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1980 gegründet, wird R.E.M. in den frühen 90er Jahren zu einer der sehr erfolgreichen Bands. Die Gruppe um Michael Stipe besteht bis heute in annähernd derselben Besetzung, lediglich der Schlagzeuger Bill Berry muss dem anstrengenden Musikerleben Mitte der 90er Jahre Tribut zollen und scheidet aus. Die restlichen drei, Stipe, der Gitarrist Peter Buck und der Bassist Mike Mills machen weiter, produzieren, das bringt das Alter mit sich, in größer werdenden Abständen Studioalben und erfreuen sich, auch wenn ihnen gelegentlich Arbeiten nicht so sehr glücken, einer recht stabilen Fangemeinde.
R.E.M. wird als alternative Rockband gehandelt, was natürlich bei hohen Verkaufszahlen und einer enormen Bekanntheit ein recht fragwürdiger Begriff ist, allerdings ist die Band sich selbst immer wieder eine Alternative, die Grundstimmungen der Alben wechseln mitunter stark – gerade die Wechsel vom recht fröhlichen „Out Of Time“ (1991), dem Durchbruch, über das überwiegend ernste „Automatic For The People“ (1992), zum sehr dynamischen „Monster“ (1994) ist nicht nur markant, sondern führt zugleich in die entscheidende Zeit von R.E.M., in der sich die Band eben jenen Status erarbeitet, den sie heute hat, der sie in der Liga der ganz besonders großen Acts spielen lässt.
R.E.M. spielt nicht nur in einer Liga, sondern kollaboriert auch mal mit U2, Bruce Springsteen oder den Muppets … Der Gründungsort ist Athens in Georgia. Stipe, das Nesthäkchen, Jahrgang 1960, kommt aus Georgia – die anderen nicht (zwei aus Kalifornien, Berry aus Minnesota). R.E.M. gehört zu den vielen Bands, die entstehen, weil The Velvet Underground sie dazu motiviert. Buck arbeitet in einem Plattenladen und lernt Stipe dort kennen, die Studenten Mills und Berry stoßen dazu, die beiden musizieren bereits eine Weile gemeinsam.
Nach wenigen Wochen treten die vier bereits gemeinsam auf Partys auf, den komischen Namen bekommt die Band erst später, Stipe durchblättert ein Lexikon und bleibt bei R.E.M. hängen – Rapid Eye Movement, eine Phase während des Schlafes. Schön. Jefferson Hold, ein Plattenladeneigner aus North Carolina ist derjenige, der auf die Musiker zutritt und ihnen zuhaucht, das er sie groß herausbringt – er bleibt bis Mitte der 90er Jahre Manager von R.E.M.
Die fünf (vier Musiker, ein Manager) etablieren sich als College-Rockband, eigentlich etablieren sie den College-Rock. Es gibt rührende Geschichten über die ersten Jahre, in denen sie eingepfercht in einem kleinen Van und mit einem winzigen Budget ausgestattet durch den Süden der USA tuckern. Im Sommer 1981 wird die erste Single aufgenommen, „Radio Free Europe“ ist noch weit von dem entfernt, was R.E.M. viele Jahre später so berühmt werden lässt. Wenn man sich die ersten Arbeiten anhört, hat es den Anschein, als würde sich die so markante Stimme Stipes erst mit der Zeit bilden. Verlegt wird R.E.M. beim frisch von einem Studenten gegründeten Indie-Label Hib-Tone – und auch wenn die Auflage limitiert ist, nimmt immerhin The New York Times davon Kenntnis.
Mitch Easter, der Chef des Studios, in dem die ersten Aufnahmen entstehen, wird auch zum Produzenten der folgenden Arbeiten, die EP „Chronic Town“ ist der nächste Schritt, I.R.S. Records fragt an, ebenfalls ein sehr frisches Label, allerdings mitbegründet von Miles Copeland III, dessen Bruder Stewart der Schlagzeuger (und Filmemacher) von The Police ist, eine geniale Connection. Obwohl angeblich bereits RCA Records auf der Matte steht, und damit ein richtiges, ein traditionsreiches Schwergewicht, nimmt R.E.M. die Offerte Copelands an.
R.E.M. – Murmur
„Chronic Town“ erscheint im Sommer 1982, nachdem die Musiker an den gerade einmal fünf Tracks in einer Zeitspanne von neun Monaten gefeilt haben, und schlägt vor allem bei den College-Radios ein. R.E.M. setzt 20000 Exemplare der EP ab. Das Debütalbum steht an. „Murmur“ entsteht Anfang 1983 und wird (zunächst in den USA) im Frühling veröffentlicht. Auf Bitten der Band ist Easter wieder an der Produktion beteiligt, die von der Kritik, zumindest den entscheidenden Kritikern, hoch gelobt wird – was heißt entscheidenden: die Geschmackspolizei des Rolling Stone beispielsweise zeigt sich angetan, die Verkaufszahlen bleiben jedoch hinter den Erwartungen des Labels zurück.
