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… und Mary J. Blige ist ebenfalls eine der ganz Großen. Das muss man so deutlich sagen, weil sie in der Regel nicht genannt wird, wenn nach den neuen Diven gerufen wird. Die Doofen nennen Beyoncé Knowles, die Zurückgebliebenen Mariah Carey, dabei gibt es gute Gründe, mit Mary J. Blige eine Künstlerin zu wählen, die – wie es sich für Diven gehört – alle Möglichkeiten der Medienpräsenz für sich zu nutzen weiß, im Bereich des Soul, R&B und Hip-Hop unterwegs ist, als Produzentin arbeitet, mit den entscheidenden Preisen gleich mehrfach ausgezeichnet ist und ihre Alben in unglaublichen Mengen absetzt. Es fehlt, das mögen wache Zeitgenossen mit gutem Recht einwenden, das entscheidende Quäntchen Wahnsinn, der permanent drohende Untergang nach sensationellen Erfolgsphasen, den alle Megastars haben und vielleicht ein Dutzend weltweiter Nummer-1-Hits.

 

Aber eigentlich ist die Geschichte ausreichend merkwürdig: im Grunde erfüllt Mary J. Blige sämtliche Voraussetzung, um voll anerkannter Teil des laufenden Irrsinns zu sein. Sie führt Promibeziehungen, hat Scheidungen hinter sich, den so üblichen Produzentenlebenspartner, plaudert in Talkshows über schreckliche Dinge, die ihr in der Kindheit angetan wurden, hat eine beachtliche Drogenkarriere hinter sich und sogar die so typische Schwester, die es ebenfalls auf dem Popmusikparkett versucht. Vielleicht ist Mary J. Blige zu perfekt?

 

Mary J. Blige – What´s The 411?

 

Auf jeden Fall ist Mary J. Blige bereits seit 1989 im Geschäft. Der Freund ihrer Mutter geht seinerzeit mit einem Demotape hausieren, Uptown Records greift zu. Das Label gibt es zwar nicht mehr, ist allerdings Ausgangsstation für eine ganze Reihe von Karrieren in New York, darunter die von P. Diddy, der irgendwann rausfliegt und den jungen Notorious B.I.G. mitnimmt … die Geschichte ist bekannt. Mary J. Blige ist in den ersten Jahren vornehmlich als Backgroundsängerin aktiv, für Father MC, für Jeff Redd, Grand Puba – im Bereich New Jack Swing, Hip-Hop-Soul, alles topaktuell seinerzeit. P. Diddy, der noch mit ziemlicher Sicherheit anders heißt und ausschließlich als Produzent tätig ist, beginnt 1991, mit Mary J. Blige an ihrem Debütalbum zu arbeiten.

 

Und es ist erstaunlich, was Diddy damals schon auf die Beine stellt. DeVante Swing ist an der Arbeit beteiligt, der blutjunge Busta Rhymes, noch bei den Leaders of the New School, ist dabei, noch einige andere (man muss diese Aufzählungsgeschichten nicht übertreiben). „What´s The 411?“ gibt es ab Juli 1992 – und Mary J. Blige feiert mit ihrem ersten Album erstaunliche Erfolge. Das sagt sich immer so leicht: „What´s The 411?“ schlägt genau dort ein, wo das Album einschlagen soll, das erkennt man an den immerhin acht Singles, die veröffentlicht werden, auch in England wird Mary J. Blige wahrgenommen. Aber die neue Superdiva ist sie eben noch nicht, da gibt es 1992/93 andere.

 

Mary J. Blige – My Life

 

Das zweite Album gibt es Ende 1994. „My Life“ gilt vielen Fans und Kritikern als das zentrale Werk der Mary J. Blige, es ist die Arbeit vor dem großen internationalen Durchbruch, von den Singles wird keine zu einem erwähnenswerten Charterfolg. Dafür arbeitet die Musikerin an anderen Projekten, singt Aretha Franklins „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ für die Serie „New York Undercover“ ein, hat einen Beitrag auf dem Soundtrack zu „Warten auf Mr. Right“ (ein Film mit Whitney Houston) und gewinnt einen Grammy für ein Duett mit Method Man.

 

Da Uptown Records nicht mehr existiert, wechselt Mary J. Blige zu MCA Records. Ein neues Produzententeam wird ihr zugeteilt, für Rodney Jerkins etwa wird diese Produktion zu einer wirklich entscheidenden in seiner noch jungen Karriere, Lil´ Kim, Nas, R. Kelly, George Benson, The LOX (mit Jadakiss) und Roy Ayers werden für Duetts gewonnen, „Share My World“, das dritte Studioalbum von Mary J. Blige wird im April 1997 in den USA veröffentlicht, die nun auch außerhalb ihres Heimatlandes (wo sie den ersten Platz der Billboard-Charts erobert), etwa in Frankreich, Kanada, Neuseeland verstärkt wahrgenommen wird.

 

Mary J. Blige – Mary

 

Der nächste große Schritt ist „Mary“, das Album, das Mitte 1999 herauskommt. Die Musikerin kehrt nach einer großen Tour und mittelgroßen Pause zurück ins Studio – und kriegt Besuch von Aretha Franklin, Eric Clapton, Elton John, George Michael, Lauryn Hill, Jadakiss, K-Ci Hailey, ihrem Exfreund, um nur einige zu nennen, eine erstaunliche Zusammenstellung. Im August 2001 folgt „No More Drama“, diesmal befinden sich Dr. Dre, The Neptunes und Missy Elliott unter den Produzenten, der Titelsong wird auch bei uns relativ häufig gespielt. Nachdem Mary J. Blige bereits 1998 in der „Jamie Fox Show“ aufgetreten ist, übernimmt sie 2001 ihre erste große Rolle neben Q-Tip in dem Film „Prison Song“. Im Zweijahresrhythmus geht es weiter. Für „Love & Life“ arbeitet Mary J. Blige erneut mit P. Diddy zusammen, ebenfalls 2003 singt sie mit Sting das Duett „Whenever I Say Your Name“, 2005 folgt „The Breakthrough“ – und weil es doch Spaß macht: diesmal sind unter anderem U2 (mit denen spielt sie „One“), Jay-Z und Raphael Saadiq dabei.

 

Seit Dezember 2006 gibt es ein Best-of-Album, ein Jahr später „Growing Pains“, das achte Studioalbum. Zwischen 1996 und 2004 ist Mary J. Blige in jedem Jahr für mindestens einen Grammy nominiert, nach zwei Jahren Pause wird sie 2007 immerhin acht Mal nominiert, erhält drei der Orden.





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