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Der Sasha hat sich aber nun wirklich prächtig entwickelt. Ähnlich wie Xavier Naidoo tritt er irgendwann in den hoffentlich bald vergessenen Weiten der 90er aus dem Schatten einer deutschen Rapperin – wie auch X lässt Sasha die Erinnerung an seine Kollegin (Young Deenay in diesem Fall, inzwischen Psychologin in Berlin) rasch verblassen und wie X ist Sasha enorm wandlungsfähig, produziert eigenwillige, tolle Alben auch an den Erwartungen der großen Fanseilschaften vorbei. Was Sasha vielen deutschen Künstlern voraus hat: abgesehen von seiner Wandlungsfähigkeit, seiner Freude an seinem Publikum, dem Glanz in seinen Augen, wenn er vorm Mikro steht und der nicht anzuzweifelnden Fähigkeit, saubere Performances hinzulegen, ist er die ideale Übersetzung eines fast vergessenen Reliktes der deutschen Fernsehunterhaltung in die Neuzeit: er ist die Allzweckwaffe. Er wäre der perfekte Gastgeber am Samstagabend, die richtige männliche Hauptrolle im Heimatschinken der Neuzeit und er ist der Gott des Dreigenerationenhaushalts.
Zumindest könnte er es sein. Der Samstagabend ist nicht mehr das, was er früher einmal war, die Mädchen fallen nur noch für Castingacts in Ohnmacht und Heimatfilme werden aus einem unerfindlichen Grund nicht mehr produziert. Außerdem haftet Sasha auch immer das Image des durchaus sympathischen, allerdings nur Popmusik trällernden Onkels an – und das wird er nicht los. Eigentlich heißt er Sascha Schmitz, kommt von der Soester Börde, wächst dort, vor den Toren Dortmunds auf, gründet in der Schulzeit erste Musikgruppen, mit der Rockband Junkfood zieht er nach dem Abi in den Pott, tritt mit einem Kollegen als Hin und Hair Schmitz auf unterschiedlichen Veranstaltungen auf und versucht, Plattenfirmen auf sich aufmerksam zu machen. Die wollen aber nicht und wenn sie wollen, dann Sasha alleine, der diesen Schritt erst macht, nachdem sich Junk Food aufgelöst hat.
H.I.M. – Sir Prize – Young Deenay
Click Music bei Dortmund wird Sashas Label, er singt für ein Projekt namens H.I.M. und Sir Prize, die Namen werden heute von anderen Formationen verwendet … „Walk On By“ von Young Deenay wird 1997 der erste Top 10-Hit, an dem der Sänger beteiligt ist, auf dem selben Album („Birth“) befindet sich mit „Wanna Be Your Lover“ eine weitere Erfolgssingle – für die Sasha seine ersten Videoaufnahmen macht. Der Sänger ist von nun an ein bekanntes Gesicht bei Viva, ein etwas schmierig wirkender Mittzwanziger, was das genau sein soll, was er und Young Deenay da fabrizieren, wissen nur sie selbst. Es ist die Zeit mieser Hip-Hop-Imitate aus den Niederungen der deutschen Unterhaltungsindustrie, und Sasha steckt mittendrin. Auch Der Wolf aus Lüdinghausen ist so ein Kandidat, der hat in jenen Jahren einigen Erfolg im Musikfernsehen, Sasha tritt in einem seiner Videos auf.
Sasha – „Dedicated To ...“
1998 ist die Zeit für das Solodebütalbum „Dedicated To ...“ gekommen. Ein phänomenaler Erfolg, der größte für den Künstler und viele Jahre seiner Karriere – ein grauenhafter Popsong mit eingängigem Refrain reiht sich an den nächsten, Sasha versaut es sich für alle Zeit mit dem Feuilleton. Die erste Single ist „I´m Still Waitin´“, Young Deenay ist noch einmal Duettpartnerin, entlässt Sasha in die Solokarriere, der mit den Singles „If You Believe“, „You Can Leave The World“ und „I Feel Lonely“ gleich drei Top 10-Singles hinterher schiebt, in Österreich und der Schweiz ist er aus dem Stand ähnlich beliebt wie in Deutschland. Der Mann heimst etliche Preise ein, die Bravo eilt bereits 1998 mit einem silbernen Otto herbei, Bambi, Comet, Goldene Europa folgen 1999, anschließend Echo, Einslive Krone (2000, 2001, 2002), Goldene Kamera, Sasha betätigt sich als UNICEF-Botschafter …
2000 wird die zweite große Produktion auf den Markt gebracht, „… You“. Sasha hat einen ganzen Blumenstrauß an Musikgenres zu einem Album arrangiert, die Singles „Let Me Be The One“, „Chemical Reaction“ und „Owner Of My Heart“ verkaufen sich nicht mehr ganz so prima, dafür steht das Album zwischenzeitlich auf dem zweiten Platz der deutschen Charts. Bei den MTV Europe Music Awards reicht es immerhin für eine Nominierung.
