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Shania Twain ist eine der erfolgreichsten nordamerikanischen Musikerinnen überhaupt. Glaubt man hier in Europa vielleicht nicht, es ist aber so. Eine märchenhafte Geschichte liegt hinter ihr; sie wächst in einer zum Teil indigenen – also indianischen – Familie auf, ist zeitweise bitterarm, eine Vollwaise, die ihren jüngeren Geschwistern eine Mutter ist, die sich in einsamen Stunden mit der Gitarre zurückzieht, ihrer Verbündeten.
Wir von Elixic sind unschlüssig, ob es dieser dramatisch perfekten Ausgangslage zuträglich ist, dass Shania Twain einen einflussreichen Produzenten heiratet oder ob es nicht einmal an der Zeit gewesen wäre, diesen Traum vom Tellerwäscher in Amerika ein einziges Mal einer Frau zu erfüllen. Shania Twain zeigt sich nämlich früh sehr ehrgeizig, sie will und muss es packen und so ein Steigbügelhalter ist in manchen Situationen so unpassend … Dabei ist die Musikerin das Modell einer nordamerikanischen Seriendarstellerin, ein bisschen Pocahontas und enorm bieder. Andererseits ist der Erfolg ohne den Mann an ihrer Seite vermutlich nicht denkbar.
Eilleen Regina Edwards kommt 1965 in Windsor, Ontario, zur Welt. Die Stadt liegt im tiefsten Süden Kanadas am Detroit River. Ihre Eltern trennen sich früh, die Mutter heiratet Jerry Twain, einen Ojibwa, der Shania für seine Tochter nimmt. Die Familie lebt in Timmins, einer kleinen Stadt in Ontario, Shania Twain hat vier Geschwister und tritt, gerade einmal ein Teenie, als Musikerin auf. Sie hat eine kleine Band und 1984 die Möglichkeit, erste Demos in der amerikanischen Countryhochburg Nashville aufzunehmen, die allerdings niemals veröffentlicht werden.
Im November 1987 sterben die Eltern bei einem Autounfall. Auch wenn der schreckliche Schicksalsschlag sie familiär stärker einbindet, kann sie ihre beginnende Karriere Anfang der 90er Jahre fortsetzen. Wieder ist es Nashville, der Nabel der Countrywelt, der ruft. Eilleen benennt sich um in Shania und unterschreibt bei Mercury Nashville. „Shania Twain“ erscheint im April 1993 in Nordamerika. Das Debüt ist eine halbe Stunde astreinen Countrys, muss man mögen. Sehr getragen, sehr auf die Stimme der Sängerin, die Endzwanzigerin, setzend, ist der Erstling Shania Twains weit von dem entfernt, was sie zum Superstar macht.
1993 ist allerdings nicht nur wegen des Albums ein entscheidendes Jahr für die Sängerin, im Dezember heiratet sie Robert „Mutt“ Lange (Mutt heißt Köter), den sie im Juni in Nashville kennenlernt. Das ist der legendäre Produzent von AC/DC, ein umtriebiger Kerl, mit dem Shania Twain von nun an zusammenarbeitet.
Shania Twain - The Woman In Me
Shania Twain bleibt zunächst klar ihrer Countrylinie treu. „The Woman In Me“ erscheint im Februar 1995, in Kanada landen unglaubliche sechs der ausgekoppelten acht Singles auf dem ersten Platz der Charts. Das Album wird in den USA zwölffach mit Platin ausgezeichnet, was 12 Millionen verkauften Alben gleichkommt.
Die erste Single ist „Whose Bed Have Your Boots Been Under?“, es folgen „Any Man Of Mine”, „The Woman In Me (Needs The Man In You)”, „(If You´re Not In It For Love) I´m Outta Here!”, „You Win My Love” und „No One Needs To Know”, allesamt von dem jungen Ehepaar geschrieben, kann sich Shania Twain vor Ehrungen und Auszeichnungen 1996 nicht mehr retten, mehr als zwei Jahre befinden sich Produkte von ihr nonstop in den amerikanischen Charts. Für das Album gibt es in dem Jahr den Grammy für das beste Country Album. Es soll nicht der letzte bleiben. Die letzte Single, „God Bless The Child“, wird im Oktober 1996 zugunsten benachteiligter Kinder auf den Markt gebracht.
