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Nelly Furtado
Nelly Furtado Foto © by Universal Music Group

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Die Single „I´m Like A Bird“ von 2000 könnte die Hymne der One-Hit-Wonder sein. Nelly Furtado wird damit kurz weltweit bekannt, die größte Anerkennung erfährt sie in ihrem Heimatland Kanada, aber auch in Übersee werden die eingängige Melodie und das etwas quäkige Stimmchen im Frühjahr 2001 wahrgenommen, sogar recht häufig gespielt.

 

Könnte natürlich nur, wäre das Album dazu nicht etliche Millionen Mal verkauft worden und hätte es nicht derart eigenwillige und erfolgreiche Fortsetzungen gegeben. So ganz sicher sind sich die Kommentatoren und Rezensenten bereits beim ersten Album nicht, wo das Produkt einzuordnen sei. Einfach von Popmusik zu reden scheint zu schnöde, ist es aber nicht.

 

Der nächste Schritt ist dann allerdings wirklich verwirrend. Ein Album mit dem Titel „Folklore“ Ende 2003. Ein mutiger Schritt sicherlich, und ein Wagnis auch. Schnell kann so ein Starsein ein plötzliches Ende finden. Allerdings befindet sich auf dem Album mit dem Track „Força“ der offizielle Song zur Fußball-Europameisterschaft in Portugal 2004. Bei diesen offiziellen Liedern ist inzwischen alles erlaubt, und so wird auch „Força“ zu einer sicheren Sache in Europa, während der Absatz in Nordamerika etwas zu wünschen übrig lässt. Nelly Fortado wird es sich gedacht haben. Ein – für seine Zeit recht abwechslungsreiches – Popalbum, dann ein Popalbum, das „Folklore“ heißt und dann ein Popalbum, das in die Disko und ins Auto gehört. Alle Alben von Nelly Furtado sind ungemein abwechslungsreich und bedienen sich großzügig im Bereich der Latin -, der Black Music, der Disko, der Popballaden und auch in weiteren Bereichen des Folk. Für die einen begibt sich die Sängerin für ihre Musik an diverse Wurzeln, für andere gleicht die Musik eher einer Wurzelbehandlung.

 

In Europa steigt ihr Erfolg mit dem ersten Album kontinuierlich, in Nordamerika gibt es die kleine, aber nicht wesentliche Verkaufsdelle mit dem Album „Folklore“, das sie mit Sicherheit als eigenständige Künstlerin weit stärker befördert hat, als es eine Fortsetzung des Debüts je ermöglicht hätte.

 

Mit „Loose“, im Sommer 2006 erschienen, steht Nelly Furtado im Zenit ihres Schaffens. Zumindest vorerst, denn zumindest der Erfolg wird erst einmal kaum zu toppen sein.

 

Nelly Kim Furtado

 

1978 geboren, wächst die Sängerin in Kanada als Kind politischer Flüchtlinge von den Azoren auf. Die Hintergründe der elterlichen Flucht liegen in der spannenden, hierzulande fast vergessenen portugiesischen Diktatur Salazars, die sich bis in die 70er Jahre hält. Der Hintergrund des ungewöhnlichen Mixes, den sich Nelly Furtado wählt, ist sicher nicht nur, aber auch in ihrer familiären Vergangenheit zu suchen.

 

Das zweite Album, „Folklore“, soll zunächst „Fresh Off The Boat“ heißen; heißt es allerdings nicht, weil der Bruder die Sängerin darauf aufmerksam macht, dass sie die entscheidende Bootsfahrt nicht für sich beanspruchen kann. Nelly Furtado wächst zwischen R&B, Rock und Hip-Hop auf.

 

Ihre frühe musikalische Ausbildung führt sie von Saiten-, über Blas- bis zu Tasteninstrumenten. Sie kommt über den katholischen Glauben zu folkloristischen Elementen der Exilkultur, früh beginnt sie mit dem Songwriting.

 

1996 singt sie auf dem Hip-Hop-Album eines gewissen Tallis Newkirk, einer Bekanntschaft aus Toronto. Im selben Jahr zieht sie in die Metropole und bildet mit Newkirk ein Trip-Hop-Duo: Nelstar. Trip-Hop ist seinerzeit unglaublich populär, Nelstar wird es nie. Das ist jedoch alles nicht wichtig und fände niemals eine Erwähnung bei Elixic, wenn Nelly Furtado nicht bei einem lokalen Talentwettbewerb mitgemacht hätte, wo Gerald Eaton auf sie aufmerksam wird, seines Zeichens jamaikanisch-kanadischer R&B-Sänger, der gemeinsam mit seinem Partner Brian West das Produzententeam Track & Field bildet und das Talent verpflichtet.

