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Robbie Williams
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Der Film „Funny Bones“ beginnt damit, dass der Entertainer Tommy Fawkes (Oliver Platt) sein viel beachtetes Bühnendebüt in Las Vegas gibt. Er tritt in die Fußstapfen seines legendären Vaters George (Jerry Lewis), an dessen Beliebtheit, dessen große Zeit und dessen in Jahrzehnten gewonnene Bühnensouveränität sich auch die Erwartung an Tommy bemisst. Tommy kann nur scheitern. Während er noch in der Maske seiner Nervosität Herr zu werden versucht, entert sein Vater die Bühne und gibt die wichtigsten Gags seines Sohnes zum Besten. Ein grausamer Einstieg, der sinnbildlich für viele, so viele problematische Vater-Sohn-Beziehungen steht.

 

Auch Robbie Williams gier nach Anerkennung als Entertainer geht auf seinen Vater zurück. Bei ihm ist die Sache vielleicht sogar noch etwas verzwickter. Sein Vater Pete Conway ist ein mittelmäßiger Alleinunterhalter, Stand-up-Comedian, zeitweise auch Zauberkünstler. Nachdem er die Familie verlässt, wird er für den kleinen Robert Peter zu einer Lichtgestalt, die es zu erreichen gilt, deren Niveau, zumindest das, was sich der Sohn zurechtbastelt, allerdings unerreichbar bleiben muss. Robbie Williams kann die Welt erobern und er ist eine Rampensau, hat magische Momente auf der Bühne – vollkommen befriedigen wird ihn das jedoch nie.

 

So eine hobbypsychologische Herleitung ist immer dankbar, schließlich ist der Aufstieg und Erfolg von Robbie Williams letztendlich zu makellos, um daraus irgendetwas Spannendes zu konstruieren. Und für die Abstürze, die katastrophale Lage, in der sich Robbie Williams befindet, wenn er Nägel kauend in der Maske hockt und natürlich für die Verzweiflung am Leben ist immer wieder diese eine, schöne Erklärung zur Hand. Und so ganz makellos ist die Sache dann auch nicht: zum einen erscheint, nachdem er knapp zehn Jahre wie ein irrsinniger produziert, dieses Album „Rudebox“, an dem sich die Geister scheiden, das vielen Fans nicht mehr ganz so lieb ist wie der Rest und natürlich die folgende, etwas längere Pause. Und dann gibt es noch den Makel, der ihn von den ganzen englischen Musikerlegenden unterscheidet, der so oft wiederholt wird, dass es schon wieder langweilt: Robbie Williams erhält etliche Brit Awards, wird für den Grammy allerdings maximal nominiert. Ihm glückt der Sprung über den großen Teich nicht, in das Land der großen Entertainer ... Das ist sicherlich problematisch für jemanden, der einem Idol hinterher rennt, das mehr ein Ideal als eine reale Gestalt ist. Seine Fans hingegen, die vielen Frauen, die ihn anhimmeln, dürfte es nicht jucken.

 

Die Mutter zum Beispiel. Williams wächst in Stoke-on-Trend, zwischen Birmingham und Manchester, mit seiner großen Schwester Sally und bei seiner Mutter Jeannette auf. Robbie ist ein schlechter Schüler, allerdings in der Theatergruppe, ein kleiner Kasper, als Dickerchen verschrien – und spielt zuhause gerne den Entertainer zur Lieblingsmusik seiner Mutter. Die glaubt an ihren Großen und meldet sich auf eine Suchanzeige des Managers Nigel Martin-Smith, der eine Boygroup zusammenstellt.

 

Robbie Williams - Take That

 

Die steht eigentlich bereits, als Robbie William hinzu stößt. Martin-Smith ist nicht ganz zufrieden mit der Formation, bestehend aus den Sängern Gary Barlow und Mark Owen, sowie den Tänzern Jason Orange und Howard Donald. Er hat die Wahnsinnsidee, New Kids On The Block neu zu kreieren. Die befinden sich gerade, wir schreiben das Jahr 1990, auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, und haben mit dem jungen Joey McIntyre einen Mädchenmagneten in ihrer Gruppe. So kommt es, dass Martin-Smith erneut auf die Suche geht, die Mutter von Robbie schnell schaltet und der spätere Superstar (Jahrgang 1974) als mit Abstand Jüngster das Quintett komplettiert.

 

Legendär sind die Fesseln, die der Manager seinen Schützlingen anlegt. Er drillt, zwingt sie zu eiserner Disziplin, jeder Kontakt nach außen wird abgesegnet.

 

Robbie Williams - Der Aufstieg

 

Der Plan geht auf. Mehr sogar, Take That wird innerhalb kurzer Zeit zur Geldmaschine und beliebtesten Boygroup überhaupt. Das erste Album, „Take That & Party“, schlägt 1992 in England ein. Auch in Deutschland und Holland findet es bereits beachtlichen Zuspruch; nichts im Gegensatz zu dem, was folgen wird. Barlow wird zum kreativen Kopf der Gruppe, Owen erhält das Image des Chef-Schwarms. Natürlich verteilt sich die die Zuneigung der riesigen Fanmasse auf alle Gruppenmitglieder, allerdings bestimmen die zugeteilten Rollen die Bilder der Mitglieder – und für Robbie Williams bleibt einmal mehr der Kasper Bestimmung.

 

Das kann ihm nicht gefallen, er rebelliert, legt sich mit den Bossen an, baut einen bis heute andauernden, herzlichen Hass auf das Management auf und steigt 1995, am Gipfel des Erfolges, aus der Formation aus, leitet damit das vorläufige Ende von Take That ein.