Shania Twain - Come On Over
Alles, was gewesen ist, ist Vorgeplänkel. Im November 1997 erscheint das dritte Album „Come On Over“ zunächst in Nordamerika, zwei Jahre später auch bei uns. Dieses Album ist der Grund dafür, dass Anfang des neuen Jahrtausends auch Shania Twains alte Werke hierzulande neu aufgelegt werden. Die Sängerin und der Mann an ihrer Seite produzieren nun auch für den countryfernen Markt. „Come On Over“ ist sehr viel popmusiklastiger geraten, auch wenn die Countrywurzeln nicht geleugnet werden. Daher ist der Titel des erfolgreichsten (von einer Frau veröffentlichten) Country-Albums aller Zeiten durchaus verdient.
Man kann zu der – hierzulande vor allen Dingen als klassische Radiosache gehandelten – Musik von Shania Twain stehen wie man möchte, dem Ehepaar sind 16 unglaublich eingängige Popsongs gelungen. Es ist die dritte Single „You´re Still The One“, die den Einstieg in neue Verkaufssphären bereitet. Kanada hält ihr – wie gewohnt – die Treue, nun folgen allerdings weitere Kontinente. Diesmal verweilt die Künstlerin fast drei Jahre in den US-Charts, hier verkauft sich dieses Album 20 Millionen Mal. 12 der 16 Lieder gibt es auch als Single zu kaufen, man kann Shania keinesfalls unterstellen, stilistisch festgefahren zu sein. „Honey, I´m Home“, „Man! I Feel Like A Woman!“, „That Don´t Impress Me Much“ und „From This Moment On” beackern, wenn auch behutsam, recht unterschiedliche Ecken der großen Popmusikwelt. Countryeinflüsse sind längst nicht überall klar herauszuhören, manchmal rockt es behutsam, Popballaden, die großen Bögen, sind ein bestimmendes Thema.
Shania Twain verkauft ihr Album zwischen 30 und 40 Millionen Mal weltweit, es gehört (nach westlicher Zählung) zu den erfolgreichsten Produktionen der 90er Jahre. Im Oktober kommt in den USA eine Zusammenstellung alter Stücke der Sängerin unter dem Titel „The Complete Limelight Sessions“ auf den Markt.
Shania Twain - Up!
Ein Erfolg wie „Come On Over“ lässt sich nicht ohne weiteres wiederholen. Nach erfolgreichen Touren macht Shania Twain eine kleine Pause, um dann wieder ins Studio einzukehren. Das Album „Up!“ aus dem November 2002 gibt es – dank der ungemein gewachsenen Hörerschaft – direkt in drei Versionen. Eine (rote) Version ist für die Popmusikhörer, es gibt ein (grünes) Contry-Up!-Album und eine „Weltmusik“-Variante, die zum Teil in Mumbai aufgenommen worden ist. Shania Twain hat es ganz offensichtlich gerne ungewöhnlich. So pendelt sie, nicht nur ihre musikalische Heimat ist in Nordamerika zu verorten, zwischen der Schweiz und Neuseeland, wo sie jeweils Residenzen unterhält.
Durch diese merkwürdige Veröffentlichung verschieben sich nun die Hits. „I´m Gonna Getcha Good” ist ein Überraschungserfolg in England und bleibt auch uns nicht erspart. Das selbst für Shania Twain ungewöhnliche „Ka-Ching!“ ist dann ein großer Erfolg im deutschsprachigen Raum. „Forever And For Always“ ist dann wiederum etwas für den nordamerikanischen Markt. Es liegt in der Natur der Sache (und auch der Veröffentlichungszeit), dass das Album längst nicht mehr an einem Ort derart einschlägt, wie das vorangegangene Produkt.
Dafür ist Shania Twain zunehmend in Trailer zu hören, ihre Musik findet auf unterschiedlichsten Wegen ihre Hörer, die Ehrungen reißen nicht ab. 2008 wird ein neues Album von Shania Twain erscheinen. surftippsCD Reviews von Shania Twain findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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