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Gäbe es einen Preis für den beschissensten Künstlernamen, P. Diddy, Puff Daddy, Diddy oder Puffy hätte ihn in der Kategorie „Für deutsche Ohren“ mehrfach gewonnen. Es ist so: Sean Combs wird als Puff Daddy berühmt, wechselt zur Jahrtausendwende, ein neues Image muss her, zu P. Diddy und legt, erwachsen geworden, das P. irgendwann ab. Uns ist es zu anstrengend, diesen ständigen Namenswechseln zu folgen, daher bleiben wird bei P. Diddy und spekulieren darauf, dass sich das durchsetzen wird.
Sean Jean Combs, also P. Diddy, ist ein Hai im Mediengeschäft. Und darum geht es eigentlich. Er wird grundsätzlich genannt, wenn die großen Geschäftsleute des Hip-Hop aufgezählt werden. Er ist einer von denen, die eines dieser dem Genre inzwischen typischen Imperien aufgebaut hat. Es gibt kaum ein Geschäftsfeld, das durch P. Diddy nicht besetzt ist. Während viele seiner Kollegen über die Straße, die Wut und eine der vier Säulen des Hip-Hop zum Produzenten reifen, ist P. Diddy zunächst Produktionsassistent bei Uptown Records von Andre Harrell (Dr. Jeckyll & Mr. Hyde) aus Harlem, nachdem er Ende der 80er Jahre sein Studium an der Howard University in Washington, DC abbricht (manche behaupten, er habe das BWL-Studium durchgezogen, seine Lehrer hätten ihm ein verlängertes Wochenende gelassen, das er für ein unbezahltes Praktikum bei Uptown nutzt). Als Akademiker ist er natürlich keine Ausnahme im Geschäft, P. Diddy baut allerdings auf ein Schnösel-Image, das nicht wenigen ganz fürchterlich unangenehm ist.
Ohne Zweifel ist beeindruckend, was der Mann erreicht. Nachdem er sich bei Uptown in der internen Hierarchie rasch Luft verschafft hat, gründet P. Diddy 1993 Bad Boy Entertainment, heute die Bad Boy Worldwide Entertainment Group, mit der er nicht nur zum erfolgreichen Hip-Hop-Produzenten wird, das er in die Warner Music Group eingliedern lässt und das außerdem inzwischen als Franchisegeber Fernsehserien zum Beispiel für MTV produziert. Wie jeder zweite Musiker inzwischen hat er einen Herrenduft, sein Unforgivable ist allerdings in den USA ein Bestseller. Ferner führt P. Diddy die Restaurantkette Justin´s, hat sein eigenes Broadway-Musical und ein gut laufendes Klamottenlabel Sean John. Seine Musikerkarriere gilt als abgeschlossen. Zwar wird man ihn weiterhin als Gastmusiker hören, ebenso auch mal über die Leinwand huschen sehen, P. Diddy gibt sich zufrieden mit „Press Play“ (2006), es muss jedoch natürlich nicht der Schlusspunkt für die Ewigkeit sein.
Geboren 1969 in Missouri, wächst P. Diddy in New York auf. Er ist noch ein Kind, als sein Vater, der im Gangstermilieu unterwegs gewesen sein soll, erschossen wird. Bereits in der Schulzeit übt sich P. Diddy als Promoter. Es gibt diese Kinder, die von vornherein auf die Jobs im Hintergrund scharf sind, weil sie spüren, dass dort die richtige Kohle liegt. So einer muss der kleine Sean sein.
Bei Uptown arbeitet P. Diddy 1991 an dem Debütalbum von Mary J. Blige, „What´s The 411?“, er hat den Präsidenten bei einem (von Sean finanzierten) Dinner überredet, ihm einen Posten im Management zu geben. P. Diddy signt erfolgreich und arbeitet, flexibel wie er ist, auch als musikalischer Leiter. Er ist bereit, für den Erfolg alles zu geben und so erleben wir ihn, vor allem später, in den Jahren um 2000, in allen Lebenslagen. Für nicht wenige ist eine Ecke schwerer zu verdauen, dass P. Diddy, immer auf der Suche nach dem massenkompatiblen Track, nicht nur für sich den Hip-Hop richtet, während er nach der richtigen Mixtur aus Rap und R&B sucht, sondern gleichzeitig, er ist ungemein erfolgreich, den Weg des Genres in den 90er Jahren definiert.
