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Snoop Dogg


Seit geraumer ist zu hören, dass der Hip-Hop im Wandel sei – oder am Ende, gemeint ist im Prinzip dasselbe. Die einen sehnen sich nach irgendeiner Zeit zurück, in der es vermeintlich irgendwie besser gewesen ist, andere sehen hoffnungsfroh Ansätze eines neuen politischen, alternativen Hip-Hop, Träumer halt, wenn sie glauben, dass dies den allgemein als problematisch eingestuften Ausverkauf des Gangstas und gut konservierte, uralte Stereotype ersetzen könnte, viele sprechen gar vom Ende einer ganzen Musikrichtung.

 

Und dann gibt es da Snoop Dogg. Ein Relikt aus den Anfängen der Zeit, in der alles schiefzulaufen beginnt, ein Mann, der noch persönlich mit Tupac bekannt war und mitten im elenden Eastcoast-Westcoast-Ding steht, einer, der sich den Dreck, das Groteske, das Gangstermäßige erhält, dem man allerdings nicht nachsagen kann, er verändere sich nicht. Musikalisch wird er immer besser, er ist Bedrohung und Heilsversprechen zugleich, jemand, der beständig in spektakuläre Konflikte mit dem Gesetz verwickelt ist, darunter sind welche, die an Härte kaum zu überbieten sind; gleichzeitig hat er etwas von einem Clown, ist besessener Verwandlungskünstler, macht sich hässlich, spielt in absurden Filmen mit, dreht, produziert und vögelt in Pornos, ist mal der Pimp, mal Bootsy, reist wie in besten Gangtagen mit einer üppigen Entourage um den Globus, um dann bei Charity-Konzerten aufzutreten.

 

Snoop Dogg ist nicht die einfachste Nummer im Hip-Hop-Geschäft, seine Verbindungen lassen sich nicht schlicht auf ein dutzend Markennamen reduzieren, die Musik scheint mehr zu sein, als der erklärte Wille, damit Geld zu machen. Aber er geht auch nicht den Weg Suge Knights, des Death Row-Bosses, Snoop kann man kaufen; und er ist teuer.

 

Cordozar Calvin Broadus, Jr. ist Jahrgang 1971, aus Long Beach in Kalifornien und seine Mutter ruft ihn Snoopy. Er absolviert die High School und ist dann erst einmal ordentlich kriminell (Drogen, Gangs und so). Mit Nate Dogg und Warren G gründet er das Hip-Hop-Trio 213, da Warren G mit Dr. Dre verwandt ist, der gerade dabei ist, eine der entscheidenden Solokarrieren der letzten 20 Jahre zu starten, um danach vorwiegend als Produzent zu glänzen, ist es kein Zufall, dass Snoop Doggy Dogg ihm auffällt. So kommt es, dass Snoop bei Legenden des Gangsta Rap in die Lehre geht, an seinem eigenen, unvergleichlichen Style feilt und Anfang der 90er Jahre an seinem Debütalbum zu basteln beginnt.

 

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass 1993 ein junger Mann aus einem fahrenden Auto, in dem Snoop sitzt, erschossen wird. Der daraufhin engagierte Anwalt Johnnie Cochran erarbeitet sich einen legendären Ruf, bekommt Kunden wie O.J. Simpson und Michael Jackson, weil er es schafft, nicht nur Snoop aus der Sache rauszuhauen, sondern die Tötung als Notwehr zu verkaufen. Auf dem legendären Album „The Chronic“ (1992) von Dr Dre, ist Snoop mit ein paar Kollegen als Tha Dogg Pound bereits vertreten, es folgt

 

Snoop Dogg - Doggystyle

 

Die Aufnahmen zum Debütalbum werden durch einen Knastaufenthalt unterbrochen, es ist allerdings nicht nur der spektakuläre Kriminalfall, der das Debüt Snoops ungeheuer erfolgreich werden lässt. G-Funk, das, wofür Dr. Dre steht, ist einfach das Ding der Stunde – und letztendlich erst einmal auch der nahenden Zukunft (wenn man von einem kurzen hoch der Ostküstler absieht). Snoop wird als Snoop Doggy Dogg berühmt, das Doggy legt er am Ende des Jahrzehntes bei seinem Abschied von Death Row ab.

