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Snow Patrol ist eine dieser Bands, die sich wandeln, bei denen Fans ganz tapfer sein müssen, weil sie sich an Neues gewöhnen müssen und daran, plötzlich nicht mehr einem eingeschworenen Kreis der Wissenden anzugehören, sondern Millionen von Brüdern und Schwestern zu haben. Snow Patrol wandelt sich innerhalb einer Dekade von einer netten Studentenkapelle, der deutlich der Hang zum Grunge anzuhören ist (eine domestizierte Variante), hin zu einer Popgruppe für die großen Stadien, in denen die großen Melodiebögen in aufwändiger Instrumentierung zählen. Das ist nichts Schlimmes, auch wenn das einige vielleicht behaupten; meist sind es jene, die auch nicht gut finden, dass Snow Patrol die Lieder für Seriensoundtracks hergibt.
Das kümmert uns hier nicht. Wichtiger ist der Weg vom sogenannten Indie- oder Alternative-Rock zum Stadionpop. Snow Patrol wird Mitte der 90er Jahre von dem Gitarristen Gary Lightbody und dem Bassisten Mark McClelland, Studenten der University of Dundee in Schottland gegründet. Lightbody stammt aus Bangor in Nordirland, wo er im Juni 1976 zur Welt kommt. 1994 geht er nach Dundee, um zu studieren. Hier lernt er McClelland kennen, selber Jahrgang, ebenfalls aus Irland. Die beiden nennen Snow Patrol zunächst Polarbear, 2005 wird McClelland nach ersten Erfolgen aus der Band geworfen. Offiziell sind musikalische Differenzen der Grund, was in Anbetracht des Stilwechsels durchaus plausibel ist.
Zunächst sitzt Richard Colburn am Schlagzeug von Snow Patrol, der jedoch in seiner Band Belle & Sebastian eingebunden ist, so dass ein neuer Drummer her muss, den die Musiker für die Aufnahmen des ersten Albums in Jonny Quinn finden, der extra von Belfast nach Dundee zieht. Snow Patrol, die irische Band aus Schottland bzw. die schottische Band aus Irland, hat zumindest eigentümliche Wurzeln.
„Starfighter Pilot”, eine erste EP, erscheint 1997 auf dem Label Electric Honey. Neben Colburn ist auch Stuart Murdoch, der Sänger von Belle & Sebastian auf dieser ersten Produktion zu hören. Deren Label Jeepster Records aus London nimmt sich Snow Patrol an. „One Hundred Things You Should Have Done In Bed“ wird zu einem kleinen Single-Hit, Lightbody, McClelland und Quinn basteln an ihrem Debüt.
Snow Patrol - Songs For Polarbears
Das heißt „Songs For Polarbears“ und erscheint im August 1998. Den ursprünglichen Namen legen die Musiker ab, da es bereits ein Projekt unter diesem gibt. Das Album ist was für Alternative-Freunde, passt nicht in die Zeit, in der es eingespielt wird, vermag jedoch durchaus zu überzeugen. „Songs For Polarbears“ könnte als poppige Variante Pearl Jams durchgehen. Der Erfolg von Jeepster und des Aushängeschildes Belle & Sebastian verhilft Snow Patrol zu einer Vergrößerung ihrer Hörerschaft, von einem Durchbruch kann indes nicht gesprochen werden.
Die Veränderungen, die die Musiker im Songwriting beim zweiten Album vornehmen, sind beachtlich. „When It´s All Over We Still Have To Clear Up“ erscheint im Mai 2001 und wird von Gitarrenpop dominiert, durch Folk-, auch Rockelemente durchsetzt. Bei wenigen Bands wirkt der musikalische Weg, den sie gehen, so klar, während man sich durch die Alben hört. Es scheint, als habe Lightbody eine Vision, der er mit einer diesmal sehr aufgeräumten Studioproduktion näher zu kommen gedenkt. Snow Patrol segelt erneut mit einer durchaus ansprechenden Arbeit gnadenlos an den Charts vorbei. Es ist einfach die Zeit für Veränderungen – und die beginnen auf ganz verschiedenen Ebenen.
„When It´s All Over We Still Have To Clear Up“ ist die vorerst letzte Produktion in Schottland, es geht zurück auf die Nachbarinsel. Jeepster will Snow Patrol loswerden, und die Musiker wechseln zu Fiction Records aus dem Hause Polydor. Gary Lightbody beginnt, an visionären kleinen Nebenprojekten zu werkeln und qualifiziert sich für die folgende Zeit als begehrter Kollaborateur.
