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Wir müssen uns langsam entscheiden, wie wir die Zeit von 2003 bis 2005, in der sich eine Vielzahl neuer potentieller Stadionrockformationen anbietet, abschließend bewerten. Sugarplum Fairy ist geradezu das Muster einer Band aus jenen Jahren, die voller Hoffnung besprochen wird, erstaunlich selbstsicher auftritt, sich recht gelenk durch die Popmusik zitiert, eine durchaus massen- bzw. publikumsfreundliche Entwicklung nimmt – dann allerdings an dem Nadelöhr, das jene, die zu den neuen Megastars gezählt werden, von denen trennt, die es zumindest versucht haben, hängenbleibt. Zumindest vorerst. Ganz gerade und vollkommen verlaufen solche Wege nie, sie sind lediglich begrenzt planbar – und dann gibt es wieder Fälle, die komplett andere Rückschlüsse zulassen …
Sugarplum Fairy kommt aus Borlänge, einer kleinen Stadt aus Schweden, Victor und Carl Noréns älterer Bruder Gustaf ist Mitglied von Mando Diao, einer Band, die es in Kontinentaleuropa zu dauerhafter, ungeheuerlicher Popularität bringt. Das ist natürlich eine Spezialsituation, die einige besondere Begleitumstände für die Musiker zur Folge hat. So wird Sugarplum Fairy natürlich früh bereits besprochen, bekommt sicher mehr Aufmerksamkeit als andere Bands, wird allerdings immer im Zusammenhang mit Mando Diao gelesen – wobei es den Fans oder Sugarplum Fairy oder irgendwelchen Multiplikatoren eine Weile durchaus gelingt, Sugarplum Fairy als eigenständige Größe zu sehen. Spannend ist, dass Sugarplum Fairy einen ungeheuerlichen Popularitätseinbruch erleidet, kurz bevor Mando Diao Anfang 2009 den letzten Schritt an einige, nicht ganz unwichtige Chartspitzen (etwa die deutsche) macht.
Sugarplum Fairy – Young & Armed
Victor Norén, Carl Norén und Kristian Gidlund gründen, kaum Teenager, Sugarplum Fairy 1998, später ergänzen David Herbert und Jonas Karlsson die Besetzung. Damit gibt es Sugarplum Fairy, wenn man so will, einige Monate länger als Mando Diao – Mando Diao geht 1999 aus einer anders benannten Formation hervor. Es folgen Jahre der Suche. Man covert Oasis, versucht sich auch an Hip-Hop, übt im Elternhaus von Kristian Gidlund, fällt durch amüsante Großmäuligkeit auf und setzt am Ende, da beißt die Maus keinen Faden ab, auf den von Mando Diao ausgetretenen Pfad. Es sind ähnliche Sprüche, ähnliche Klamotten, die Musik ist absolut vergleichbar. Es ist kein Zufall, dass Sugarplum Fairy einen Majordeal (was auch immer damit heutzutage gemeint ist) macht, ohne ein Demo aufgenommen zu haben.
The Beatles und The Rolling Stones, etwas modernisierte Pilzköpfe und Lederjacken, darunter macht es Sugarplum Fairy nicht. Der Name ein John-Lennon-Zitat, im Dezember 2004 ist in Deutschland mit „Stay Young“ eine erste EP erhältlich (erst im Januar darauf wird Mando Diaos zweites Album veröffentlicht, der Einstieg in die deutschen Charts – allerdings kursiert der Name Mando Diao eine Weile schon durch gänzlich unterschiedliche Medien). Sugarplum Fairy ist im Vorprogramm von Mando Diao unterwegs, das erste Album „Young & Armed“ gibt es Anfang 2005. Die Band wird durchweg positiv besprochen, wirkt britischer als die Großer-Bruder-Band; ist Mando Diao auf dem Gebiet schon ziemlich weit, haben wir hier die perfekten Posterboys.
Sugarplum Fairy – First Round First Minute
Sie sind flott, die Schweden. Anfang 2006 wird neues Liedmaterial vorgestellt. Sugarplum Fairy bietet sauber gearbeitete Ware, treibende Popsongs, juvenile Leidenschaft, zum vergnügten Jauchzen animierende Live-Darbietungen und Mut zur Rockballade. Das Album „First Round First Minute“ gibt es ab Sommer 2006. Wer Neugierig ist, macht nichts falsch, wenn er seine Neugierde zunächst mit „First Round First Minute“ befriedigt. Sugarplum Fairy tourt weiter, Victor ist derjenige der Norén-Brüder, der den jungen Mick Jagger in „Das wilde Leben“ (Uschi-Obermaier-Biopic) darstellt. Das macht er gut. Nach durchaus angemessenen 24 und ein paar Monaten stellt die Band, inzwischen Gast auf diversen Festivals, „The Wild One“ vor.
Sugarplum Fairy – The Wild One
Sugarplum Fairy feiert das 10jährige, benennt das Album nach einem Film mit dem jungen Marlon Brando (eigentlich „The Wild One“), nimmt es in Hamburg und Malaga auf, dreht ein Video am Wannsee („Never Thought I´d Say That It´s alright“), tourt ausgiebig durch Deutschland, ist durch und durch gefällig und räumt trotzdem nicht entsprechend ab. Komische Popmusikwelt, richtig logisch ist die nicht. Das wiederum ist beruhigend. surftippsCD Reviews von Sugarplum Fairy findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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