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The Rolling Stones
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Ja, die Rolling Stones – eine traurige Geschichte. Zumindest für den, der sie kurz porträtieren soll. The Rolling Stones, eherne Denkmäler der Populärkultur, sind einfach zu sorgfältig seziert. Wenn etwas den Ruf als größte Rockband der Erde rechtfertigt, dann das Bemühen der Rolling Stones Fans, alles über die Band, die Mitglieder und weit darüber hinaus, also über Verwandte, Menschen, die die Musiker getroffen haben, Marktstrategien, Filmografien, dramatische Schicksale usw. zusammenzutragen. Es gibt eine unübersehbare Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten über die Rolling Stones, die wiederum vielen Sammlern sehr unterschiedliche Lebensaufgaben bietet.

 

Die Liebe der Rolling Stones-Anhänger ist beeindruckend. Wie sich die Band das verdient? Das ist eine gute Frage. Die wichtigen Leistungen sind lange erbracht, vielleicht ist ihre fortlaufende Existenz oder die Androhung des nahenden Endes für viele Antrieb genug, sich zu einem weiteren CD-Kauf oder Konzertbesuch aufzuraffen. Vielleicht ist es auch die Macht der Exklusivität; The Rolling Stones beherrschen ihren Markt einzigartig, führen in allen Belangen eine konsequente Hochpreispolitik. Nichts wird verramscht. Den Rolling Stones Fans, ihrer Liebe, wird nicht die Freude eines ausreichend zusammengestellten Lebenswerkes gewährt, ein guter Überblick über das Oeuvre ist Kennzeichen großen Fleißes.

 

Wer sich Zeit nehmen möchte, The Rolling Stones einmal genau kennenlernen will, der ist hier an der falschen Stelle. Wir können und wollen nur ein stark auf das Wesentliche beschränktes Rolling Stones Porträt liefern.

 

Die Band Rolling Stones

 

Das bekannteste Gesicht der Rolling Stones ist der Sänger Mick Jagger, Jahrgang 1943, aus Dartford, im Großraum London. Er ist mit Keith Richards (ihm verblüffend ähnlich, selber Jahrgang, selbes Kaff, bekannt dadurch, dass er, in die Jahre gekommen, ab und zu von Palmen und Bibliotheksleitern stürzt) das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Stones. Das schmälert nicht die Authentizität der heute so alten Band Rolling Stones – jeder Musiker der aktuell offiziellen Besetzung ist mehr als 30 Jahre Teil der Formation.

 

Natürlich hat die Band Rolling Stones ihre Legende, sie heißt Brian Jones, ein – so heißt es – genialer Gitarrist, ein Multiinstrumentalist, der als charismatischer Kopf durchaus mit Jagger und Richards zu konkurrieren weiß, dann allerdings derart den durchgeknallten, drogenabhängigen Hippie gibt, dass ihm im Sommer 1969 die Mitgliedschaft in der Band Rolling Stones aufgekündigt wird. Wenige Wochen danach liegt er ersoffen in seinem Pool. Jones ist ein Mythos, ein Fixstern für viele Musikerkollegen, wobei die Geschichten um die Band aus jener Zeit dermaßen durchtränkt sind von Drogengeschichten, dass es verwunderlich ist, dass wir die beiden verbliebenen Männer noch live erleben können.

 

The Rolling Stones haben lange bereits ihren Schrecken verloren, den sie irgendwann einmal in reaktionären Kreisen verbreitet haben mögen. Dazu gehört nicht nur der offensichtliche Drogenkonsum, sondern auch der Satte Marktanteil im Musikgeschäft, den die Rolling Stones erobert (zeitweise muss es gewirkt haben, als teilten sich die Stones die Popwelt mit den ebenfalls aus England stammenden Beatles), die vielen Affären, die Mick Jagger zu einer Legende werden lassen, seine Androgynie, er ist eine zierliche Gestalt, die mit Geschlechterrollenverständnissen spielt (sehr schön in dem Video zu „(You Gotta Walk) Don´t Look Back“ mit Peter Tosh zu sehen), sein Körperverständnis (ihn gibt es – zeittypisch – auch nackt) sind nur die markantesten Gründe für das Fundament, auf das die Rolling Stones bauen (lässt man mal die Musik außen vor). Heute redet man von diesen „It-Girls“, deren Berühmtheit sich auf keine einfach zu entschlüsselnde Fähigkeit fußt, als gäbe es sie erst seit vorgestern. Das ist eigentlich ein alter Hut. Die Bekanntheit Uschi Obermeiers beruht zu einem guten Teil darauf, dass sie zwischen Richards und Jagger wählen konnte.

 

Kurz nach der Gründung der Rolling Stones 1962 wird der Bassist Bill Wyman aufgenommen, ein ausgewiesener Bluesfachmann, der den Rolling Stones bis 1993 angehört und anschließend – wie auch zwischendurch immer wieder (bei den berühmten London Sessions mit Howlin´Wolf) – sich selbstbestimmten Leidenschaften widmet. Der Schlagzeuger Charlie Watts gehört der Gruppe seit 1963 an. Der älteste Mann im Team sitzt bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert hinterm Schlagzeug. Das Küken der Stones ist Ron Wood, Jahrgang 1947. Er ersetzt 1975 den Gitarristen Mick Taylor, der der Band seit dem Ausschluss von Brian Jones angehört – man munkelt, dass ihm der starke Drogenkonsum und die Tantiemenpolitik der Band, die nahezu völlig auf Richards und Jagger zugeschnitten ist, nicht passen. Wood verdient sich seine Meriten an der Seite von Rod Stewart bei den Faces (zuvor und nach ihm als Small Faces legendär).