Snow Patrol - The Reindeer Section
Seinem Hang zu Bildern des Nordens folgend gründet er 2001 in Glasgow The Reindeer Section. Dutzende vorwiegend schottische Musiker, etwa John Cummings von Mogwai, die anderen Jungs von Snow Patrol, Norman Blake von Teenage Fanclub, Roddy Woomble von Idlewild, Richard Colburn, Mick Cooke und Bob Kildea von Belle & Sebastian und Colin Macpherson, Malcolm Middleton und Aidan Moffat von Arab Strap beteiligen sich an dem Projekt, das 2001 und 2002 zwei Alben veröffentlicht. Zunächst erscheint im Oktober 2001 „Y´All Get Scared Now, Ya Hear!“, unglaublich ruhiger und behutsamer Gitarrenfolkpop, bedächtig trägt das Album durch den folgenden Winter.
Im Sommer des nächsten Jahres erscheint „Son Of Evil Reindeer“, ein würdiger Nachfolger, beinhaltet „Cartwheels“ und „You Are My Joy“, beide Titel werden für die Soundtracks von Serien verwendet.
Snow Patrol - Final Straw
Mit Nathan Connolly bekommt Snow Patrol einen weiteren Gitarristen. Auch Connolly stammt aus Belfast, ist Jahrgang 1981, er spielt in der Band File Under Easy Listening. Das passt. Im August 2003 erscheint mit „Final Straw“ das dritte Album von Snow Patrol, nun ein Quartett. Snow Patrol lädt zum Dahintreiben ein, die Musik ist schön und macht sentimental, „Run“, die zweite Single ist das vielleicht beste Lied aus der Feder Lightbodys. Plötzlich ist Snow Patrol in den Charts, auch in Deutschland wird die Band nun verstärkt gehört.
Durch den rasch wachsenden Erfolg hat das Album eine etwas merkwürdige, lang gezogene Veröffentlichungsgeschichte, nach einer Reihe von Konzerten, der Eroberung selbst des amerikanischen Marktes, geht es 2005 mit U2 auf Tournee sowie zu zwei der Live 8-Veranstaltungen in einer leicht veränderten Besetzung:
McClelland verlässt Snow Patrol und wird durch Paul Wilson ersetzt. Der im schottischen Kinlochleven geborene Bassist ist in Glasgow durch seine Mitgliedschaft in der Band Terra Diablo bekannt. Damit nimmt Snow Patrol wenigstens ein Stückchen Schottland mit in den Welterfolg. Zwei Stückchen: zusätzlich lacht sich Snow Patrol einen Keyboarder an, ein Fingerzeig für die musikalische Zukunft (McClelland hat bisher den Teilzeitkeyboarder gespielt). Tom Simpson ist eigentlich DJ und lebt in Dundee.
Snow Patrol - Eyes Open
Ende 2005 entsteht das vierte Album von Snow Patrol: „Eyes Open“ erscheint im Mai 2006. Wie beim Vorgängeralbum steht den Musikern der Produzent Garret „Jacknife“ Lee zur Seite, eine Konstellation, die in Interviews von beiden Parteien immer wieder beschworen wird. Es wird die Erfahrung auf der Tour mit U2, wahrscheinlich auch der erfahrene Produzent gewesen sein, letztendlich ist es vornehmlich ein logischer weiter Schritt auf dem Weg, den die Band geht: die Produktion ist für das große Publikum gemacht, sie lädt ein zum rhythmischen Mitklatschen, Feuerzeugzücken und ähnlichem Käse, sie ist nichts mehr für die alten, studentischen Gitarrenmusikfreunde.
„Chasing Cars“ wird für die Serie „Grey´s Anatomy“ eingekauft, dieses Lied, aber auch „Open Your Eyes“ und „You Could Be Happy“ werden für eine Reihe von Fernsehformaten genutzt. Snow Patrol hat 2006 und 2007 urplötzlich eine ungeheuerliche Präsenz, die nicht immer direkt mit dem Namen der Band verbunden wird. Es sieht ganz so aus, als ob das erst der Beginn einer ganz großen Geschichte ist. surftippsCD Reviews von Snow Patrol findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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