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Wenige Musiker werden in den letzten Jahren so ehrfürchtig behandelt wie Josh Homme und seine Queens Of The Stone Age. 1997 als Band gegründet, haben sie zunehmend für alle Unbeteiligten sichtbar Projektcharakter, die Queens Of The Stone Age sind das Herrschaftsgebiet des oft mit Superlativen („bester zeitgenössischer Rockgitarrist“ – Justin Sullivan) bedachten Gitarristen, der nach und nach seine Wegbegleiter aus dem Weg geräumt hat, um seiner Vision von Rockmusik mit immer wieder leicht variierenden Besetzungen zu folgen. Homme und seine Kollegen – denn der Frontmann von Queens Of The Stone Age ist keinesfalls ein Einzelkämpfer, ein Teamarbeiter vor dem Herrn vielmehr – haben einen rasanten Weg hinter sich.
Aus einer quirligen Rockgemeinde in Palm Desert, Kalifornien, hervorgegangen, entsteht Queens Of The Stone Age auf den Ruinen von Kyuss, einer Band, deren Musik sich vortrefflich dazu eignet, seiner Wut auf den blöden Chef während der Heimfahrt Luft zu machen. Homme (Jahrgang 1973) spielt seit Ende der 80er bei der Band, der aufgrund des erdigen, psychedelischen und wütenden Weges, den sie geht, etwas hilflos die Bezeichnung Desert bzw. Stoner Rock verpasst wird. 1995 löst sich Kyuss auf, eigentlich im Begriff, in Seattle zu studieren, gerät Homme in das Umfeld der Screaming Trees, mit denen er (als zweiter Gitarrist) tourt. Keine Erfüllung, immerhin rettet er aus dieser Zeit die Freundschaft mit Mark Lanegan. Der beeindruckende Sänger beteiligt sich in der Zukunft immer wieder an Produktionen der Queens Of The Stone Age, ohne festes Mitglied zu sein.
Homme will eine eigene Band, und nennt diese zunächst Gamma Ray. Da es jedoch eine deutsche Band gleichen Namens gibt, ist er gezwungen, einen neuen zu finden und erinnert sich an eine Feststellung des Mitmusikers, Produzenten und lokalen Helden Chris Goss, dem (via Masters of Reality) eigentlichen Schöpfer des Stoner Rock und dessen Feststellung, Kyuss erinnere ihn Queens Of The Stone Age. Da Homme unerschütterlicher Bekämpfer von Homophobie, Rassismus, Sexismus etc. ist, passt ihm das ziemlich gut.
Für die Mehrheit der Mitmusiker sind die Queens Of The Stone Age zunächst ein ambitioniertes Nebenprojekt, in der Rancho De La Luna besteht zudem ein Refugium für viele verschiedene Musiker, in dem viele Projekte realisiert werden, The Desert Sessions, eine Spielwiese von Homme und seinen Freunden, finden hier ab 1997 statt.
Die erste EP von Gamma Ray entsteht indes noch in Seattle mit Mitgliedern von Monster Magnet, Soundgarden und den Screaming Trees. Im Dezember 1997 erscheint noch eine Split-EP von Kyuss und Queens Of The Stone Age. Das Debütalbum „Queens Of The Stone Age“ entsteht im April 1998, Homme spielt Gitarre und singt, der Alfredo Hernández, der bereits in den letzten Jahren von Kyuss mit seinem Kollegen zusammengespielt hat, übernimmt das Schlagzeug, den Großteil der restlichen Instrumentierung übernimmt Homme als sein Alter Ego Carlo Von Sexron.
Der Bassist Nick Oliveri, um dessen Ausscheiden aus der Band es später ein herzzerreißendes Gezeter gibt, hat an der Produktion des Albums nur geringen Anteil, für „I Was A Teenage Hand Model“ holt man sich mit Fred Drake (das ist der inzwischen verstorbene Eigner der Rancho), Hutch (Patrick Hutchinson, in diesem Fall Pianist), David Catching (der andere Eigner der Rancho) und Mike Johnson (bis 1998 Gitarrist bei Dinosaur Jr) eine komplette Bandbesetzung zusammen.
Homme gibt die Marschrichtung vor – er liebt es laut, rumpelnd und doch perfekt aufeinander abgestimmt. „Queens Of The Stone Age“ ist das Werk eines Tüftlers und erst ein behutsamer Anfang, drogengetränkter, vielleicht nicht unbedingt rauer als das, was folgen soll. Für die Live-Besetzung, die nach dem Release im September 1998 für viele Monate um die Erde tourt, ist Nick Oliveri dabei, der auch mal nur mit seinem Bass bekleidet auf der Bühne steht, Catching ist dabei, Gene Trautmann übernimmt das Schlagzeug.
