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Peter Fox


Peter Fox ist der blasse Typ vorne bei Seeed. Pierre Baigorry, wie seine Mutter ihn einmal genannt hat, ist Berliner, kommt da zur Welt, besucht da Schulen, ist Waldhornist im Schönower Posaunenchor, beginnt mit einer Lehre als Klavierbauer, beendet die vorzeitig, beginnt mit einem Pädagogikstudium, und tritt 1998 erstmals mit der Bigband Seed auf. Zunächst ist die Sache mehr ein Projekt, das Reggae-Herz der Stadt, der Club Yaam, muss gerettet werden, ab 2001 ist die Gruppe in der kompletten Republik bekannt, selbst auf Trinidad & Tobago, Jamaika und in New York hört man Seeed.

 

Unglaublich erfolgreiche Jahre sind das, ein musikalisch ziemlich heterogener Haufen von rund elf Musikern verbindet seine kreative Energie, die Abwechslung, die Überwindung von Genrezollschranken mit zunehmendem kommerziellen Erfolg; jedenfalls behaupten das die, die die Charts machen. Bei der dem guten André Heller entrissenen Eröffnungsveranstaltung zur FIFA-WM 2006 gehört Seeed zu den Repräsentanten deutschen Liedgutes (woher kamen eigentlich die beschissenen Tänzer?), deutscher Gastfreundlichkeit und winkt stellvertretend für die, die nicht so gut aussehen, den freudig erregten Turnierbeobachtern auf der ganzen Erde zu.

 

Danach, also auf der Höhe der eigenen Bedeutungsschwere, wird Seeed erst einmal auf Eis gelegt. Demba Nabé gründet Boundzound, eine furiose Angelegenheit, Pierre Baigorry gründet sich als Peter Fox, die Legende will, dass er zum Studioonkel mutieren möchte, mit Miss Platnum macht er ganz wundervolle Sachen, mit K.I.Z. das, was man mit K.I.Z. halt machen kann, der ganz große Wurf ist mit einem Album geplant, das Cee-Lo Green einsingen soll, der für Seeed schon mal was besser gemacht hat, als es eigentlich war. Jedenfalls bastelt Peter Fox an Liedern, während Cee-Lo und Danger Mouse als Gnarls Barkley durch die Decke schießen – und ersterer für Baigorry in Berlin beim besten Willen keine Zeit mehr hat. Cee-Lo Green ist seit vielen Jahren ein gefragter Mann – für die Studioarbeiter in Atlanta. Obwohl er ohne weiteres fähig ist, jedem Text seinen Stempel aufzudrücken, spielt er meist eher die zweite Geige. Der Wahnsinnserfolg, der für die Arbeit von Peter Fox große Folgen hat, kommt so unerwartet und plötzlich, wie er hochverdient ist.

 

Peter Fox macht die Sache dann eben selbst. Er besitzt ein Studio in Kreuzberg, in feinster Fernsehkiezhinterhofatmosphäre, DJ Illvibe darf mitmachen, das Babelsberger Filmorchester auch, es wird nach Ideen gegraben, werden eigene Streichersätze entworfen, gleich zwei Schlagzeuger spielen irgendwo in Frankreich die Drums ein, Baigorry feilt mit einem Kollegen an den Texten, das Ziel vor Augen, weniger umständlich als jemals zuvor zu klingen. Und das gelingt, das gelingt, das gelingt alles. Peter Fox investiert in sich und gewinnt eine dieser wunderbaren Arbeiten, die auch, vielleicht auch gerade dann entstehen, wenn sich die Musikindustrie, die unnütze, nur noch selbst bemitleidet.

 

Das Album heißt „Stadtaffen“ und ist seit Oktober 2008 im Handel.





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