P. Diddy – Bad Boy Entertainment
Der wichtigste Mann, den sich P. Diddy an Bord holt, nachdem er 1993 Bad Boy Entertainment gründet, ist Christopher Wallace, besser bekannt als The Notorious B.I.G. Zwischen Bad Boy und Death Row Records in Kalifornien entwickelt sich eine inzwischen legendäre Fehde, die später mehrere Tote fordert. Darunter sind Tupac Shakur und The Notorious B.I.G. Es läuft prächtig für P. Diddy, der noch kurz zuvor von Andre Harrell gefeuert worden ist, mit Bad Boy allerdings nicht ganz alleine steht – der mächtige Clive Davis, seinerzeit der Arista-Chef, steht hinter ihm.
„Ready To Die“, das Debütalbum von Wallace, verkauft sich verdammt gut, P. Diddy arbeitet mit dem jungen Usher, mit TLC, Mariah Carey und etlichen anderen. Nachdem „Life After Death“, das zweite Album von Wallace auf dem Markt und der Künstler tot ist, spielt P. Diddy sein eigenes Debütalbum „No Way Out“ ein, für die Single „I´ll Be Missing You“ holt er die Witwe des Rappers, Faith Evans, an seine Seite, ferner krallt er sich ein The Police-Sample. Für nicht wenige pietätlos, wird das Lied ein weltweiter Erfolg. Für das Album gibt es 1998 einen Grammy.
In diesem Jahr veröffentlicht er mit „Come With Me“ einen weiteren gigantischen Erfolg auf dem Soundtrack von „Godzilla“. Mit dem zweiten Album „Forever“ dominiert P. Diddy nicht mehr ganz so sehr die Charts, dafür ist er in den Nachrichten, als er kurz nach Weihnachten 1999 nach einem Schusswechsel in einem Club Manhattans mit seiner Freundin Jennifer Lopez vor der Polizei zu fliehen versucht. Eine dieser possierlichen amerikanischen Gerichtsverhandlungen ist die Folge, P. Diddy soll 15 Jahre eingebuchtet werden, wird dann jedoch freigelassen, eine Begleitperson P. Diddys bekommt 10 Jahre aufgebrummt.
P. Diddy
P. Diddy benennt sich in P. Diddy um, zieht sich eine Weile zurück. Im Juni 2001 veröffentlicht er mit seiner Bad Boy Family „The Saga Continues …“ Nicht uncharmant setzt der Mann immer noch einen drauf. Während Kollegen voller stolz in einer S-Klasse sitzen, lässt er sich von mehreren S-Klassen verfolgen, während er in einem Jet sitzt. Er fährt Hummer-Staffeln auf und liefert sich Duelle zwischen Lamborghini und Hubschraubern. Mit „Bad Boy For Life“ veröffentlicht er 2001 sein diesbezüglich gelungenstes Video, auch musikalisch kann er es eigentlich, wenn er einmal den ganzen Kitsch weglässt.
Mit „We Invented The Remix Vol. 1” wird im Mai 2002 ein sehr hübsches Remix-Album seiner Titel veröffentlicht. Anschließend spielt er eine Weile ausschließlich Geschäftsmann, bevor er als Diddy „Press Play“ im Oktober 2006 auf den Markt bringt. Es soll der geniale letzte Wurf sein, P. Diddy sammelt die wichtigen Protagonisten des US-Musikgeschäfts um sich, darunter sind Timbaland, Kanye West, will.i.am, The Neptunes (Pharrell Williams), zu seinen Gästen zählen Christina Aguilera, Big Boi (der eine von OutKast), Jamie Foxx, Cee-Lo Green, Nas, Mary J. Blige, Ciara und noch einige mehr.
„We Invented The Remix Vol. 1” kündigt bereits eine Fortsetzung an … surftippsCD Reviews von P. Diddy findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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