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Sportfreunde StillerEine Rockband zum knuddeln. Freundliche Männer, mit denen man befreundet sein möchte, deutsche Texte zum Mitsingen, die Freiheit, zu seinen intimsten Neigungen zu stehen, das hübsche Gesicht Bayerns: willkommen, Sportfreundefreunde. Benannt nach einem ehemaligen Fußballtrainer zweier Bandmitglieder beweist die Band visionäre Kraft, indem sie den Fußball auch dorthin trägt, wo ihm allenfalls heimlich gefrönt wird, der Kicker beispielsweise in der Mensa eingeschoben in einen schwarzen Umband nervös, und in angstvoller Erwartung ertappt zu werden, studiert wird… Geradlinige, wundersam ehrlich wirkende Texte machen Mut – und wenn Sportfreunde Stiller vielleicht nicht allein dafür verantwortlich sind, dass die Begeisterung am Sport inzwischen alle gesellschaftlichen Milieus (ja, alle!) erreicht, so gehen sie der Entwicklung doch tollkühnen Schrittes voran.
Sportfreunde Stiller - Das Team
Ursprünglich schlicht als „Stiller“ gegründet und 1996 erstmals auf der Bühne, muss sich die Gruppe aufgrund eines Namensvetters am nördlichen Ende der Bundesrepublik umbenennen und gibt sich den prägnanten Beinamen „Sportfreunde“. Zur ersten Besetzung gehören der Schlagzeuger (und Sänger und Fußballer und Schriftsteller…) Florian Weber sowie der Gitarrist (und Fußballer und Sänger, zumindest der, der insgesamt den größten Textanteil hat) Peter Brugger. Der Bassist (und Keyboarder) Rüdiger „Rüde“ Linhof komplettiert etwas später die Band.
Gemeinsam sind die Sportfreunde Stiller ein recht heterogenes Dreiergespann, das absolut nicht einheitliche Vorlieben und Meinungen vertritt. Stärkster Ausdruck der Differenz innerhalb des Bandsystems sind die verschiedenen Vereinsvorlieben. Wo Bayern- und 1860-Freunde gemeinsam etwas auf die Beine stellen, ist der Tag, ist der Fernsehabend nur so mit Tretmienen gepflastert. Hinzu kommt, dass es der Frontmann Brugger ist, der sich bei vielen Konzerten nicht scheut, seine Zugehörigkeit zur Heuschrecke der Bundesliga kundzutun – er beweist damit Mut, die Bandmitglieder jedoch zeigen Größe. Sie sind es, die ihren Ruf mit jedem Mal aufs Neue gefährden. Dass die Zusammenarbeit in einer solchen Band, diesem Mikrokosmos des Kulturkampfes funktioniert, scheint modellhaft für die gesamte Gesellschaft. Ein Erfolgsmodell ist es allemal. Unaufhörlich steigen Sportfreunde Stiller auf – bis 2005 ist eigentlich jedes Jahr ein Erfolg, der den vorangegangenen toppt, und 2006, die Musik, die Leidenschaft und der Fußball schließen einen Pakt, die Band wird geherzt und gefeiert, ihr Hit „54,74,90,2006“ ist der Hit – muss man von einer Art Zenit sprechen. Im August 2007 ist „La Bum“ die Antwort auf die Frage, wie die Musiker ihr neues, großes Publikum zu bedienen gedenken, wie sie sich sehen, und was sie mit jenen Fans machen, die immer die „alten Scheiben“ am liebsten hören.
Sportfreunde Stiller - „So wie einst Real Madrid“
Apropos „alte Scheiben“: nach zwei EPs geistert der Name der Band schon eine ganze Weile durch den deutschen Wald, als 2000 „So wie einst Real Madrid“ auf den Markt kommt. Heute muss man sich fragen, ob es jemals ungewöhnlich gewesen ist, dass in Deutschland deutschsprachige Rock-/Pop-Musik gespielt wird. Zu dieser Zeit und in dem Jahrzehnt davor und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends gibt es jedenfalls einen großen Markt deutschsprachiger Combos. Diese Kombination allerdings ist recht eigenwillig. Die Sportfreunde können albern, kitschig, nachdenklich, schmerzfrei, bayerntümelnd – und fußballerisch. Die Tracks bestechen durch eine knackige Direktheit, einen Mangel an Gitarrensoli und überflüssigem Gerümpel. Die Sportfreunde Stiller bieten einen Bauchladen voll guter Ideen für alle, die den Singsang des Frontmannes mögen. Dieser gemahnt doch sehr an das Motto dessen, was einmal „Hamburger Schule“ genannt worden ist: „der Text ist alles, hört nicht auf die Stimme, ihr Spießer“. Dabei kann man hier nicht gerade von branchenüblicher Monotonie sprechen, die das Ohr an den Text zwingt, der im Übrigen klar ist, kaum verschlüsselt und deutlich zu verstehen – Sportfreunde Stiller probieren sich aus. Hier ein Rockstück, dort eine Ballade, hier ein „Heimatlied“, das dort zu Gänsehäuten führt, mal eine Fußballreminiszenz und alles und immer mit dem klar erkennbaren Sportfreunde-Stiller-Klang. Die Texte sind zu albern, um kitschig zu sein, die Bandmitglieder geben sich zu frei, um festgenagelt zu werden.
