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Nickelback Foto © by Roadrunner Record

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Wenn das ZDF einen Jingle für irgendeinen Trailer sucht, dann nimmt es gerne etwas von Nickelback. Die Band spielt Rock von der Sorte, die von Thomas Gottschalk mit ehrlicher Begeisterung angekündigt wird, Rockmusik, die irgendwie an die späten 80er und frühen 90er erinnert, die nur besser produziert ist. Gebändigte Rockmusik für den gepflegten Vorgarten, der Chad Kroeger singt, als habe er sich die Stimme einmal richtig mit Schnaps und Tabak zerstört, in den folgenden Jahrzehnten allerdings einen guten Arzt gehabt. Man muss Nickelback mögen.

 

Junge, warum hören wir nicht Nickelback? Das Konzept ist genau das, was sich Väter, die am Geschmack ihrer Söhne verzweifeln, als Kompromisslinie erträumen: Männer, die noch breitbeinig auf der Bühne stehen und auch mal eine Ballade raus hauen. Ein Pudel als Sänger, der dem Teufel in dessen ureigensten Gefilden ernsthafte Probleme bereiten könnte … So sehen es die einen. Für andere ist Nickelback die Fortführung des Grunge mit anderen Mitteln. In der Tat erinnert die Musik entfernt an das, was damals … Man hört Sänger Kroeger die Wurzeln seines Musikinteresses an. Das Röhrende gemahnt dunkel an die Tage, an denen Kurt und Eddie und Chris so richtig, aber wirklich so richtig abgegangen sind. Ganz unlogisch ist es nicht. Nickelback entsteht am Ende des Grunge-Hypes, die Musiker adaptieren Elemente dieser kurzen, großen Zeit. Verwunderlich ist vielmehr, dass Nickelback zu den wenigen Combos gehört, die damit richtig Schotter machen können. So zählt die Band bei einigen als Post-Grunge-Gruppe, was wiederum bei anderen stechendes Zahnweh verursacht – uns soll es recht sein.

 

Es ist natürlich nicht alles Grunge, die Basis ist Rock&Roll, mitunter verstecken sich Metal-Anleihen (zumindest das Label Roadrunner steht dafür), oft kann man sich nur mit Pop behelfen, wenn man es denn benennen möchte. Nickelback arbeitet immer hochmelodiös, gerne mit Groove und für das große Gemeinschaftserlebnis im Stadion. Die Geschichte der Band geht so: die Brüder Chad und Mike Kroeger aus Hanna in Alberta (Kanada) gründen 1995 gemeinsam mit ihrem Kumpel Ryan Peake (aus Brooks) und ihrem Cousin Brandon Nickelback, nachdem Mike, der in einem Starbucks arbeitet, einen Nickel Wechselgeld erhält – eine Sache, die jeden Tag passiert und selten derart große Auswirkungen hat.

 

Chad singt und spielt Gitarre, Mike ist Bassist, Ryan Gitarrist und das Schlagzeug die Achillesferse der Band. Nach einigen Monaten – und ersten kleinen Erfolgen – muss Brandon seinen Hut nehmen, der nächste Mann, Mitch Guindon, bleibt noch kürzer im Amt. Erst mit dem Schlagzeuger Ryan Vikedal geht es in die ganz große Zeit von Nickelback, der muss jedoch ebenfall gehen. 2005 steigt mit Daniel Adair ein erfahrener Mann aus Vancouver ein, der zuvor bei 3 Doors Down spielt.

 

1996 bringen die vier Musiker – noch in der Originalbesetzung – eine kleine 7-Track-EP namens „Hesher“ in Alberta raus, im September des Jahres folgt „Curb“, das Debütalbum, das noch in Eigenregie vertrieben wird. Nickelback will einfach nicht in die Zeit passen, die Jungs wirken in ihrer Beharrlichkeit schon beinahe verbohrt, zumindest sympathisch hinterwäldlerisch. Und das zahlt sich aus.

