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Sheryl Crow


Sheryl Crow gehört zu den Künstlern, die ihren größten Hit direkt am Beginn ihrer Karriere haben, die sich für alle Zeit daran messen lassen müssen, ob sie wollen oder nicht. Sheryl Crow ist bereits etwas über 30 Jahre alt, als die Radios in Deutschland 1994 ihr „All I Wanna Do“ entdecken und es wie blöde spielen. Die Charts werden zu jener Zeit dominiert von schwedischen Popacts, Dancefloor, Mariahs und Whitneys Wunderstimmen und alten Rockern, die sich noch einmal aufraffen; da hat es den Anschein, als krallten sich die Musikverantwortlichen an die Single von Sheryl Crow, als sei dies die Rettung der Popkultur.

 

Es schadet nicht weiter, das Lied tut keinem weh. Sanft, vielleicht etwas launisch trägt Sheryl Crow ihren Song vor, sie ist die Amerikanerin mit der Gitarre – Posen, die vermutlich noch in 20 Jahren von ihr verlangt werden. Sheryl Crow produziert keine Singles für die Charts, ihre Alben sind ambitionierte Folkrockprojekte. Sheryl Crow kann seit 1994 auf eine stabile Hörerschaft bauen, der zuliebe sie zu arbeiten scheint. Nur selten wird Sheryl Crow in den grelleren Teil der Öffentlichkeit gezwungen, ihre Beziehung zu dem Radsportler Lance Armstrong sorgt zwangsläufig für Aufregung und es heißt, sie sei dem Trubel auch erlegen. Der Verlauf einer als gravierend diagnostizierten Krankheit wird natürlich sorgfältig dokumentiert, ebenso Auftritte vor US-Truppen im Friedenseinsatz, und da die Sheryl Crow sich in den Reigen der Stars einreiht, die Kinder adoptieren, ist das natürlich auch ein Thema.

 

Wer ein Idol benötigt, das in Interviews immer eloquent und reflektiert wirkt, das mit wachem Auge politische Verhältnisse, das Schicksal berühmter Kolleginnen und die Wünsche der Hörer verfolgt, wer zwischen 40 und 50 Jahre alt ist – denn das sind die Gruppen, die sie primär zu bedienen glaubt, und wer gerne gute Ratschläge von seinem Lieblingskünstler annimmt, der ist bei Sheryl Crow richtig. Garantiert ist diesem Fan, auf der guten Seite der „handgemachten“ Musik zu stehen, Sheryl Crow ist Multiinstrumentalistin, sie spielt in der Tat die Gitarre, weitere Instrumente und sie schreibt ihre Lieder zum Teil selbst.

 

Sheryl Suzanne Crow, selbst der Name ist echt, kommt im Februar 1962 im Dunklin County in Missouri, an der Grenze zur Arkansas, zur Welt. Das ist der mittlere Westen der USA. Sheryl Crow wächst in einer großen Familie auf, die Eltern sind beide Musiker, die Mutter sogar als Klavierlehrerin als Musikerin berufstätig. Gelegentlich lässt Sheryl Crow Familienmitglieder bei ihren Produktionen mitwirken. Sehr früh erhält sie Klavierunterricht, übt sich als Bandleaderin in der High School, arbeitet sich am Werk Bob Dylans ab und beginnt, vermutlich noch nicht einmal in der Pubertät, selbst zu komponieren. Während sie den vernünftigen Weg geht, den der fundierten Berufsausbildung, zockt sie abends in Musikgruppen. Sie studiert in Missouri Musik, ist Mitglied einer Musikstudentinnenverbindung und wird Lehrerin für autistische Kinder.

 

Der Schritt von der Freizeitmusikerin zur Professionellen erfolgt in die Werbung, Sheryl Crow singt Werbejingles und zieht nach Kalifornien. Als Background-Sängerin auf der BAD World Tour von Michael Jackson zieht sie von 1987 bis 1989 um die Erde, bei weiteren Engagements in diesem Bereich verdient sie sich die Meriten, die ihr ihren ersten Plattenvertrag bringen, und zwar bei A&M Records in Los Angeles, dem Label, bei dem sie noch heute unter Vertrag steht.