 

Rolling Stones - Veröffentlichungen

 

Im Sommer 1962 hat Rolling Stones einen ersten, heute natürlich entscheidenden Auftritt im Marquee Club in London. The Rolling Stones erarbeiten sich ihr Publikum, ihren ersten Plattenvertrag, ihren guten Ruf als Live-Band. Letzterer ist bereits früh wohl kalkulierte Managemententscheidung. Die Band soll als anarchische Rockvariante den Fans ein Gegenangebot zu den doch etwas braven Beatles bieten. 1963 gibt es den ersten Plattenvertrag, im Februar 1964 folgt der erste Rolling Stones Top-10-Hit in England, das Buddy Holly-Cover „Not Fade Away“, im Juni mit „It´s All Over Now“ (Bobby Womack) der erste Platz in den Single-Charts der Heimat. Noch spielen die Rolling Stones vorwiegend Coverversionen, die Veröffentlichungspolitik in den ersten Jahren ist interessant, die erste veröffentlichte Eigenkomposition wird unter Autorenpseudonymen herausgegeben, die Hörer in den USA und in England sollen ihren Bedürfnissen entsprechend bedient werden, was sehr unterschiedliche Single-Veröffentlichungen und Albenvarianten zur Folge hat; ein Segen für Sammler …

 

Das erste Album „The Rolling Stones“ erscheint in England im April 1964, mit „As Tears Go By“ (Jagger/Richards) hat Marianne Faithfull in England einen Top-10-Hit in England. „(I Can´t Get No) Satisfaction“ (1965) ist die erste Rolling Stones Single, die auch in den USA ganz oben in den Charts einschlägt, längst nicht die letzte: es folgen „Get Off Of My Cloud“ (1965), „Paint It, Black“ (1966) und „Honky Tonk Women“ (1969). Großartige Lieder wie „Brown Sugar“ und „Angie“, „Jumpin´Jack Flash“, „Le´s Spend The Night Together“,„Ruby Tuesday“, “Sympathy For The Devil” (ungeordnet) und viele weitere Hits vergäße man, zählte man nur die absoluten Topplatzierungen in den Charts.

 

„Beggars Banquet“ (1968) ist ein wichtiges Album für den Legendenstatus der Rolling Stones, Allen Klein wird der neue Manager, und zwar einer, der den Musikern den ihnen unbedingt notwendigen künstlerischen Freiraum gewährt - und sie danach richtig schön über den Tisch zieht. Im Dezember 1969 wird ein 18jährigern von einem Hells Angels, von denen, die als Security angestellt sind, während eines Konzertes erstochen. Eine Dummheit, die Idioten als Sicherheitspersonal anzustellen.

 

Anfang der 70er wird das eigene Label Rolling Stones als Sublabel von Atlantic Records gegründet. „Sticky Fingers“, das erste Album, ist nicht nur aus Markengesichtspunkten das vielleicht wichtigste Album der Rolling Stones – Warhol gestaltet das Cover, das Logo wird eingeführt – auch für die Radioprogramme der 70er, 80er und 90er bietet es jede Menge Stoff. Die Geschäftsfelder der Musiker nehmen in ihrer Anzahl zu. Als Teil der High Society wandeln sie durch die Gazetten, Mick Jagger wird zunehmend als Schauspieler gebucht, die Musiker beginnen, verstärkt über Solokarrieren zu einem individuellen Stil zu finden. Die 70er und 80er Jahre sind Gift für den altertümlichen Klang der Rolling Stones, trotzdem wird zumindest in den 70ern noch fleißig weiterproduziert.

 

In den 80ern scheint jedoch alles auf ein Ende in ziemlichem Unfrieden zuzulaufen. Jagger und Richards scheinen sich nicht mehr grün zu sein, wollen nicht gemeinsam touren, es gibt einen Grammy für das Lebenswerk, der Abgesang hat begonnen.

 

Mit „Steel Wheels“ beginnt 1989 eine neue Epoche in der Rolling Stones Bandgeschichte. Als Dinosaurier gehen die Rolling Stones Musiker um die Erde, eine gigantische Tour zum Album ist ein Beginn, obwohl schon damals sicherlich viele Fans die Stadien aufsuchen, weil sie sich sicher sind, eine letzte, gnädige Chance dazu ergattert zu haben. Man kann The Rolling Stones nicht vorwerfen, unbeweglich im Alten zu verharren, gleichzeitig bleiben sie sich treu. „Voodoo Lounge“ etwa ist eine Gratwanderung, wie sie noch selten gelungen ist, „Bridges To Babylon“ die ungleich kompliziertere Fortsetzung einer solchen Gratwanderung. „Anybody Seen My Baby“ ist hierfür nur das schönste Beispiel.

 

Inzwischen sind wir mit den Rolling Stones an einem Punkt angelangt, an dem eigentlich nicht mehr viel passieren kann. Die, die es brauchen, werden sich schon mehrfach von ihren Idolen verabschiedet haben. Jede weitere Gelegenheit ist ein Geschenk. Ganz offensichtlich nehmen es Jagger, Richards, Wood und Watts ähnlich sportlich. In einem inzwischen verständlich bedächtigen Rhythmus folgen Studio- auf Live-Alben, zwischendurch gibt es Kompilationen mit Raritäten oder eine Best-Of für alle, die nicht richtig drinstecken im Thema, 2007 sogar die Neuauflage eines alten Best-Of-Albums – das muss man erst einmal hinbiegen …


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