge Erwachsene, die zum Teil in völliger Selbstüberschätzung vor die Kamera treten, kleinzumachen – und dabei auch nicht mit Tritten unter die Gürtellinie zu sparen. Medlock kämpft sich meisterhaft durch den Wettbewerb, gibt mal etwas über seine sexuelle Ausrichtung preis, dann wieder über familiäre Katastrophen, er rührt Zuschauer, Wegbegleiter, die Jury und sich selbst immer wieder zu Tränen, kämpft sich durch eine Erkrankung, lässt ab und zu an seinem Willen zweifeln, um dann meisterhaft aufzutrumpfen. Er kommt von ganz unten – er ist das Muster eines Emporkömmlings, der nichts zu verlieren hat.

Dann wiederum taugt Mark Medlock in ganz bestimmten Bereichen auch nicht als Musterbeispiel für die temporären Stars, die es in den vergangenen Jahren in die deutsche Öffentlichkeit geschafft haben – bzw. wie bei RTL superdemokratisch von den Zuschauern zu Superstars erkoren worden sind.

Mark Medlock - DSDS

Dieter Bohlen will 2007 mehr. Der Sieger soll ein richtiger Superstar sein. Früh fällt seine Wahl auf Mark Medlock – und als Jurymitglied kämpft er für die Wahl seiner Wahl. Man muss ihn verstehen. Es ist die vierte Folge DSDS, der Dieter Bohlen beiwohnt. Der erste Star, Alexander Klaws, ist auch seine Wahl – und obwohl er mit drei Alben, von denen zwei auf dem ersten Platz landen, erfolgreich ist, rauscht er bei einem internationalen Vergleich nationaler Superstars dermaßen bei den anwesenden Kritikern durch, dass diese Form des Vergleichs bis heute nicht wiederholt worden ist. Die ganz große Zeit des Superstars Klaws dürfte abgelaufen sein. In den Folgen zwei und drei von DSDS folgt auf die Rockröhre Elli Erl ein gewisser Tobias Regner. Nachdem Erl keinen Erfolg hat, opponiert Bohlen offen gegen den werdenden Superstar Regner, der auf einer etwas altertümlichen Rockschiene fährt und absolut nicht mit den Erfolgsrezepten des Dieter Bohlen kompatibel ist.

Mark Medlock kann was, ist jedoch ebenfalls relativ festgefahren auf Stile, die nicht unbedingt topaktuell sind. Er gibt „(Sittin´On) The Dock Of The Bay“ von Otis Redding, „I Heard It Through The Grapewine“ von Norman Whitfield und Barrett Strong, “Unchain My Heart” von Ray Charles und Bill Whithers “Ain´t No Sunshine” zum besten – und während er anfallende Höhen durch die Bank versemmelt und sonst auch recht wenig auf die soulige Note gibt, fährt er mit seiner wunderschön sonorigen Stimme immer noch den breitesten Schlitten zwischen Frankfurt und Offenbach. Das macht er wirklich fein – und er setzt sich ganz bestimmt verdient gegen die angeblich 28596 anderen Kandidaten durch.

Es ist ziemlich deutlich, was Dieter Bohlen will. Er will seinen Ruf als unglaublich erfolgreicher Produzent manifestieren und möchte sich perspektivisch endlich wieder selbst als Musiker ins Rampenlicht rücken. Allerdings ist die Musik der 60er nicht unbedingt seine Stärke. Er ist eindeutig in den 80ern zuhause – und es ist nicht ganz klar, warum er sich Mark Medlock aussucht, dessen Stimme zwar schön, für seine Zwecke jedoch eigentlich unbrauchbar ist. Vielleicht ist es taktisches Kalkül, er will nicht wieder für irgendeinen Hobbyrocker schreiben müssen, denn das ist das Geschenk und der Deal am Ende einer jeden DSDS-Saison – oder es ist einfach der Zwang, auf das richtige Pferd zu setzen. Möglicherweise gefällt ihm das Spiel mit Macho- und Schwulenimages, die Fortsetzung seiner komischen, aber wahnsinnig erfolgreichen Arbeit in den 80er Jahren.