 

Während der Bruch für Barlow beispielsweise eine sehr schmerzhafte Niederlage ist, ist er Robbie Williams eine Befreiung. Er lässt die Sau raus, gibt sich Exzessen hin und hängt mit den Gallaghers von Oasis ab – am anderen Ende des Pophimmels. Nicht gerade die beste Adresse für eine dauerhafte Freundschaft, ebenso wenig für ein gesundes Leben. Die Experten sind sich relativ einig: diesmal wird es erfolgreiche Soloprojekte geben, die aus der Konkursmasse der Boygroup hervorgehen. Allein auf Robbie setzt erst einmal kaum einer.

 

Robbie Williams - The Ego Has Landed

 

Der gewinnt aber. Seine Version von „Freedom“ ebnet den Weg 1996. Eigentlich gewillt, auf die eigenen Songschreiberqualitäten zu setzen, muss er auf diesem Weg Kompromisse eingehen. So sind es die Klatschspalten, seine Skandale, die ihn tragen – und es ist nicht sein eigenes Material, sondern welches von George Michael, das den Startschuss setzt. Auch als sich das herauskristallisiert, was sein Style ist, wird noch gerne die vermeintlich große Nähe zu irgendwelchen vermeintlich wichtigeren Musikern moniert, während sich bereits ein phänomenaler Hype um ihn entwickelt.

 

Allgemein wird „Angels“, ein nicht mal so wahnsinnig verkaufsträchtiges Schnülzchen als Beginn seiner künstlerischen Anerkennung verortet, immerhin gibt er den von Emotionen und Trauer um Diana Besoffenen was Passendes auf die Ohren. Guy Chambers schreibt gemeinsam mit Robbie Williams, die beiden bilden ein großartiges Gespann. Mit dem zweiten Album „I´ve Been Expecting You“ (1998) erspielt er sich eine europaweit stabile Hörerschaft. Er führt eine Promibeziehung mit Nicole Appleton und wird nach zeittypischen Liedchen wie „No Regrets“, „Millennium“ und „Strong“ mit etlichen Preisen geehrt. Während er 1996 noch vornehmlich für seine Witzigkeit ausgezeichnet wird, ist er 1999 beim Cosmopolitan Magazine (englische Version) der sexieste Mann. Ein beachtlicher Fortschritt.

 

„The Ego Has Landed“, eine Zusammenstellung der ersten beiden Alben für den amerikanischen Markt, geht 1999 nicht so gut wie erwünscht. Schon Take That haben sich an den Gören drüben die Zähne ausgebissen. Macht nichts, in Europa wird es für Robbie Williams immer besser.

 

„Sing When You Are Winning“ (2000) zum Beispiel ist ein wichtiger nächster Schritt. Das Album enthält mit „Rock DJ“, „Road To Mandalay“, „Kids“ (einem Duett mit Kylie Minogue), „Supreme“ (für den entsprechenden Markt auch auf Französisch) und „Better Man“ als „Ser Mejor“ für die, die es Spanisch mögen, was für die ganze Familie.

 

Mit „Swing When You´re Winning” gibt es ein Jahr später ein sehr hübsches Album mit Klassikern von Dean Martin, Nat King Cole, Duke Ellington, Kurt Weill, Frank Sinatra und ganz vielen mehr. Alte Hüte, denen Robbie Williams zu neuer Prominenz verhilft und die ihm die Herzen vieler neuer Käufer erschließt. Allerdings nicht in den USA.

 

Die EMI offeriert ihm den dicksten Vertrag, der bisher in England einem Musiker unter die Nase gehalten wurde: es gibt 80 Millionen Pfund. Mit „Escapology“ revanchiert er sich 2002 prächtig. Mit dem Programm füllt er in Europa die Stadien, die er sich aussucht.

 

Stephen Duffy übernimmt den Part von Guy Chambers, er produziert ab 2005 gemeinsam mit Robbie Williams. „Intensive Care“ erscheint im Oktober 2005. Der Wechsel ist spürbar, allerdings auch das Bemühen, die Klientel nicht zu verschrecken. Vielen fehlt es an Emotionalität, das allerdings sind gefühlte Werte. Kommerzieller Erfolg lässt sich ganz gut messen, der behält seinen stabilen, hohen Wert. Es ist mutig von Robbie Williams, dass er nicht – wie andere Stadionmusiker – dieser einen Sache treu bleibt und mit „Rudebox“ im Oktober 2006 ein mit Hip-Hop- und Dance-Elementen gefüttertes Studioalbum präsentiert. Vielleicht handelt es sich auch um einen weiteren (gescheiterten) Versucht, in den USA zu landen. „Rudebox“ wird nach einigem Zögern madig geredet. Seine Raps sind – nun – gewöhnungsbedürftig, der Rest ist – äh – anders. Dabei holt sich der Musiker mit den Pet Shop Boys und Madonna Erfolgsgaranten an Bord und schiebt der noch unbekannten Lily Allen die Karriere an.

 

Letztendlich ist „Rudebox“ die Bestätigung seiner bisherigen Arbeiten, Robbie Williams wird auch als Rapper gekauft, und das Album ist ein Fingerzeig für die Zukunft: es sind lange nicht mehr die einzelnen Hits, die zählen, vielmehr schraubt der Meister an Konzeptalben, die sehr unterschiedlich ausfallen können. „Rudebox“ etwa ist ein musikalischer Spaziergang durch das Leben des Musikers, weshalb sich der ehemalige Manager Martin-Smith genötigt sieht, die EMI zu verklagen. Er erhält 250000 $, Robbie Williams macht eine Partypause, muss mal wieder in eine Entzugsklinik, versöhnt sich mit Guy Chambers, plant ein Swingalbum – irgendwie wiederholt sich trotzdem alles.


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