Sportfreunde Stiller - „Die gute Seite“
Eine gute Sachen, ein bewährtes Konzept, das auch „Die gute Seite“ zugrunde liegt. 2002 kommt die zweite CD auf den Markt. Im Rückblick ist sie lediglich ein Schritt auf dem langen Weg, allerdings ein recht großer, was den Schritt an die Spitze der Charts angeht. Es geht noch nicht ganz hinauf, allerdings bleibt das Video zu „Ein Kompliment“ mit den seinerzeit großen „Echt“ im Gedächtnis, der deutliche Fußballbezug fehlt etwas, man beginnt schon, gesellschaftskritische Passagen in den Texten zu finden …
Sportfreunde Stiller - „Burli“
… es folgt Burli 2004 mit zwei Tracks, die den meisten noch heute aufgrund ihrer melodiösen Eingängigkeit im Ohr klingen dürften: der (manchen recht unangenehme) Ohrwurm „Siehst du das genauso?“ und „Ich, Roque“, ein spaßiges Spiel mit dem Fußballspieler Roque Santa Cruz (seinerzeit Bayern München), der die Minderheit achtende und damit hochdemokratische Ausgleichstrack für das Lied über den Fußballspieler Benjamin Lauth (seinerzeit 1860 München). Burli landet auf Platz 2 der Charts, das schwierige dritte Album ist der bis dahin größte Erfolg. Auch in Österreich sind die Sportfreunde Stiller bereits seit dem Vorgänger etabliert, München dankt seinen Söhnen mit einer komplett gefüllten Olympiahalle. Die Musiker bleiben recht verlässlich bei ihren Leisten. Sie sind auf der Bühne gut, spielen druckvoll und vermitteln Spaß bei der Arbeit. Es gibt vorsichtige Solo-Ansätze und aufgrund des Erfolges ein Live-Album zur Tour, außerdem Live-Auftritte unter neuen, lustigen Fußballernamen.
Sportfreunde Stiller - You Have To Win Zweikampf”
Im großen Jahr für Nationalmannschaftsfußballerliebhaber liefern die Sportfreunde Stiller ein Konzeptalbum ab. Das ist der große Wurf. Es sei daran erinnert, dass das gesamte Weltfußballfachpersonal fest mit einer gnadenlosen Niederlage der bundesrepublikanischen Elf plante, die Verantwortlichen Trainer mit jedem Tag härter anging, es gab einen Matthäusplan und eine Fehlentscheidung Kahn. Die Herren Sportfreunde hingegen rechneten mit dem Titel – und zwar bereits eine ganze Weile, wie ihr Album „You Have To Win Zweikampf“ beweist: 11 Fußballsongs. Das Lied „54,74,90,2006“ hatte höchstens einen Skurrilitätswert, das Brugger und Co. neben den „Großen“, den vorsichtig patriotischen Herren Pessimisten anspielen durften, wurde in der Gruppenphase – ungefähr mit dem Tor von Olivier Neuville – zu einem Megahit und dann in der KO-Runde mit zunehmender Fassungslosigkeit von mehreren 10 Millionen Menschen geträllert. Es wäre interessant, zu wissen, wie sich die GEMA in diesem Fall gegenüber der Band verhalten hat.
Kluge Jungs, diese Sportfreunde, die sich in „You Have To Win Zweikampf“ einem Thema gewidmet haben, von dem sie Ahnung haben – wirklich Ahnung. Sie sind nicht einfach aufgesprungen, sondern haben ihren Anteil daran, dass der Zug so abgefahren ist, wie er abgefahren ist. Ähnlich verhält es sich mit Martin Sonneborn, der die WM erst nach Deutschland geholt hat. Sie springen nicht auf, sondern leben den Hype – sie sind die enthusiastische Masse.
Sportfreunde Stiller - „La Bum“
Unter diesen Aspekten darf als verständlich angesehen werden, dass der eine oder andere Berufspessimist den Sportfreunden Schwierigkeiten bei der Konzeption des Nachfolgeprojektes attestiert. Spannend ist allemal die Frage, in welche Richtung sie sich zu bewegen gedenken. Die Antwort: sie lassen die Fußballsache ein zweites Mal außen vor. Und: Sie machen weiter ihr Ding. Alles Roger, die erste Single aus La Bum, ist ein klarer Fetenhit, etwas blöd gereimt und zum mitgrölen. Es wird gerumpelt und geschwoft, man kann hören, dass etwas Neues begonnen hat und muss dafür nicht zwischen den Zeilen lesen. Es geht um Liebe, um Abschied und Dank. Freundschaft. ![]() CD Reviews von Sportfreunde Stiller findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von Sportfreunde Stiller bietet lyrix.at |
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