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The Hives


Große Fresse, energiegeladener (Garage-)Rock: das sind The Hives, hübsch in Anzügen uniformiert, die dem fast vergessenen Style der Mods in den 60ern entlehnt sind. Musik für Zappelphilipps, ein Frontmann, der sich mit seinen Bewegungsabläufen den Leuten vor der Bühne zu verbrüdern scheint, es jedoch ganz offensichtlich genießt, ein gutes Stück über ihnen zu stehen. Musik von The Hives macht Spaß und kaputt. Oft wird modernen Rockbands ja angelastet, sie wären zu steif und introvertiert – das trifft auf diese Jungs in keinem Fall zu. Sie sind laut, halten sich für die Größten und haben sich so unangreifbar einen festen Platz unter den so vielen schwedischen Rockexporten geschaffen.

 

Ihre Wurzeln hat die Gruppe in dem Provinznest Fagersta, irgendwo in Zentralschweden. Die Brüder Howlin´ Pelle Almqvist und Nicholaus Arson (geb. Almqvist) begründen mit The Hives 1993 gleichzeitig die Legende ihres sagenumwobenen genialischen Produzenten Randy Fitzsimmons (nebenbei ein Pseudonym von Arson). Dieser Mann ist Geldgeber, Songwriter und Promoter in Personalunion, bestimmt den Style und ist die Schattengestalt, die die Band zusammenstellt und ihren Weg bestimmt. Ein Phantasieförderer. Niedlich, oder?

 

Während Howlin´ Pelle verblüffende Ähnlichkeit mit dem irren Malcolm McDowell in A Clockwork Orange hat, steht Arson nicht minder bekloppt, den Oberkörper ständig in Bewegung, während der Auftritte meist breitbeinig auf einem festen Fleck. Howlin´ Pelle beherrscht unglaublich viele dieser seit Jahrzehnten aus dem Fernsehen verbannten Gesten. Er winkt bescheuert, grüßt übertrieben heiter, hält das Mikrofon gern am Kabelansatz oder schleudert es ein wenig durch die Gegend. Es spricht für die ausgewogene Zusammensetzung der Band, dass die anderen Mitglieder dabei keinesfalls untergehen.

 

Beim Gitarristen Vigilante Carlström ist erstaunlich, wie er seine doch recht massige Gestalt bewahrt, seine kleine Tolle wippt permanent. Er, Arson und der Bassist Dr. Matt Destruction sind lange Schnauzbartträger. Nicht so Chris Dangerous am Schlagzeug, der hinter seinen vergleichsweise popeligen Instrumenten noch die beste 60er-Imitation ist.

 

Selbst bringt sich das grundsätzlich in Schwarz und Weiß gekleidete Quintett auf Geheiß Fitzsimmons das Spiel mit den Instrumenten bei und gibt die ersten Konzerte. Verblüffend ist die mit jedem einzelnen Track übertragene, druckvolle Energie. Es gibt Leute, denen die Arbeit, in Form eines Albums, etwas zu eindimensional wirkt. Live jedoch ist die Band voll und ganz überzeugend. Darauf bilden sich die Musiker auch schnell etwas ein, bezeichnen sich selbst – ähnlich wie Die Ärzte – als beste Band der Welt.

 

1996 erscheint die erste EP, 1997 das erste Album „Barely Legal“, kaum länger als eine EP auf Burning Heart Records. Ein kurzes, immerhin 14 Stücke langes Prachtstück, gerade mal volljährig geben die Musiker alles, was das noch jugendliche Herz begehrt. Ihren Stil perfektionieren sie tapfer bei einer Vielzahl von Live-Konzerten.

 

Hier liegt das Geheimnis der schwedischen Rockgruppen. Sie reifen in Skandinavien, werden international als fertige Bands bekannt und als Newcomer gefeiert. Teile von diesem und dem nächsten Album, außerdem von der 98er EP „a.k.a. I-D-I-O-T“ erscheinen ab 2001 in England, später international als Album bzw. Kompilation „Your New Favourite Band“. Kaum in „Alternative“-Kreisen bekannt, geben sie bereits, wenn man es genau nimmt, ein erstes Best-Of-Album heraus, zeigen sich, in Titel, Ausdruck und Auftreten mit einem bärenhaften Selbstvertrauen.

