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Sido - Paul Würdig kommt am 30.11.1980 in Berlin zur Welt. Er ist prominentes Aushängeschild der viel beschrienen Hip-Hop-Gefahr aus Berlin, der Aggro-Berlin-Gemeinschaft und besser als superintelligentes Drogenopfer – kurz Sido – bekannt. Es gibt einen deutschen Rapper, den inzwischen jeder kennen dürfte, und das ist Bushido. Danach kommt sicherlich sofort Sido. Wenn 2005 jemand sagen wollte, dass Hip-Hop was ganz Schlechtes ist und was Gefährliches auch, dann folgten mit ziemlicher Sicherheit kurz darauf die Namen Bushido und er. Irgendwie lassen sich die Namen auch ganz wundervoll merken und hintereinander aussprechen.
Für die wahren Experten des deutschsprachigen Hip-Hops ist früh klar, dass die Medien- bzw. Fernsehfachleute, die immer wieder auf Bushido und Sido, die Axis of Evil in Berlin, zurückkommen, von der Materie im Prinzip keine Ahnung haben. Klar parlieren sie nicht politisch korrekt, die beiden besitzen jedoch die Fähigkeit, sich korrekt zu geben, haben klar gesteckte Ziele, verfügen über eine kritische Distanz zum Geschäft und haben als etablierte Künstler in der deutschen Popwelt viel von ihrem Schrecken verloren. Gerade er ist zunehmend zu einem beliebten Beispiel dafür geworden, dass man „nicht immer alles so ernst nehmen sollte“ – eine beliebte These seit der WM 2006. Und auch wenn er nicht unbedingt den Geläuterten gibt (er kann immer noch „Arschficksong“ sagen), kommt die Anerkennung für seine Arbeit inzwischen aus erstaunlich unterschiedlichen Richtungen.
Die Maske (Kopfschmuck)
Zunächst einmal ist er, ist sein Auftreten, ein, wenn auch vielfach belächeltes, auffälliges Auftreten. Sido tritt lange mit dieser silbrigen Totenkopfmaske auf, die, wenn auch potthässlich, ein fuchsiger Zug im Corporate Branding. In Abgrenzung zu den ganzen singenden Songschreibern, die sonst so erpicht darauf sind, frei von medialen Zwängen allein durch ihre Kunst zum Erfolg zu kommen, verkündet er, dass er rappt, weil er sonst nichts kann und dass er es macht, weil es Kohle bringt. Eine weder originelle noch neue Herangehensweise an den Musiksport, in unserem (deutschsprachigen) Kontext trotzdem irgendwie befreiend.
Die Maske hat ferner den Vorteil, dass seine permanente öffentliche Kifferei schwieriger justitiabel ist. Heute, und das ist eine schöne Pointe, gibt er sich erwachsener, hat die Maske oft abgelegt und trägt sie auf Fotos knapp an der hamletschen Pose vorbei in der Hand. Sido wächst im Märkischen Viertel in Berlin Reinickendorf bei seiner Mutter auf. Offiziell ist aufgrund seines hohen Drogenkonsums, eines seiner geliebten Hauptthemen, von der Schule geflogen. Allerdings gibt es Stimmen, die ihm unterstellen, eine gar nicht so schlechte Schulkarriere absolviert zu haben, die er zwecks Authentizitätssteigerung (er ist Teil der Straße) zu verschleiern sucht; damit begibt man sich zu sehr in den Bereich der Fabeln. Einen Sohn hat er, er ist früh Vater geworden.
Die Maske ist nicht der einzige, sehr geschickte Schritt, den er auf in seiner Karriere geht – es sind ein paar Tracks, die Sido – nicht nur durch ihre dreckigen Noten – von der Masse der emporstrebenden Rapper unterscheiden. Der bereits erwähnte Titel vermag durchaus durch seine Direktheit und Brutalität hervorzustechen, „Mein Block“ indes ist ein klug gestrickter Popsong, der hängen bleibt. Vor allen Dingen nimmt er sich rotzfrech einen bereits recht beliebten Titel – und setzt mit seiner die bis heute beste Version drauf.