Queens Of The Stone Age – Rated R
Um die Jahrtausendwende herum entsteht das zweite Album. War das Debüt noch (sieht man von „Regular John“ und „If Only“ ab) mitunter, zwar unvergleichlich, doch schwer zugänglich, ist nun die Zeit der Hits angebrochen. Der „Feel Good Hit Of The Summer“ ist genau das, besser noch in Ergänzung zu „The Lost Art Of Keeping A Secret“, dann aber auch „Monsters In The Parasol“ und „Leg Of Lamb“, „Auto Pilot“, „Better Living Through Chemistry“ und „I Think I Lost My Headache” – nur „Tension Head” eigentlich nicht.
„Rated R” erscheint im Sommer 2000, kurz darauf geht es mit Monster Magnet (sehr passend) durch Europa. Eine wundervolle Zeit – und erst der Anfang.
Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf
Zunächst wird rotiert. Mark Lanegan gibt sein wundervolles Organ für einige Tracks her, der Gitarrist Troy Van Leeuwen (A Perfect Circle) stößt zur Band, Oliveri bleibt noch eine Runde und Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) setzt sich ans Schlagzeug. Im Frühjahr 2002 entsteht „Songs For The Deaf“, ein unglaublicher Wurf, der im August veröffentlicht wird. Gerade der „Mosquito Song“ erfordert eine ungleich größere Besetzung, im Kern ist dies jedoch die Mannschaft, die für das Album verantwortlich ist.
„No One Knows“ wird zum Ärger vieler plötzlich regelmäßig im Musikfernsehen gespielt, Joey Castillo, ein einziger Muskelstrang, sitzt für Grohl am Schlagzeug, Homme redet sich den Mund in Interviews fusselig, man kann befürchten, dass die Queens Of The Stone Age gerade gegen die Wand fahren. Und in der Tat zerstreut sich der Haufen zunächst. Oliveri ist mit seiner Band Mondo Generator, bei Mike Pattons Ipecac, für „A Drug Problem That Never Existed“ im Studio und Homme macht was viel Besseres: einige Jahre zuvor hat er mit seinem Schulfreund Jesse Hughes das Nebenprojekt Eagles of Death Metal gegründet, indem er bei ihm eingebrochen ist und ihn einfach gezwungen hat. Vermutlich war es die Sehnsucht, auch einmal am Schlagzeug zu sitzen. Hughes, der Little Richard als seine wichtigste Inspirationsquelle bezeichnet, Homme und der Belgier Tim Vanhamel basteln und veröffentlichen 2004 „Peace, Love, Death Metal“, ein unglaubliches Ding, aber eine andere Geschichte. Mit Queens Of The Stone Age geht es nämlich weiter.
Queens Of The Stone Age – Lullabies to Paralyze
Ebenfalls 2004 wird bekannt, dass Mark Lanegan unpässlich an seine Soloprojekte gebunden ist, in Verbindung mit dem Ausscheiden von Oliveri klingt das wie der Untergang. Alles nicht so tragisch, Alain Johannes übernimmt den Bass für die Studioaufnahmen, Mark Lanegan bleibt lose dabei wie eh und je, Castillo bleibt, Van Leeuwen auch, alles supi. Für „Burn The Witch“, eines der besten Lieder, die Queens Of The Stone Age bisher abgeliefert haben, steht Billy Gibbons von ZZ Top an Gitarre und Mikro.
„Lullabies To Paralyze“ erscheint im März 2005, die Maschine läuft weiter. War „Rated R“ lustig, „Songs For The Deaf“ eine Befreiung, so ist „Lullabies To Paralyze“ das schönste Album der Queens Of The Stone Age.
„Era Vulgaris” erscheint im Juni 2007. Josh Homme hat erneut seine Freunde um sich geschart und ein paar Überraschungen im Gepäck. Julian Casablancas von The Strokes ist zum Beispiel bei „Sick, Sick, Sick“ dabei, Brody Dalle, die Gattin von Josh und Chefin der Distillers ist dabei und die üblichen Verdächtigen. Queens Of The Stone Age leben, sind eine echte Live-Versuchung und wer einmal Homme in Höchstform sehen möchte, dem sei „Crawl Home“ von PJ Harvey & Josh Homme ans Herz gelegt.
Ach ja – „Era Vulgaris“:„Make It Wit Chu“ war den bösen, eingefleischten Fans bereits in einer gelungeneren Version bekannt. Dafür ist „Over The Years And Through The Woods“ das beste Live-Album aller Zeiten. surftippsCD Reviews von Queens Of The Stone Age findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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