 

The Hives - Veni Vidi Vicious

 

„Veni Vidi Vicious“ erscheint das erste Mal im April 2000, muss dann 2002 neu aufgelegt werden, weil immer mehr Leute die Musik auch zum Mitnehmen haben möchten. Viele, die die Gruppe in dieser Zeit kennenlernen, möchten sie für alle Zeiten genau so haben – und halten The Hives für so am allerbesten, wie sie auf diesem Album sind; am besten in der Liedfolge „Die, Allright!“, „A Get Together To Tear It Apart“, „Outsmarted“ – mit dem Rest dahinter. Das Ding ist unglaublich gut, vor allen Dingen auch, weil die Prinzipien der Gruppe überschaubar sind. Mit – scheinbar zumindest – ganz simplen Mitteln wird– ganz offensichtlich – unglaublich variantenreich gearbeitet. Und höchst humorvoll.

 

Als wären irgendwelche Jungens aus der traurigen Generation der 90er-Jahre-Punks in den Proberaum einer beschissenen Oldietruppe eingestiegen und hätte das unscheinbare wie übermäßig wertvolle Equipment einmal richtig glücklich gemacht. The Hives touren mit dem Material durch Nordamerika und Resteuropa. Es gibt ein bisschen Ärger mit dem Burning Heart, weil The Hive bei Interscope bzw. Universal unterschreiben, während Burning Heart darauf besteht, dass „Your New Favourite Band“ als Best-Of-Album kein vollwertiges Album ist und das Recht darauf zu haben glaubt, die Band an ein Majorlabel eigener Wahl zu verscheuern – und verliert.

 

The Hives - Tyrannosaurus Hives

 

Im Sommer 2004 erscheint „Tyrannosaurus Hives“. Ungewöhnlich viel Zeit liegt zwischen dem Album und seinem Vorgänger. The Hives bleiben auch bei dieser Produktion unter 30 Minuten, viel wagen sie nicht, sondern spielen ihr Ding weiter. „Walk Idiot Walk“ und „Two-Timing Touch And Broken Bones“ werden als Singles ausgekoppelt, MTV spielt die Musik und der Dallas-Star Larry Hagman erklärt sich zum Fan. Das stört alles viele der europäischen Plattensammler und Festival-Geher. The Hives werden zum Hype, die Begeisterung in der „Szene“ lässt nach. Egal.

 

Dabei bleibt sich die Band recht treu. Selbst der Titel steht in würdiger Folge den anderen Alben in nichts nach. Eigentlich beinhaltet das Album sogar weniger Hits, so sehr sind die Musiker bedacht, ihren Stil beizubehalten. Allein „Diabolic Scheme“ schert ein wenig aus, wirkt, als hätte jemand einen James-Bond-Track fertig gestellt und dann einem Trottel eine E-Gitarre umgehängt, und ihn damit vor ein Mikro gestellt. Toll. Ihren recht speziellen Humor (der erste Track nennt sich „Abra Cadaver“) bleibt furztrocken, sonst bedient man sich wie schon zuvor in den 60ern als Punks.

 

The Hives - The Black And White Album

 

Der Schritt zum nächsten Album ist weitaus größer. 2007 nutzt erst Timbaland The Hives für seine „Shock Value“-Sammlung mit der gemeinsamen Single „Throw It On Me“. Im Herbst erscheint schließlich „The Black And White Album“. Vor allem Almqvist wirkt wie ausgetauscht. Er quiekt, schreit, singt hoch und zeigt sich nur selten in alter Konsequenz, die erste Single geht an Nike. Das Album ist verspielt zusammengesetzt, zitiert an jeder Ecke amerikanische Funpunk-Bands, setzt ungewöhnlich übermäßig auf die Mitgrölnummer, Geschunkel, es gibt Gitarrensoli, Chorgesang und jede Menge Material für Surfer.

 

Das Paket ist mutig, Pharrell Williams hat als Produzent mitgewirkt und den Laden umgekrempelt. Längst nicht jedes Lied geht auf seine Kappe, da ist auch jede Menge freier Musikerwille bei. Zweifellos kann das der Weg sein, über den sich die Band zu neuer Popularität mausert. Nörglern haben es die Musiker recht leicht gemacht, Abschied zu nehmen.





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Kostenlose Songtexte von The hives bietet lyrix.at

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