 

Gemeinsam erarbeiten die Künstler ein Demotape, mit dem Nelly Furtado 1999 bei DreamWorks Records aus den USA einen Vertrag erhält. Über dieses Label hat die Sängerin ihre erste wichtige Veröffentlichung, „Party´s Just Begun (Again)“ auf dem Soundtrack des Dramas „Brokedown Palace“.

 

Nelly Furtado - Woah, Nelly!

 

Ein schöner Titel ist es, den das Debütalbum im Oktober 2000 trägt. Gemeinsam mit Eaton und West schnürt Nelly Furtado ein buntes Pop-Paket. Sie bedient die Menschen, die sich auch von Britney Spears und Kolleginnen gefangen nehmen lassen, und entführt diejenige, die mit der Musik in den Charts ihre Probleme haben, an die Ränder ihrer eigenen Toleranzgrenzen. Viele Balladen, viel R&B-Elemente, verspielt arrangierte, sauber produzierte Pop-Tracks und Soul mit einer Stimme, die sich eigentlich wenig nach Soul anhört. Es funktioniert.

 

Der Verkauf des Albums startet nicht gerade rasant, am Ende wird es jedoch über 6 Millionen Mal abgesetzt. Mit „I´m Like A Bird“ hat Nelly Furtado mit der ersten Single in Kanada ihren ersten Nummer-1-Hit. In den meisten Ländern steigt ihre zweite Single „Turn Off The Light“ im Sommer 2001 weit höher ein als das Debüt. Moby nimmt sie mit auf seine Tour.

 

Ab 2001 beginnt sie eine zweite Karriere als ungemein erfolgreiche Kollaborateurin. Berühmt wird „Get Ur Freak On“ mit Missy Elliot, aber auch die Arbeiten mit Dave Stewart, Jurassic 5, The Roots und Paul Oakenfold werden viel beachtet. Ihre Mitstreiter sind extrem unterschiedlich, wenn man die musikalische Basis betrachtet – und Nelly Furtado ist extrem wandelbar, bleibt jedoch grundsätzlich klar erkennbar. Für ihre erste Single „I´m Like A Bird“ erhält sie 2002 den Grammy.

 

Nelly Furtado - Folklore

 

Im November 2003, zwei Monate nach der Geburt ihrer Tochter, kommt das zweite Album „Folklore“ auf den Markt. So folkloristisch, wie man jetzt vielleicht meinen könnte, ist die Angelegenheit nicht. Noch weniger versuchen die Produzenten, den archaischen Klang einer bestimmten Tradition, Kultur oder eines bestimmten Ortes zu kopieren. Und das macht das Album besonders wertvoll.

 

Erkennbar sind viele folkloristische Einflüsse nur für jene, die das Original kennen. Bei „Força“, dem EM-Hit, werden dem Hörer die „afrikanischen“ Rhythmen noch am deutlichsten um die Ohren gehauen. Sie spielt Banjo und Latina, Fado, und auch Hip-Hop-Rhythmen sind noch zu finden. Insgesamt ist das Album wesentlich getragener als sein Vorgänger. Vor allem in Deutschland ist es sehr erfolgreich, wahrscheinlich hätte es sich bei einem besseren Abschneiden der deutschen Mannschaft während der EM – aber man weiß es nicht. 2 Millionen Verkäufe sind doch auch etwas.

 

Nelly Furtado - Loose

 

Nichts gegen fast 8 Millionen, eine klare Steigerung, was Energie, Status und Verkaufszahlen angeht, verzeichnet Nelly Furtado mit dem dritten Album „Loose“, das für die Tanzfläche gemacht ist. Es landet in etlichen Ländern auf Platz 1 der Charts. Der Single „Maneater“ mit ihrem schräg stampfenden Rhythmus kann man im Frühjahr 2006 kaum ausweichen. Das Album ist keine Abkehr von dem, was war, sondern vereinnahmt sowohl Elemente des ersten als auch des zweiten Albums, versieht diese im Gesamtbild des Albums jedoch mit einer völlig neuen Dynamik. Dass sie durchaus gewillt ist, auf diesem Level weiterzumachen, belegt die Künstlerin mit der Single „Give It To Me“, die Timbaland gemeinsam mit ihr und Justin Timberlake produziert und Anfang 2007 veröffentlicht.


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