 

Nickelback – The State

 

Erst im März 2000 erscheint in Übersee das Labeldebüt „The State“. Roadrunner Records in New York, ursprünglich aus Holland und inzwischen ein international für die Warner Music Group operierendes Unternehmen, das sich primär verschiedener Aspekte des Metals verschreibt, hat Erbarmen mit den Kanadiern und zieht damit einen ziemlich dicken Fisch an Land. Nickelback legt eine handwerklich solide Arbeit vor, die inzwischen bereits etwas verklärt als Retrokunst begriffen werden kann – lang genug ist Grunge unter der Erde. Chad Kroeger hat eine Stimme, die man erstaunlich gut wiedererkennen kann, „The State“ selbst ist so ein Zwischending: so erfolgreich, dass das Label weitermachen möchte, allerdings nicht ohne eine deutliche Ertragssteigerung zu verlangen.

 

Auf die Kanadier wird Druck ausgeübt, immerhin sind die Singles „Leader Of Men“ und „Breathe“ recht weit oben in den US-Mainstream-Rock-Charts, einer Genrefamilie, die enormes Airplay-Potential besitzt. In Europa gibt es „The State“ stark verzögert, nämlich erst im Mai 2001. Auch dies ist Kennzeichen dafür, dass Nickelback so eben bei den Verantwortlichen durchschlüpft, die magische Schwelle packt. Ein guter Gaul springt eben nur so hoch wie er muss.

 

Nickelback – Silver Side Up

 

Davon kann im Anschluss nicht mehr die Rede sein. Das nächste Album, das hier bei uns nur wenige Monate nach dem Vorgänger erscheint, im Herbst 2001, heißt „Silver Side Up“ und beinhaltet eine tickende Bombe. „How You Remind Me“ ist das Lied, das Nickelback den Status einbringt, den die Band heute genießt. In etlichen Ländern steht erst die Single in den Top 10, die schließlich das Album in die Spitze diverser Charts schnellen lässt.

 

„Silver Side Up“ geht mehr als zehn Millionen Mal über den Tresen, auch die folgenden Singles „Too Bad“ und „Never Again“ werden zu Hits, „Money Bought“ hätte es mit Sicherheit werden können. Die Videos zu „Too Bad“ und „Never Again“ dreht, wie viele der späteren ebenfalls, der Engländer in Kalifornien Nigel Dick („Baby One More Time“), der so für eine einheitliche Bildsprache sorgt. Nickelback ist ein Markenprodukt. Das ganze Jahr 2002 hindurch gibt es Nickelback, europaweit hört man Nickelback – aus Angst, zuviel Nickelback könne den Absätzen schaden, hält Roadrunner 2001 noch „Curb“ unter Verschluss, 2002 wird es professionell wieder veröffentlicht, die Tour der Band zum Triumphzug.

 

Nickelback – The Long Road

 

Nickelback versteht, was verlangt ist und legt in einem Tempo, das wirtschaftlich vernünftig ist, Material nach, das den Zug genau dort weiterführen lässt, wo er gestoppt worden ist. „The Long Road“ erscheint im September 2003. Ein ordentlicher Erfolg ist das Album, die Band zeigt, dass sie etabliert ist.

 

Die Singles selbst sind nicht mehr ganz so erfolgreich, noch ist den Musikern kein zweites „How You Remind Me“ gelungen. Dafür fährt Nickelback zuhause in Kanada mit „Someday“ (selbst Fans munkeln, dass das ein schwacher Versuch war, den eigenen Superhit zu wiederholen) den vierten Nummer-eins-Hit am Stück ein. Auch „Feelin´Way Too Damn Good“, „Figured You Out“ und „Because Of You“ laufen daheim prächtig.

 

Nickelback – All The Right Reasons

 

Im Oktober 2005 gibt es mit „All The Right Reasons“ das nächste Album. Diesmal gelingt Nickelback ein anständiger Nachfolger für den ersten Superhit, „Photograph“ erklimmt in vielen englischsprachigen Ländern die Spitze der Charts, das Album selbst wird annähernd 10 Millionen Mal verkauft. Dimebag Darrell, der inzwischen erschossene Gitarrist von Pantera, ist auf „Side Of A Bullett“ zu hören, insgesamt werden sieben Lieder als Singles veröffentlicht.


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