Sasha – Surfin´ On A Backbeat
Nach einer großen Tour kehrt Sasha zu seinen eigenen Wurzeln zurück, versucht es mit Poprock. Er veröffentlicht die Single „Here She Comes Again” 2001, das Album „Surfin´ On A Backbeat“, Gitarren sind zu hören, man spricht von einer neuen Härte, vermutlich macht der Musiker genau das, was er immer wollte. Sasha weiß um seinen Charme, weiß, wer ihn wirklich lieb hat, allein einige Journalisten müssen sich mit dem Thema Wandel beschäftigen. Die Chartplatzierungen sind zumindest relativ stabil, mit den Singles („Turn It Into Something Special“, „This Is My Time“ – der offizielle Sat1-Hit zur EM 2002, „Rooftop“) holt der Künstler nicht mehr viel, das Album wird gekauft. Der Musiker kollaboriert mit Edo Zanki, singt in der Show von Michael Mittermeier und ist viel im Unterhaltungsfernsehen vertreten, bevor er sich zu verwandeln gedenkt.
Sasha hängt mit einigen Kollegen seinem Faible für die Rockabilly-Zeit nach, spielt ein Konzert, und beschließt, 2002 als Dick Brave zu verbringen, ein Typ aus Vancouver, der mit seinen Backbeats durch die Clubs der Bundesrepublik tingelt und Spaß hat. Zunächst spielt er den Dick Brave recht konsequent, weshalb es aus dem Jahr eine Reihe sehr amüsanter Interviews gibt. 2003 wird das Album „Dick This!“ veröffentlicht, Sasha hat als Dick Brave seinen ersten Nummer-1-Hit in den deutschen Charts. Ein herrliches Bravo-Hits-Cover, viel Pomade, Fluppen, 50er-Klamotten und –Karren, die Backbeats werden WokWeltmeister 2003 (die ersten überhaupt, Fahrlage wie ein Skorpion, Dick Brave holt den Sieg, obwohl ihn die Turnierleitung dreist benachteiligt), im Sommer 2004 treten die Backbeats auf den Hauptbühnen von Rock am Ring und Rock im Park auf.
Dick Brave covert, imitiert und stiehlt sich durch die Popmusikgeschichte, es gibt vorzügliches Videomaterial aus diesen Tagen, „Take Good Care Of My Baby“ ist die bis zu diesem Zeitpunkt mit Abstand stärkste Single des Künstlers Sasha. Im Dezember wird das Projekt daheim in der Westfalenhalle in einer großen Feierstunde beerdigt. Erst 2006 kommt Sasha als Sasha und mit dem Album „Open Water“ zurück. „Slowly“ ist die Single für das Herz, „Goodbye“ einer der guten musikalischen Beiträge zur Fußball-WM in Deutschland. Von der ist das Jahr bestimmt, am Ende, im November, spielt Sasha gemeinsam mit dem Babelsberger Filmorchester, kurz darauf folgt eine Best-of-Zusammenstellung, das übliche – unüblich sind die hervorragenden Chartplatzierungen der Singles „Coming Home“, „Lucky Day“ und „Hide & Seek“.
2007 ist Sasha in zwei Kinoproduktionen als Schauspieler zu sehen (in einem Haußmann-Schinken und einem weiteren Film), „Hide & Seek“ gehört auf den Soundtrack der „Drei ???“-Verfilmung, auch auf dem Soundtrack zu „Ossi´s Eleven“ (das ist der weitere Film) bringt Sasha Lieder unter, allerdings unter dem Pseudonym Nelson Rogers. Bald gibt es Neuigkeiten … surftippsCD Reviews von Sasha findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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