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Nine Inch Nails


Mit Nine Inch Nails lässt sich prima pubertieren. Trend Reznor, das ist der Chef, liefert phantastisches energiegeladenes, die ganze Frustration in einem einzigen Schrei bündelndes Material, zu dem eigentlich keine Band passen will – daher verwaltet Reznor, ein ziemlich merkwürdiger Typ, das Projekt NIN nach Gutdünken.

 

Nine Inch Nails – there is no fucking your, there is only me

 

Eine wundervoll wütende Stimme, treibender Industrial Rock, der Mut, immer wieder Autoritäten nicht nur zu kritisieren, sondern direkt zu beleidigen, sich immer wiederholende Bilder, ein Projekt, das gerne neue Vertriebswege testet und Reznor, der gelegentlich in Interviews komische Sachen sagt – das ist NIN.

 

Trend Reznor gründet Nine Inch Nails 1988 in Cleveland. Jahrgang 1965 und aus Pennsylvania, wächst er bei seinen Großeltern auf, erhält Klavierunterricht, spielt mehrere Blasinstrumente und beginnt mit einem IT-Studium, das er nicht beendet – alles sehr praktische Grundlagen für den breit angelegten Verantwortungsbereich, dem er sich später verschreibt. In den 80er Jahren trifft er Alain Jourgensen, den Chef von Ministry, spielt bei der New Wave-Formation Option 30, The Innocent und The Exotic Birds, letztere ist vielleicht die einzige, die nicht allein aufgrund seiner Teilhabe in Erinnerung geblieben ist.

 

Nebenbei bastelt er an eigenem Songmaterial. Reznor legt ein gewaltiges Pensum hin, schafft es, für einige Jahre ein Label (Nothing Records) zu führen und Künstler wie Marilyn Manson und die Einstürzenden Neubauten zu vermarkten, hat seinen Beitrag auf dem Soundtrack von „The Crow“, füllt jenen von „Natural Born Killers“, bastelt an Remixes für sehr unterschiedliche Künstler, betreibt ein Seitenprojekt (warum eigentlich?), leistet sich Depressionen und Süchte, hat ein Faible für aufwändige Musikvideos und ist, obwohl ein Einzelgänger, ein gefragter Produzent. Misserfolg kennt Trend Reznor nicht, es gibt immer einen Schuldigen resp. eine Verschwörung.

 

Nine Inch Nails – Pretty Hate Machine

 

Sarkasmus, Wut, treibende synthetische Rhythmen, ordentliche Bässe, die 80er, die ziemlich schlechte Laune gemacht haben müssen, sind in jedem Moment zu hören. Sie sind schließlich noch nicht vorbei. „Down In It“ bringt Nine Inch Nails einen Plattenvertrag bei TVT Records in New York. Das Label kümmert sich um ein illustres Produzententeam mit Flood und Adrian Sherwood, Trend Reznor spielt das Album „Pretty Hate Machine“ allein ein, 1989 kommt es auf den Markt. Mit der Single „Head Like A Hole“ und dem Video dazu hat Nine Inch Nails den ersten landesweiten Erfolg, sowohl die College-Radios als auch MTV spielen das Ding. Das Video zu „Sin“ wird vom Label nicht freigegeben – kaufmännisch keine schlechte Entscheidung.

 

Für Liveauftritte, etwa vor Skinny Puppy und Peter Murphy, 1991 sogar mit Guns N´Roses, sucht sich Trend Reznor eine Band zusammen. Auf denen wütet Trend Reznor, stielt den größeren Acts schnell die Show – nicht selten sind es die Rockfans der frühen 90er, die elektronisches Equipment (albern, ja …) nicht für opportun halten. Nine Inch Nails wächst, während Trend Reznor sich auf der Bühne mit sich, den Instrumenten, oft auch dem Publikum anlegt – ein Clown der frühen 90er, ist in kürzester Zeit auch das Tischtuch zwischen ihm und dm Label zerschnitten.

