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MuseZu den ganz großen, den super großen Bands aus Großbritanniens gehört seit einigen Jahren bereits Muse aus Teighmouth in Devon, unten links in England. Es gibt Popakademieexperten, die wissen von Zeiten zu erzählen, in denen ein überwiegender Teil der jungen Musikschüler versucht hat, sich sämtliche Ecken und Kanten wegzufräsen um dann doch bei dem Versuch zu scheitern, zu der symphonischen Größe, dem Bombast zu gelangen, mit dem Muse große Stadien zu beschallen vermag. Eine Genreeinteilung ist schwer, immerhin befinden wir uns immer noch ein wenig in der Zeit, in der Rockmusik von Muse vorzüglich funktioniert – Rockmusik aus Devon ist vielleicht am treffendsten.
Von Anbeginn ist das Trio ein Trio und besteht aus Christopher Wolstenholme, Matthew Bellamy und Dominic Howard. Anbeginn ist irgendwann Mitte der 90er Jahre, zunächst nennen sich die drei Rocket Baby Dolls, nehmen an Wettbewerben teil, gewinnen einen unabsichtlich, nehmen die Sache ernst, nennen sich Muse und verlassen ihre Stadt. Im Sawmills Studio in Cornwall wird 1997 eine erste EP aufgenommen, die heißt „Muse“, es folgt eine, die „Muscle Museum“ getauft wird – Paul Reeve ist Muse-Produzent der ersten Stunde.
Muse – Showbiz
Für den ersten Longplayer wird John Leckie hinzugezogen – nicht weniger als eine Produzentenlegende. Der Mann hat schon mit XTC, The Stone Roses, Simple Minds, Radiohead und The Fall gearbeitet, wir haben uns bei Elixic vor einer Weile über sein sensationelles Gespür gefreut, nachdem er sich am Debüt von Rodrigo y Gabriela beteiligt hat. Die Veröffentlichung von „Showbiz“ ist im Oktober 1999, die britische Presse überschlägt sich (mal wieder), die Band, bereits ein Jahr bei einem Sublabel von Warner unter Vertrag, wird um die Erde geschickt.
Der Gesang Matthew Bellamys erinnert frappierend an jenen Thom Yorks, die Band legt ein prächtiges, abwechslungsreiches erstes Album vor; geradezu erschreckend gut. „Origin Of Symmetry“ heißt der nächste Streich im Sommer 2001. Die Jungs sind gewachsen, bombastischer – und schneller. Und leidenschaftlicher irgendwie. Muse hat viel experimentiert, Orgeln, Violinen und Cellos ins Studio geholt und das Team um den Tool-Hausproduzenten David Bottrill ergänzt. Dies ist der Einstieg in die deutschen Charts (Platz 17) und der Angriff auf die UK-Chartspitze (Platz 3). Für Muse stehen in jenen Tagen nur die allerhöchsten Weihen bereit: Vergleiche mit Queen und/oder Rachmaninow, wenn es ums Arrangement, Jimi Hendrix und Tom Morello von Rage Against The Machine, wenn es ums Gitarrenspiel geht, eine Stimme, die der Plattenfirma nicht radiofreundlich genug ist – die Awards des Mainstreams indes, die Besprechungen durch Experten mitunter negativ beeinflussen, folgen erst Jahre später.
Muse – Absolution
Ganz besonders fein ist der „Hullabaloo Soundtrack“ im Sommer 2002, eine Zusammenstellung von „B-Seiten“ und Live-Arbeiten, anstrengend und wundervoll verquer. Dies ist die intensivste Veröffentlichungsphase von Muse, und die gipfelt in „Absolution“, dem Album aus dem Sommer 2003. Die Band hat ihr Team umgebaut, Rich Costey ist Produzent, John Cornfield macht ebenfalls mit, „Time Is Running Out“ ist die Hitsingle des Albums. Muse hat sich konzeptionell auf das große Stadion hingearbeitet, die durch Show getragene Emotion und stößt die üblichen bescheuerten Diskussionen über den bösen Mainstream an und den Weg der Band natürlich und die Veränderung der Fans und darüber, dass die alten Alben besser sind, weil sie weniger gehört wurden.
2004 stirbt der Vater von Dominic Howard nach einem Konzert auf dem Glastonbury Festival. Muse muss sich entscheiden, der traurige Vorfall lässt die Band beinahe ihr Schaffen beenden, sie setzt die laufende Konzertreihe dann allerdings fort, im Winter räumt Muse die ersten großen Awards ab.
Muse – The Resistance
Natürlich muss an dieser Stelle ein Bruch kommen. Muse hat sich zur Weltberühmtheit und zu großer Anerkennung gekämpft, hat strategisch klug gehandelt, ist zu Geld gekommen und hat an einem Punkt großer Emotionalität einen schrecklichen Dämpfer hinnehmen müssen. Nicht wenige hätten das sicher als Zeichen genommen, das Projekt zu beenden, der übergroße Teil des Rests hätte etwas geändert. Sichtbar ist im Rückblick zunächst, dass die Veröffentlichungen nun in größeren Abständen folgen, hinzu kommt, dass Matthew Bellamy bereits während der Produktion des nächsten Albums ankündigt, dass der Weg der Band von den dramatischen Bögen hin zu Optimismus und Hoffnung führe.
Im Sommer 2006 wird „Black Holes And Revelations“ veröffentlicht, das vierte Studioalbum. Für die einen ist es tanzbarer, für andere genauso wundervoll düster wie die Vorgänger, für manchen sogar die Rückkehr zu den Wurzeln. Fakt ist, dass Muse hier ein ganz großer Wurf gelungen ist, einer, der mehr Menschen fesselt als jemals zuvor – in Deutschland reicht es immerhin für einen vierten Platz, in etlichen Ländern für mehr. „Starlight“ ist sicherlich das in Deutschland bekannteste Lied, international verkauft sich „Supermassive Black Hole“ besser. Ein Jahr nach der Veröffentlichung spielt Muse bei der Eröffnung des neuen Wembley-Stadions eine tragende Rolle und füllt das Ding gleich zweimal. Eine Dokumentation der Wembley-Abende ist als „HAARP” seit März 2008 im Handel.
Im September 2009 erscheint „The Resistance“, das fünfte Album. Die erste Single heißt „Uprising“, wird seit Anfang August gespielt – und der Weg wird fortgesetzt. Acht Millionen Alben hat Muse bis hierhin verkauft, MTV-, NME-, Q- und Brit-Awards eingesackt. Nun ist die Band nach Mailand gegangen, um mit einem Orchester eigene Arrangements einzuspielen, hat sich beim R&B was abgeguckt, sich schwerere Beats geleistet, aufwändiger Drums programmiert und sich – das soll nicht unerwähnt bleiben – wie schon so oft geostrategischen, politischen, die westliche Politik bewegenden Themen hingegeben. ![]() CD Reviews von Muse findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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