 

Sheryl Crow ist eben eine bodenständige Zeitgenossin. Das Label stellt ihr mit Hugh Padgham einen Produzenten zur Seite, der vor allem durch seine Arbeit mit Genesis und XTC zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist. Ein Debütalbum wird fertig gestellt, jedoch nicht, wie geplant, 1992 veröffentlicht, sondern nie. Letztendlich ist das ein Glücksfall für Sheryl Crow, denn jetzt geht ihre Geschichte erst richtig los – und die Fans können sich vermutlich bis in alle Ewigkeiten wünschen, dieses wirklich erste Album in den Händen zu halten, denn die Tatsache, dass A&M damit bis heute nicht versucht hat, ordentlich abzuräumen, lässt erahnen, dass irgendwer mit der Endprodukt nicht ganz glücklich ist …

 

Sheryl Crow - Tuesday Night Music Club

 

Sheryl Crow wird angetragen, sich zu Musikern zu gesellen, die sich treffen, um zu jammen, und bald, um das richtige Material für die Musikerin zusammenzutragen. Der Produzent und Gitarrist Bill Bottrell nimmt Sheryl Crow mit, der 1996 verstorbene Kevin Gilbert, der etliche Instrumente beherrscht, wird zu ihrem Lebensgefährten, an ihrer Seite arbeiten des weiteren die Gitarristen David Baerwald und Dan Schwartz, der Bassist David Ricketts, der kanadische Schlagzeuger Brian MacLeod und einige andere an dem endgültigen Debüt, an dem der Leidenschaft und gemeinschaftlichen Kraft.

 

„Tuesday Night Music Club“ wird im August 1993 veröffentlicht. Zwischen den Musikern kommt es zu Unstimmigkeiten, die Beziehung zu Gilbert zerbricht, die Kollegen stören sich – verständlicher Weise – an der Vermarktung, die sich allein Sheryl Crow konzentriert, dazu gehört, dass auf die Songwriterqualitäten der Sängerin sehr viel Wert gelegt wird, die das Spiel mitspielt, statt ihren Kollegen die in ihren Augen fällige Anerkennung zu erweisen. Wenn Sheryl Crow etwas von anderen Popmusikern unterscheidet, dann sind es ganz offensichtlich ihre Kollegen, die an diesen Unterschied glauben und enttäuscht sind, weil auch sie von den üblichen Ungerechtigkeiten der Popwelt gebeutelt werden.

 

Das Album verkauft sich die kompletten 90er Jahre hindurch, nachdem die zweite Single „All I Wanna Do“ im Frühling 1994 um die Welt gegangen ist. Sechs Singles werden bis 1995 veröffentlicht, das spielt allerdings keine Rolle mehr. Sheryl Crow stehen alle Türen offen, vermutlich ist der Bruch mit ihren Kollegen jetzt ein Vorteil. Sheryl Crow darf mit den Stones unterwegs sein, einen Beitrag auf einem Led Zeppelin Tribute Album leisten, wird vom Rolling Stone Magazin gehypt und ist der Liebling der Juroren: allein zehn Grammys erhält sie bis 2002, darunter sind kurioserweise in der Mehrzahl Ehrungen für die Rockerin Sheryl Crow. Man muss ihr zugestehen, dass sie beizeiten rockiger wird, allerdings ist der hier verwendete Rockbegriff ein antiker. Sehr deutlich wird das auf dem 96er Album „Sheryl Crow“, die Single „If It Makes Me Happy“ wird auch in Deutschland regelmäßig im Radio gespielt, allein die Leute kaufen es kaum. Nun setzt sie alles darauf, den Zwist der Vergangenheit vergessen zu lassen. Sheryl Crow wechselt den Gang, produziert selbst, führt MacLeod und Bottrell als Autoren und schiebt diesmal selbst eine Karriere an: die des Jeff Trott (vormals Wire Train). Ferner wettert sie gegen die politische Weltlage, Missstände in der Gesellschaft und provoziert Wal Mart, das Album aus dem Sortiment zu nehmen.

 

1997 spielt sie den Titeltrack für den James Bind-Film „Tomorrow Never Dies“ und setzt ihr Werk mit dem Album „The Globe Sessions“, ihrem bis heute größten Erfolg in den Media Control Charts, fort. Erst 2002 folgt das vierte Album „C´mon, C´mon“. Sheryl Crow opponiert gegen die Kriegspläne für den Irak und bringt 2005 „Wildflower“ heraus, ein ebenso wie sein Vorgänger durch und durch langweiliges Album. Inzwischen hat sie ihre stärksten Auftritte auf Filmsoundtracks und wenn Sheryl Crow mit Musikerkollegen, wie mit Sting für „Always On Your Side“ oder mit Wolfgang Niedecken für „It´s So Easy“, selten übernimmt Sheryl Crow auch kleine Rollen in Filmen.

 

Im Februar 2008 erscheint „Detours“, das nächste Album. Sheryl Crow wagt einen kleinen Break, spielt nicht mehr wie zuletzt ausschließlich Balladen, die sicherlich einwandfrei und auch schön sind, ganze Alben allerdings nicht tragen. Das ist ein hoffnungsvoller Ausblick, denn Sheryl Crow ist eine tolle Musikerin, der es beizeiten leider etwas an Experimentierfreude mangelt.





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