Ein wenig langweilig ist „Murmur“ schon. Zwar fehlt alles, was an den frühen 80ern gewaltig stören kann, es fehlt allerdings insgesamt etwas. Mike Mills macht bereits viel Spaß mit seinem Bass, Hoffnung erweckt, das „Murmur“ zum Ende hin besser wird. „West Of The Fields“ ist so etwa wie ein krönender Abschluss und gleichzeitig Ausblick. R.E.M. hat erste große Fernsehauftritte, eröffnet für The Police und ist Ende 1983 erstmals in Europa unterwegs.
Um die Jahreswende herum geht es erneut ins Studio und im Laufe des Jahres 1984 erscheint „Reckoning“, das zweite Album, Stipe ist inzwischen in seine Stimme hineingewachsen, R.E.M. findet sich in den folgenden Jahren durch Alben wie „Fables Of Reconstruction“, „Lifes Rich Pageant“, „Document“ und „Green“, dem letzten Album für I.R.S.
R.E.M. – Out Of Time
Die Kritik lobt, die Verkaufszahlen stimmen (noch) nicht. R.E.M. tritt in die große Phase ihrer Geschichte ein, zunächst nimmt die Band ein Angebot von Warner Bros. Records an. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist es gewagt, bei R.E.M. von einer Indie-Band zu sprechen. Stipe ist ein einigermaßen freier Geist, der sich (auch in seinen Liedern) immer wieder auch politisch positioniert, das ist klar, aber Indie? Alternative? Eigentlich sind das eh nur Logos, gehen also völlig in Ordnung. Erste hohe Chartplatzierungen hat R.E.M. in den USA bereits einige Jahre zuvor, „The One I Love“ gehört dazu, „Stand“ und „Orange Crush“ ebenso, das ist allerdings nicht mit dem zu vergleichen, was nun folgt.
„Out Of Time“ erscheint im März 1991, „Losing My Religion“ und „Shiny Happy People“ (mit Kate Pierson) machen den Unterschied. Es sind die richtig großen Hits, die R.E.M. bis hierhin fehlen. In Deutschland ist dies der Schritt in die öffentlich-rechtlichen Radiostationen, die Band erreicht ein ganz neues, viel breiter aufgestellter Hörermilieu. R.E.M. wird siebenfach für die Grammys 1992 nominiert – und setzt noch einen drauf.
Im Herbst erscheint „Automatic For The People“, vielleicht das stärkste Album der Band – mit Liedern wie „Drive“, „Ignoreland“, „Everybody Hurts“, „Nightswimming“ zwischendurch wird noch das Leonard Cohen-Cover „First We Take Manhattan“, das stimmungsmäßig ganz wundervoll zum Rest passt, veröffentlich. R.E.M. beweist, dass die Band doch ein bisschen indie ist, immerhin reitet sie den Gaul jetzt nicht tot. Im Herbst 1994 erscheint mit „Monster“ das nächste Album, und zwar eines, das, so zeigt es bereits der erste (beste) Titel „What´s The Frequenzy, Kenneth?“, auf der Basis einer neuen Dynamik operiert, R.E.M. ist spielfreudig wie nie.
Eine Welttournee steht an, die vermutlich jede Band zerstört hätte. Berry kollabiert auf der Bühne, was den Anfang seines Karriereendes markiert, auch Stipe und Mills müssen unters Messer, 1996 wird der Manager gefeuert, der wegen sexueller Belästigung angezeigt ist – zu allem Überfluss bietet Warner der Band am Scheideweg einen mit 80 Millionen Dollar seinerzeit gigantisch dotierten Folgevertrag – der natürlich nicht ausgeschlagen wird.
R.E.M. – New Adventures in Hi-Fi
Das nächste Album ist, beinahe zwangsläufig, stinklangweilig. Ästhetisch einwandfrei und ebenso produziert, ist besonders schade, dass mit „How The West Was Won And Where It Got Us“ eines der besten Lieder von R.E.M. überhaupt einer Ansammlung von Belanglosigkeiten vorangestellt ist. Es sind dies die bittersten Momente des Musikhörers: das Nachfolgeprodukt eines großartigen Albums darf in die Hose gehen, wenn jedoch das erste Lied derart viel verspricht und dann nichts hinterher kommt, ist das sehr frustrierend. „E-Bow The Letter“ und „Bittersweet Me“ sind die Hits seinerzeit …
„Up“ heißt das nächste Album – in Deutschland hat R.E.M. den ersten Platz der Album-Charts abonniert, das ist völlig in Ordnung. Das Lied „Lotus“ (1998) ist. Im Mai 2001 erscheint „Reveal“, im Oktober 2004 „Around The Sun“.
R.E.M. – Accelerate
„Accelerate“ ist das erste Album von R.E.M., das sich komplett durchhören lässt. Die Band hat sich viel Zeit gelassen, inzwischen fortgeschrittenen Alters, noch einmal ein bisschen mehr Geschwindigkeit aufgenommen. Nicht jedes Lied kann als geglückt bezeichnet werden, immerhin verstecken sich mehrere Schmankerl zwischendrin; man kann nicht sagen, dass R.E.M. im März 1998 so klingt wie bei „Monster“ oder ganz allgemein wie früher, zeittypisch bedient sich die Band in ihrer eigenen reichen Geschichte und formt etwas neues. „Accelerate“ ist ein Versprechen und zwar das Versprechen, entweder aufzuhören oder noch einmal richtig nachzulegen. Beides ist sofort genehmigt. surftippsCD Reviews von R.E.M. findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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