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Frühjahr 2010: Mehrzad Marashi tritt zum großen Finale der siebten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ an; das ist die Castingshow von RTL und mit Dieter Bohlen. Mehrzad ist Ende 20, also relativ alt, hat eine bezaubernde Tochter, eine bezaubernde Freundin, eine sehr sympathische Familie, langjährige Bühnenerfahrung und verbindet Sorgfalt und Ehrgeiz mit großem Talent – und zwar was die performerische Sicherheit und die gesangliche Fähigkeit angeht.
Wer sich ein wenig mit den speziellen Gesetzmäßigkeiten von DSDS auskennt, der weiß, dass das nicht reicht. Mehrzad bietet das kompletteste Paket im gewaltigen, annähernd 35.000 Menschen umfassenden Teilnehmerfeld, er begeistert mit traumwandlerischer Sicherheit und hoher Variabilität und ist sicherer Kandidat für das Finale. Und trotzdem muss er mehr bieten, seine letzte Geschäftspleite, seinen verstorbenen Bruder, der immer an ihn geglaubt hat, die große Liebeserklärung an seine Freundin im Halbfinale, das Gerede von der letzten Chance – und damit wird Mehrzad Marashi zum perfekten Finalisten bei DSDS.
2010 ist das Jahr, in dem unter den letzten zehn Kandidaten bei DSDS zehn Medienprofis sind. Wenigstens wirken die jungen Leute unglaublich abgewichst, unglaublich offen, bereit, alles, wirklich alles in die Waagschale zu werfen. Klare Rollenverteilungen, neue Träume, Images werden wie Städte gegründet – im Vergleich zum Rest überwiegt bei Mehrzad die Musik. Als Schüler tritt der Hamburger, der ursprünglich aus dem Iran stammt und, das merkt man immer wieder, die 80er erlebt hat, in einen Chor ein. Es gibt alte Videos davon, wie der junge, flaumbärtige, schmale Mehrzad in der ersten Reihe des großen Chores leidenschaftlich Gospels schmettert.
In den folgenden Jahren versucht er dann auf ganz unterschiedlichen Wegen, seine Passion zum Beruf zu machen, studiert etwa zwei Jahre Klavier und Gesang. Er singt in einer Boygroup, eröffnet eine Karaoke-Bar, gibt Gesangsunterricht … Als Marasco veröffentlicht Mehrzad 2007 einige Lieder, darunter auch eine Single mit zeitgemäßen Interpretationen und Umsetzungen von Tracks des „Dirty-Dancing“-Soundtracks, also mit Soul-R&B-Hip-Hop-Elementen, und findet dafür durchaus kompetente Medienpartner (Warner). Mehrzad heißt Marasco, er arbeitet mit MC Big Boy Timmy (was für eine Anmaßung) und Bandanaman zusammen – und zeigt mindestens, dass er es drauf hat. Allerdings gibt Warner das Projekt auf, nachdem die Konkurrenz ein ähnliches Projekt ein bisschen früher anschiebt.
Mehrzad strahlt eine ungewöhnliche Ruhe aus, ist ein mehr als passabler Tänzer und hat eine Stimme, die in die heutige (deutschsprachige) Poplandschaft einfach sensationell passt. Sie ist warm. Und sie ist schön. Allerdings hat Mehrzad im DSDS-Finale 2010 einen ungemein starken Gegner. Mehrzad und Menowin stellen sicher das rundeste und qualitativ beste Finale, das dieses Format bis hierhin herausgebracht hat. Die beiden unterscheiden sich im Grunde in jeder Hinsicht vollkommen voneinander, können aber beide sensationell abliefern und sind, was ihre Herangehensweise an ein Lied angeht, relativ gut vergleichbar.
In einer der frühen Auswahlrunden singen sie sogar ein Duett, von dem Dieter Bohlen bis heute schwärmt. Im Laufe der Mottoshows teilen Mehrzad und Menowin die Zuschauer zunächst untereinander auf, in einem Streit kurz vor dem Finale spalten sie dann die Nation. RTL hat ein erstes großes Fernsehereignis 2010, Mehrzad entscheidet es für sich, nachdem sich die Jury und das Studiopublikum zu Menowin bekannt haben. Die RTL-Zuschauer denken offensichtlich anders - und sie wählen anders. Die erste Single von Mehrzad heißt "Don´t Believe", stammt von Bohlen und wurde ursprünglich für Daniel Schuhmacher geschrieben ... |
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