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Wir basteln jetzt Papiermodelle
Wie heißt das, wenn man sich Bastelbögen mit dem Heimdrucker (oder dem im Büro) ausdruckt und seine Zeit damit verbringt, ihnen mit Schere, Klebstoff und Geduld zuleibe zu rücken? Pepakura, sagen einige. Das ist kein etablierter Begriff, erwidert dann mancher. Kartonmodellbau, schwören Traditionalisten. Nur die wenigsten jagen Kartons durch ihre Drucker, ist nur ein berechtigter Einwand. Papercraft? Klingt zu englisch, ist aber eher japanisch. Wir hätten da einen Vorschlag: Papiermodelle könnte man die kleinen Kunstwerke nennen, die seit einer ganzen Weile schon von immer mehr Menschen in vielen Ländern (und von uns natürlich) gebastelt werden. Papiermodelle bzw. Basteln mit Papier und Pappe gibt es schon so lange wie Menschen Papier nutzen, also seit vielen hundert Jahren. In Deutschland sind Papiermodelle zurück bis ins 16. Jahrhundert belegt. Zunächst handelt es sich bei den Papiermodellen um christliche Gegenstände, Kruzifixe, Heiligenbildchen, ganz früh gibt es schon Papiermodelle von Gebäuden. Die Sache mit den Gebäuden, vom Bauernhäuschen bis zum historischen Prachtbau, setzt sich im Reich der Papiermodelle durch. Bastelbögen für Papiermodelle werden früh schon massenhaft hergestellt und vermarktet, ganze Kindergenerationen spielen damit, unsere Urururgroßeltern haben schon mit Papiermodellen gespielt. Mit der zunehmenden Technisierung gibt es dann auch Papiermodelle von Maschinen, Eisenbahnen, Flugzeugen, Waffen … Und bis in das 20. Jahrhundert hinein wäre es völlig legitim, ausschließlich von Kartonmodellbau zu sprechen. Spätestens mit der Erfindung von Kunststoffen nimmt die Bedeutung der Papiermodelle allerdings ab. Papiermodelle und Kartonmodelle retten sich in Nischen von Hobbybastlern, die die alte Kultur weiterpflegen. Es gibt spezielle Kartonbögen für den Modellbau und durchaus abwechslungsreiche Einsatzfelder, etwa in pädagogischen Bereichen, im Rahmen von Merchandising, als Beigabe oder auch Bestandteil von Kinderbüchern oder in verschiedenen Bereichen des Modellbaus. Viele alte Hersteller der Papiermodelle überstanden die letzten Jahrzehnte allerdings nicht und mussten – zum großen Bedauern vieler Fans – ihren Betrieb einstellen. Die Masse der Spielzeuge und Bastelstoffe ist heute einfach anderer Natur.
Papiermodelle – Die Idee ist brillant:
Als sich allerdings Heimcomputer, Heimdrucker und das Internet durchsetzen, verändern sich wiederum die Vorraussetzungen. Jeder, der über die Hardware und einen Internetanschluss verfügt, kann sich nun Bastelanleitungen aus der ganzen Welt herunterladen, ausdrucken und mit dem Basteln der Papiermodelle beginnen. Alte Fans der Papiermodelle können sich vernetzen, es gibt Gruppen von Spezialisten, die sich zusammentun, Papiermodelle gehören zu den Dingen, die besonders umstandslos über die neuen Medien Verbreitung finden.
Der Trend der Papiermodelle geht – wie so oft in den letzten Jahrzehnten und in der Zukunft – vom fernen Osten aus. In Japan erkennen schon früh die Hersteller von Druckern das große Vermarktungspotential der Papiermodelle. Wer sich an eine Firma durch den Kauf eines Produktes bindet oder auch einfach die Website der Firma besucht, kann Papiermodelle in Hülle und Fülle herunterladen. Papiermodelle erobern ganz unterschiedliche Bereiche der Popkultur, alles, was irgendwie dreidimensional darstellbar ist, kann auch als Papiermodell gebastelt werden.
Das ist aber nicht alles: Papiermodelle schaffen neue Felder künstlerischer Betätigung. Durch 3-D-Software und Software, mit der aus einem 3-D-Modell Bastelbögen entwickelt werden (etwa der Pepakura-Designer), kommt es zu Quantensprüngen im Bereich der Papiermodelle. Immer mehr Kreative, die zum Teil professionell eigene Papiermodelle entwickeln, immer mehr Bereiche für den Papiermodellbau erschließen und sich an Komplexität überbieten, machen die Welt der Papiermodelle ungemein abwechslungsreich – und kaum überschaubar.
Papiermodelle – Die Vielfalt ist verblüffend:
Die Welt der Papiermodelle besteht natürlich aus den klassischen Feldern wie denen der Fluggeräte, Fahrzeuge, Gebäude … Es gibt Papiermodelle von Tieren, Papiermodelle von Dinosauriern, selbstverständlich eine große Anzahl ganz unterschiedlicher Raumfahrzeuge. Es gibt Papiermodelle für jede Jahreszeit, Papiermodelle zum Dekorieren der Wohnung, Papiermodelle für traditionelle Feste, Papiermodelle von Helmen usw. Papiermodelle werden von Firmen angefragt, die ihren Kunden Produkte auf eine besondere, haptische Weise näherbringen möchten. Wer Papiermodelle sein Hobby nennt, der hat sich in der Regel spezialisiert, bastelt vielleicht noch klassisch an Baudenkmälern oder Flugzeugen, kann sich aber auch auf berühmte Comicfiguren festlegen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ganz im Gegenteil: Das Angebot ist bereits derart umfassend, dass schon ein Kunststück ist, etwas zu finden, wovon es noch keine Papiermodelle gibt. Es schwirren Tutorials und Videos durchs Internet, viele Designer der Papiermodelle haben sich darauf spezialisiert, eigene Figuren zu kreieren. Wer neugierig ist, der hat die große Auswahl. Auf einigen Websites von Canon oder Yamaha finden sich viele Papiermodelle zum schnellen Herunterladen, die Mehrzahl von Pepakuras oder Papiermodellen gibt es auf Internetseiten, die nicht deutschsprachig sind. Inzwischen kann man allerdings eine paar gelungene Versuche entdecken, deutschsprachigen Bastelfreunden moderne Papiermodelle näherzubringen.
Ein junges, sehr ambitioniertes Projekt mit Forum ist pepakura.net. Hier stellen internationale Designer der Papiermodelle ihre Arbeiten ein, hier gibt es Tipps und Empfehlungen für Neugierige aber auch Experten, Hinweise auf Software und ähnliche hilfreiche Informationen – und pepakura.net führt sicher noch viele Interessierten in die große Welt der Papiermodelle . |
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