Mark Medlock wird der Superstar und die Freude bei Dieter Bohlen ist ehrlich. Nach der obligatorischen Superstar-CD aus seiner Feder entsteht noch 2007 ein Album, in dem Bohlen ein Duo mit Medlock gibt. Eine gnadenlose Fortsetzung der Arbeit von „Blue System“.

Die Recherche nach Medlock im Internet zeigt deutlich, wie sehr sein Dasein als Musiker von der Zusammenarbeit mit Bohlen geprägt ist – mehr noch als bei seinen Superstar-Vorgängern. Bei ihm tritt die bekannte bohlensche Diskrepanz auf: bis auf wenige Refugien, in denen sich die Fans gegenseitig schützen (Fanforen, Wikipedia, offizielle Homepages, Partnerschaften) bestehen Berichte über Medlock nahezu ausnahmslos aus Verrissen. Demgegenüber stehen TOP-10-Platzierungen am laufenden Band.

Mark Medlock - Frankfurt

Mark Medlock ist Jahrgang 1978, gebürtiger Frankfurter, wird früh gesanglich vom Vater gefördert. Es sind Soul- und Gospelklassiker, die ihm quasi in die Wiege gelegt werden. Medlock muss Ende der 90er seine Schullaufbahn abbrechen, um seine schwer erkrankte Mutter zu pflegen. Nach dem Tod beider Eltern versucht er, sich mit etlichen kleinen Jobs über Wasser zu halten und in der abstrakten Malerei.

Ohne Bühnenerfahrung bestreitet er im Herbst 2006 seine ersten Auftritte vor Bohlen und seinen Juryfreunden. Freunde ist vielleicht nicht das richtige Wort, mit dem Juryonkel Heinz Henn entwickelt Bohlen einen engagiert geführten Kompetenzwettkampf, den Bohlen mit dem Sieg Mark Medlocks für sich entscheidet. Und es gibt eine recht spezielle Eigenschaft, die Medlock und Bohlen einander näherbringt: Bohlen, der vor Gericht schon einmal erstritt, auch Polizistinnen duzen zu dürfen, muss die schnoddrige, oft ordinäre und sehr hessische Schnauze von Medlock gut gefallen haben.

Mark Medlock - Mr. Lonely

Das erste Album von Mark Medlock heißt „Mr. Lonely“. Es beginnt mit dem finalen Superhit der Supershow der Superstars „Now Or Never“ – den Medlock nach Ansicht der Zuschauer besser singen kann als sein Finalkontrahent Martin Stosch. Bohlen hat für den Sieger (natürlich) Popballaden geschrieben, die größtmögliche Annäherung an die Stärke Medlocks, dem Soul, der allerdings nicht Rechnung getragen wird. So soll es sein. Mark Medlock kann sich finanziell konsolidieren, Hessen den Rücken kehren und erst einmal die wesentlichen Sachen anpacken. Mit Sicherheit wird er sich eines Tages musikalisch emanzipieren, wenn er nicht irgendeine bescheuerte Drogengeschichte übertreibt oder sonst irgendwie abschmiert. Zunächst allerdings ist er in den Klauen Bohlens, und das ist der Preis, den er zahlen muss; den man zahlen muss, möchte man Superstar nach RTL-Version sein. Daher passt „Mr. Lonely“ sogar ganz prima – und obwohl das Album langweilig ist, verkauft es sich wunderbar. Außerdem geht es noch schlimmer.

Mark Medlock - Dreamcatcher

Das nächste Album ist „Dreamcatcher“ – und nun bildet Medlock mit Bohlen ein fulminantes Popduo, megaerfolgreich, die Fußnägel kräuseln nicht. Der Dieter Bohlen ist ja vor nichts fies. Kein einziges Kitschklischee wird ausgelassen. Spürt man beim Vorgängeralbum, dass Bohlen seine Finger im Spiel hat, ist es bei „Dreamcatcher“ mit allen Sinnen wahrnehmbar. Er hat alles reingeworfen, was sein Studio hergibt, am Ende noch sein Konterfei.

Für Medlock ist 2007 ein großes Jahr. Er hat zwei Alben auf dem Markt, ist ein Superstar – jetzt muss er nur noch schnallen, das für seine musikalische Zukunft noch keine einzige Weiche gestellt worden ist, dann wird eventuell noch was aus ihm. Denn „Easy“ kann er eigentlich ganz prima singen.


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