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Tarkan ist sicherlich der bekannteste türkischsprachige Popstar der 90er Jahre. In der Türkei ist er bereits ein großer Star, als ihm Sezen Aksu mit „Şımarık“ (1999) den großen Hit verschafft, der ihm den endgültigen internationalen Durchbruch bringt … Das Lied ist genial, wartet mit arabesken Motiven und Popklischees auf, die in zwei Küsschen im Refrain gipfeln, die sich jedem Hörer unauslöschlich einbrennen. „Şımarık“ erobert sehr unterschiedliche Märkte, und es sind längst nicht die türkischen Communities, die diesen Erfolg tragen, denen ist oft ihr alter, junger Tarkan aus den frühen 90ern wesentlich lieber. Dieses Lied jedoch erreicht Hörer in Nordamerika, in Skandinavien, Russland und überall dort, wo MTV noch vertreten ist, kaum drei Jahre später covert das One-Hit-Wonder Holly Valance „Şımarık“ als „Kiss Kiss“, die Chartplatzierungen Tarkans werden in etlichen Ländern getoppt, auch weil die Sängerin das Lied im Video zeitweise splitterfasernackt vorträgt.
Tarkan Tevetoğlu, um den geht es hier, wird 1972 im Rheinhessischen Alzey in eine mit Kindern reich beschenkte Familie geboren. Er, der zweitkleinste, das fünfte Kind, zeichnet sich früh als Entertainer aus, er singt gerne und viel, von den Eltern wird seine musikalische Ausbildung gefördert. Tarkan studiert klassische türkische Musik, die Familie lebt ab Mitte der 80er Jahre wieder in der Türkei, nach sehr inspirierenden Lehrjahren will dann allerdings zunächst die Karriere nicht richtig in Fahrt kommen. Der Musiker spielt bereits mit dem Gedanken, etwas anderes zu machen und mit seiner Familie zurück nach Deutschland zu gehen, da lernt er Mehmet Söğütoğlu, den Produzenten und Besitzer des Labels Istanbul Plak, kennen, der nimmt ihn unter Vertrag und arbeitet 1991 und 1992 mit ihm an dem Debütalbum.
Man spricht von 700.000 bis 1.000.000 Exemplaren, die von „Yine Sensiz“ ab 1992 in der Türkei verkauft werden, Tarkan ist schnell ein Popstar, das großartige Frühwerk ist dann allerdings „A-acayipsin“ 1994. Sezen Aksu ist an dem Werk maßgeblich beteiligt, auch die Gewinnerin des Eurovision Song Contest von 2003, Sertab Erener, singt mit Tarkan, der nun in ganz Europa Alben verkauft und seine Hörerschaft in der Türkei kurz mal verdoppelt. Lieder wie „Şeytan Azapta“ und „Hepsi Senin Mi?“ dürften den meisten schon einmal untergekommen sein. Der Musiker begibt sich auf große Tournee, zieht durch Europa und nach New York, Ahmet Ertegun, der Mitbegründer von Atlantic Records, in dessen Andenken Led Zeppelin Ende 2007 noch einmal in London zusammenfindet, nimmt den Musiker unter seine einflussreichen Fittiche.
Tarkan – Ölürüm Sana
„Ölürüm Sana“ erscheint 1997, und damit ist „Şımarık“ auf dem Markt, also „Kiss Kiss“, der Megahit von Tarkan, die Hallen, die er füllt, werden größer, inzwischen tritt er tiefer in Asien, in Südamerika und Nordafrika auf. International durch die Decke geht „Şımarık“, nachdem die Single im Rahmen der Hit-Zusammenstellung „Tarkan“ 1999 noch einmal veröffentlicht wird, der Musiker gibt Benefizkonzerte in Istanbul für Erdbebenopfer, es folgt die Posse um den Wehrdienst des Künstlers. Tarkan sieht sich wiederholt im Mittelpunkt öffentlich und erregt geführter Diskussionen, der Stress mit der Militärverwaltung und die letztendlich sehr starke Reduzierung des Wehrdienstes auf einen Monat ist eine davon, die vermeintliche Abwendung von seinen musikalischen Wurzeln hin zu internationalem, vermeintlich belanglosem Pop eine andere, eine dritte, sehr kuriose, ist die Debatte über Tarkans sexuelle Ausrichtung (ist er nun homosexuell oder nicht?), bei der die üblichen Experten aufeinander prallen: die einen wissen von einer langjährigen, aber heimlich geführten heterosexuellen Beziehung, die anderen sehen dem Musiker die Homosexualität an der Nasenspitze an. Der Vertrieb eines vermeintlichen Enthüllungsbuches Aysun Yüksels, der zur zweiten Expertengruppe gehört, wird sogar richterlich unterbunden.
„Karma“ ist 2001 das nächste Album, das zweite nach dem internationalen Durchbruch, ein letzter Millionenseller für den Künstler, dem viele Kritiker vorhalten, sich dem internationalen Markt zu sehr anzubiedern. Den Fans gefällt das Werk überwiegend, das bis hierhin erfolgreichste WM-Turnier einer türkischen Fußballnationalelf wird – selbstredend – 2002 von Tarkan musikalisch begleitet, das türkische Tourismusministerium lässt Werbevideos drehen, natürlich unterlegt von der Musik des Stars, der Musiker geht, einem erfolgreichen Unternehmer seines Kalibers entsprechend, etliche Werbekooperationen ein und führt ein eigenes Label (Hit Müzik).
2003 folgt „Dudu“, das Album wird in Deutschland nicht offiziell verlegt, insgesamt gehen die Verkaufszahlen merklich in die Knie, was sich in der gesamten Popmusikindustrie beobachten lässt. Im April 2006 debütiert Tarkan für Universal Music auf Englisch, „Come Closer“ heißt das Ergebnus. An der Produktion ist Lester Mendez beteiligt, der bereits an Shakiras Wandel hin zu einem englisch singenden Topstar beteiligt ist, in diesem Fall klappt das ganze nicht so gut wie vielleicht von einigen erhofft. In Deutschland wird „Bounce“ immerhin zur zweiterfolgreichsten Single des Künstlers bis hierhin.
Tarkan selbst scheint nicht ganz so zufrieden mit dem Ergebnis, schließlich nennt er das nächste, das Album, das in Deutschland im Februar 2008 veröffentlicht wird, „Metamorfoz“. Eigentlich verändert er sich nicht allzu sehr, Tarkan geht einen Schritt zurück und knüpft da an, wo er mit „Dudu“ aufgehört hat. surftippsCD Reviews von Tarkan findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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