 

Nine Inch Nails – The Downward Spiral

 

Und das alles macht ihn richtig prima. Selten ist Wut so gut kanalisiert worden wie für die EP „Broken“ 1992. Wer das mag, was Nine Inch Nails ab diesem Moment ist, der wird auch in den Folgejahren glücklich mit dem Projekt sein. Das Lied „Happiness In Slavery“ ist phantastisch, mit dem Video zu „Wish“ aktiviert NIN einmal mehr die Jugendbeschützer der westlichen Hemisphäre. Trend Reznor arbeitet an verschiedenen Videos, mit „Fixed“ erscheint im selben Jahr eine Remix-EP zu „Broken“.

 

1994 ist Zeit für das nächste lange Album, „The Downward Spiral“ ist ein großartiges Ding, das von Hits nur so wimmelt. „March Of The Pigs“, „Closer“, Mr. Self Destruction“ und „Hurt“ (das Lied, das später von Johnny Cash gecovert wird) läuten die ganz große Zeit von Nine Inch Nails ein. Mit „Further Down The Spiral“ folgt eine gleichwertige Remix-Version des Albums. Nine Inch Nails ist, wie könnte es anders sein, aus Self Destruct Tour. Veröffentlichung von Trend Reznor sind eingehaltene Versprechen, die Fans verehren zwar einen durch und durch merkwürdigen Typen; was dieser ihnen jedoch kredenzt, ist jedoch in der Regel hochwertig.

 

Nine Inch Nails – The Fragile

 

Trend Reznor braucht eine ganze Weile, bis er ein neues Album auf den Markt bringt. Es heißt, er habe eine Schreibblockade, trauere um seine Oma, habe ein massives Alkoholproblem und soziale Ängste – am Ende tritt er in einen Streit mit John Malm jr., der ihn als Manager seit Anbeginn der Karriere begleitet und kappt die Verbindung. Auch die Freundschaft zu Marilyn Manson ist beendet. Das nächste Album heißt „The Fragile“ erscheint im September 1999, ein Doppelalbum.

 

Auch wenn die Verkaufszahlen nicht mehr ganz so hoch sind, ist es das erste Album von Nine Inch Nails, das in den USA auf dem ersten Platz der Charts steht. „The Fragile“ lässt ein wenig das Unbändige, Unberechenbare missen, der Hörer muss sich weniger anstrengen, um einen Zugang zum Material zu finden. Mit Singles wie „The Day The World Went Away“ und Starfuckers inc.“ weist es allerdings absolute Sternstunden auf.

 

Im Mai 2005 gibt es dann „White Teeth“, das nächste Album, für das sich Dave Grohl hinter das Schlagzeug von Nine Inch Nails setzt. Vor der Veröffentlichung gibt es ein wenig Ärger, da Auszüge des Albums illegal vorab veröffentlicht werden. Trend Reznor hat sich musikalisch noch einen Schritt weiter auf den Hörer zu bewegt. Teilweise sind es reguläre Popsongs, die auf „White Teeth“ landen. Auch wenn Reznor in seiner Wut über die Vorabveröffentlichung betont, es sei seine beste Arbeit, muss man nicht derselben Meinung sein. Die Musik, die er zehn Jahre zuvor einspielt, ist für die 90er Jahre wichtiger als „White Teeth“ für die Jahre nach der Jahrtausendwende.

 

Nine Inch Nails – Year Zero

 

Wir treten in eine ungemein produktive Phase von Nine Inch Nails ein. „Year Zero“ erscheint Anfang 2007, man kann sich Passagen vorab auf der Homepage anhören. Die Vermarktung ist aufwändig durchgesponnen, musikalisch geht Trend Reznor wieder einen Schritt zurück, bei „My Violent Heart“ ist das prima, bei „Meet Your Master“ ist es vielleicht ein Schritt zuviel – hübsch ist das Lied allemal.

 

„The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust“ von Saul Williams wird von Reznor produziert und den Hörern zum Download feilgeboten, die sich aussuchen müssen, wie viel sie bezahlen wollen. Der Vorlauf für ein hübsches Projekt, das nächste von Nine Inch Nails. „Ghosts I-IV“ entsteht Ende 2007 in sehr kurzer Zeit. Das drei Dutzend Lieder umfassende Mammutwerk steht im März 2008 auf der offiziellen Homepage von Nine Inch Nails in verschiedenen Versionen (von 0 bis 75 US-Dollar) zum Download bereit.





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