Gemeinsam mit B-Tight ist Sido seit 1997 als Royal TS und Die Sekte für Royal Bunker, dem legendären Label von Marcus Staiger, unterwegs. Die Tracks entstehen mit Hilfe der Playstation. Im Laufe des Jahres 2003 macht Sido die ersten Male – inzwischen bei Aggro Berlin – auf sich aufmerksam. Zunächst ist es sein „Weihnachtssong“, eine ziemliche Sauerei, die auf einem der Aggrosampler erscheint, „Mein Block“ wird durch eine der CD-Beilagen des Juice-Magazins bekannt.
Aus Die Sekte wird A.i.d.S. (Alles ist die Sekte). 2004 ist das Jahr der manche Grenzen überschreitenden Provokationen. Von Azad und Kollegen bekommt er wegen seiner großen Fresse was auf dieselbe. Es ist das Jahr des Debütalbums, mit dem er geschickt gewartet hat, bis er einigermaßen bekannt ist.
Maske (Debütalbum)
„Maske“ erscheint im April 2004. Ein durch und durch provozierendes Hip-Hop-Album, er stellt sich vor, seine Stadt, rauft sich ein wenig verbal, viel Drogen, Gewalt, Sex, Party, Knast und Kohle und der fast schon obligatorische Track für die Mutter. Das Album landet auf Platz drei der deutschen Charts, ein ungeheuerlicher Erfolg für ein derartiges Underground-Produkt. Im September 2004 wird Sido der Comet für den besten nationalen Newcomer verliehen.
Das Lied „Endlich Wochenende“ veranlasst 2005 die zuständigen Offiziellen, das Album vom Markt zu nehmen. Es ist eine wüste Drogentour mit Kollegen, die Sido zum Verhängnis wird. Die Singles „Mein Block“, „Fuffies im Club“ und „Mama ist Stolz“ sind bis dahin anständige Charterfolge. Er scheint ein Teamarbeiter zu sein, er unterstützt durch seine Prominenz immer wieder Kollegen aus seinem Umfeld, zum Beispiel Fler und Tony D. Das Album ist seit 2006 in einer veränderten Version wieder auf dem Markt, als „MaskeX“.
Ein wichtiges Nebenprojekt führt Sido seit einigen Jahren mit dem Rapper (Oliver) Harris von den Spezializtz, die beiden sind Deine Lieblings Rapper und bringen 2005, wesentlich später als geplant, „Dein Lieblings Album“ auf den Markt. Das Video zu „Steh wieder auf“ wird ein wenig aufgeregt besprochen, weil er und Harris sich – passend zum Titel – kreuzigen lassen. Und noch ein Großereignis steht 2005 ins Haus: Sido nimmt am ersten Bundesvision Song Contest teil. Er hat ein unglaubliches Wahlkampfvideo mit einer Vielzahl unterschiedlicher prominenter Berliner. Bis heute war keine dieser Veranstaltungen vergleichbar stark besetzt, Juli gewinnt mit einem gigantischen Vorsprung vor Fettes Brot, denen Sido mit der Reinickendorfer Punkband Brainless Wankers und dem Titel „Mama ist stolz“ folgt, während er ein erlesenes Teilnehmerfeld hinter sich lässt. Für kurze Zeit gehört Sido zum festen Stamm derer, die für Stefan Raabs Shows gebucht werden, er kifft allerdings zu viel … Ach ja – und im März 2005 bringen Sido und G-Hot gemeinsam eine sehr gelungene Single (und Video) namens „Wahlkampf“ auf den Markt.
Sido - Ich (demaskiert)
Kurz nach Erscheinen seiner Biografie „Ich will mein Lied zurück“ veröffentlicht Sido im Dezember 2006 sein zweites Album „Ich“. „Ein Teil von mir“ ist ein etwas bemüht kitschiges Liedchen für seinen Sohn, „Strassenjunge“ hingegen gefällig und „Schlechtes Vorbild“, die dritte Single, wirkt bemüht, doch noch etwas zu provozieren. Insgesamt ein tolles Album, ist deutlich zu merken, dass Sido einen neuen Weg einschlägt. Gerade technisch ist man im Hause Aggro ungemein gereift. Das merkt man vor allen Dingen an dem Featurealbum eine „Hand wäscht die andere“, das nun wirklich in alle Geschmacksrichtungen ausschlägt. Sido arbeitet bei „Ruff Sex Part 1“ mit George Clinton zusammen … surftippsCD Reviews von Sido findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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