 

„Doggystyle“ steigt in den USA auf Platz eins der Charts ein, sowohl die Kollegen von 213 als auch jene von Tha Dogg Pound unterstützen ihn tatkräftig, die zahlreichen Samples sorgen zum Teil für Scherereien mit den Rechteinhabern, „Who Am I (What´s My Name)?“ und „Gin And Juice“ sind erfolgreiche Singles, ein kleiner Film mit dem Titel „Murder Was The Case“ macht die Runde, eigentlich läuft alles prächtig. Für den Verkauf von Platten hat Snoop Doggy Dogg sehr bald den perfekten Ruf, sein Name ist leicht zu merken, daher wird er gerne herangezogen, wenn es mal wieder gegen (bzw. für) die bedrohte Jugend geht.

 

Das zweite Soloalbum, „Tha Doggfather“, kommt 1996 auf den Markt. Es ist die Zeit großer Veränderungen, Dr. Dre verlässt Death Row im Streit, Tupac Shakur wird erschossen, die Produktion des Albums erfolgt unter Spezialbedingungen, ohne den Lehrmeister Dre, dafür überwacht Suge Knight den Laden nun höchstpersönlich, an Snoops Seite werkeln Daz Dillinger und DJ Pooh. Das Album verkauft sich anständig, wenn man bedenkt, dass es zeitnah zum vieles überschattenden, posthum veröffentlichten Shakur-Album erscheint.

 

Snoop wechselt zu Percy Millers bzw. Master Ps kalifornischem Label No Limit Records, wo er die nächsten Alben veröffentlicht. 1998 erscheint „Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told“, man merkt an diesem Produkt, wie sehr Snoop Dogg auf ein gutes Team angewiesen ist, das ihm hier fehlt. Für „Not Limit Top Dogg“ kehrt er – zumindest was einige Protagonisten der alten Tage angeht – zurück in den Schoß von Death Row (zu Death Row geht es nicht zurück). Dr. Dre steht ihm wieder zur Seite, Warren G und Nate Dogg ebenfalls, trotzdem ist es nicht der ganz große Wurf. Man darf nicht unterschlagen, dass wir hier auf hohem Niveau nörgeln, die Alben fahren Top-Platzierungen in den Charts ein, allerdings muss man sagen, dass es Snoop Dogg besser kann.

 

Mit dem Jahr 2000 kommt es zu mehreren interessanten Brüchen: Suge Knight plündert das Archiv von Death Row und veröffentlicht alte Aufnahmen von Snoop unter dem unheilvollen Titel „Dead Man Walkin´“ und beweist einmal mehr, wie recht diejenigen hatten, die sich von seinen Knebelverträgen befreit haben. Snoop präsentiert in kurzer Folge mehrere Produktionen mit Tha Eastsidaz, selten hat man auf Covers derart zwielichtige Gestalten gesehen, das letzte Album auf No Limit steht an, „Tha Last Meal“. Snoop Dogg führt nun sein eigenes kleines Sublabel Doggy Style Records. Dr. Dre veröffentlicht seine zweite Chronic, ein wundervoller Anlass für einen Neuanfang.

 

Snoop Dogg - Paid Tha Cost To Be Da Bo$$

 

Pharrell Williams, immer eine gute Wahl, ist nun der Mann an Snoops Seite. 2002 erscheint ein Album bei Capitol, auf dem sich beschnuppert wird, The Neptunes und Snoop mit „Beautiful“ zeigen, was kommen kann, richtig los geht es dann 2004 auf Geffen Records mit dem Album „R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece“. „Drop It Like It´s Hot” ist ein wundervoll simpel klingendes Stück, das einen nicht mehr loslässt – mit Pharrell, Justin Timberlake, den Bee Gees, Nelly Furtado, Bootsy Collins und 50 Cent bewegt er sich in scheinbar völlig widersprüchlichen Sphären der Popwelt.

 

Und er setzt noch einen drauf: Ende 2006 erscheint mit „Tha Blue Carpet Treatment“ das nächste Soloalbum, das, was Kollegen, Mitarbeiter, Produzenten, Tracks, Samples usw. aus allen nähten platzt, Pharrell ist natürlich dabei, aber auch Dr. Dre und DJ Pooh, Stevie Wonder leistet seinen Beitrag, ebenso B-Real von Cypress Hill, Akon, Ice Cube, D´Angelo und R.Kelly – völlig überladen ist die Geschichte, aber lustig.

 

2008 geht es weiter mit „Ego Trippin´“; was das in diesem Zusammenhang bedeutet? Eher noch mehr? Oder mal weniger? Wir werden es sehen ...





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