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The VerveGeht es The Verve, wird es oft bedeutungsschwer. Die Band kann es hymnisch, sinfonisch, sensibel, aggressiv, klaustrophobisch … für die nicht selten sehr aufwändigen Lieder der Band verheben sich oft jene begeisterten Hörer, die beim Lauschen das Sprechen nicht sein lassen können. Es gibt diese tollen und sehr wichtigen Ranglisten der wichtigsten Bands/ Alben/ Songs aller Zeiten, The Verve ist meist vorne mit dabei – zumindest dort, wo englischer Gitarrenpop der 90er als das Nonplusultra der Musikgeschichte angesehen wird.
Dreh- und Angelpunkt ist Richard Ashcroft, ein sehr ernster Typ, ein Künstler, der bereits weiß, wo er hin will, als er eigentlich noch auf das Wichtige im Leben vorbereitet wird. Ashcroft ist ein Typ voll Pathos und Arroganz, der mit The Verve die großen Themen behandelt, den Hörern ein kaum etwas aussparendes Programm bietet, vom passenden Titel zum Heiratsantrag über alle möglichen grundsätzlichen Antworten zum Selbst, zur Gesellschaft bis hin zum Tod. The Verve ist ein umfassender Dienstleister.
Wenn eine Singles-Collection (nach einem Lied) „This Is Music“ betitelt ist, ist eigentlich alles gesagt. Viele The Verve-Fans sind – ihrem Idol gleich – gerne ebenfalls absolut in ihren Aussagen, so ist seit 1997 immer wieder zu lesen und zu hören, dass mit dem Album „Urban Hymns“ die Band nicht allein sich (vorerst) verabschiedet habe, sondern gleich die Geschichte der Popmusik zu einem Abschluss gekommen sei.
The Verve wird als Verve 1989 in Wigan, in der Nähe von Manchester gegründet. Ashcroft, Jahrgang 1971, ein hoffnungsvoller Fußballer, zumindest ein großer Manchester United-Fan, gründet die Band mit Schulfreunden, dem Bassisten Simon Jones (in Liverpool geboren) und dem Schlagzeuger Peter Salisbury (aus Bath) – hinzu kommt Nick McCabe, ein merkwürdiger Typ, von Hause aus Gitarrist, ist er ein Frickler vor dem Herrn und der Mann für die Synthesizer.
Angeblich soll Ashcroft kurz vor der Verve-Gründung eine wichtige Schulprüfung verlassen und erklärt haben, die beste Band überhaupt gründen zu wollen. Die Jungs versuchen sich avantgardistisch, spielen Demos ein und erhalten 1991 beim britischen Label Hut Records einen Vertrag. Im folgenden Jahr veröffentlicht (The) Verve erste Studioproduktionen. Zunächst erscheint „All In The Mind“ im März, ein psychedelisches Ding, das auf Platz eins der britischen Indie-Charts landet. Für normale Charts ist auch nicht, was darauf folgt – „She´s A Superstar“ landet ebenso an der Spitze der anderen Charts wie „Gravity Grave“ aus dem Oktober 1992, vielleicht das spannendste Lied aus der Frühzeit der Band.
MTV ist seinerzeit noch ein Musiksender, für den es sich lohnt, Musikvideos anzufertigen, da die dann manchmal auch gespielt werden. Die beiden letztgenannten Titel sind Teil der ersten richtigen EP der Band: „Verve“ erscheint im Dezember 1992 und beinhaltet auch „Man Called Sun“, ein großartiger Titel, der zeigt, dass The Verve zunächst näher bei den Doors als beim Britpop sind, dem sie in der Folge zugeschlagen werden.
The Verve – A Storm In Heaven
1993 lacht sich die Band das The an, Verve ist bereits durch ein Jazz-Unternehmen belegt, dem die Indie-Erfolge der Briten Anlass genug zum Klagen sind. Mit der Singleauskopplung „Blue“ kündigt sich im Mai das Debütalbum „A Storm In Heaven“ an, das wiederum im Juni erscheint. John Leckie ist der Produzent, ein auch zu diesem Zeitpunkt erfahrener Mann, der bereits an vielen, sehr spannenden Projekten gearbeitet hat, dessen Ruf heute zu einem guten Teil darauf basiert, dass er bei eben diesem Album dabei ist.
The Verve biedert sich nicht an, nutzt kaum zeitgenössische Formeln; man muss die Arbeit mögen. Die Band spielt vermehrt mit breit angelegte Klangflächen, Pausen, die in einigen frühen Stücken gerne dramaturgisch geschickt eingebaut werden, lassen nach – dafür landet mit „Star Sail“ direkt der erste Track 1993 auf dem Soundtrack zu „Sliver“ (mit Sharon Stone und William Baldwin). Es passt zur Band, zum Selbstverständnis von Ashcroft, dass bereits 1994 eine Zusammenstellung der B-Seiten und anderen Schmankerls erscheint. Es ist das Jahr von Oasis – die Gallagher-Brüder aus Manchester starten mit ihrem Britpop einen unvergleichlichen Siegeszug, den die Indie-Könige von The Verve vielleicht sogar mit angezogen haben.
The Verve – A Northern Soul
Es ist jetzt, mit einigem Abstand, wirklich amüsant, dass man genau das dem Album „A Northern Soul“, das im Sommer 1995 erscheint, wirklich anhören kann – als sei die Band einen mutigen Schritt auf den Britpop zugegangen. Es gibt noch die psychedelischen Momente auf dem Album, es finden sich jedoch auch (vermehrt) diese typisch klagenden Gitarrengeschrammel-Balladen, die die Erde in Oasis-Freunde und –Gegner spaltet. Verantwortlich dafür ist auch mit Sicherheit der Produzent Owen Morris, der kurz zuvor mit Oasis – und kurz danach mit Ash arbeitet (denen das sehr gut tut).
Wenn das Ziel ist, mit den Britpoppern der Jahre gleichzuziehen oder gar an ihnen vorbei, darf der Versuch als gescheitert gelten. Das Album ist professioneller, aber langweiliger als das Debüt, Platz 13 in den britischen Charts ist das, was für die Band zu diesem Zeitpunkt drin ist. Nicht einmal die Exzesse, die Schlägereien oder die Versuche, ohne den ebenso wie Ashcroft neurotischen Nick McCabe auszukommen, sorgen für ansprechendes Aufsehen.
The Verve – Urban Hymns
Ashcroft verlässt The Verve erstmals 1995, im September wird die Single „History“ veröffentlicht – vielleicht ist auch das der Moment, in dem die Popmusik insgesamt … Die Band löst sich auf, trifft sich (ohne McCabe) mit Ashcroft und gründet sich neu. Mit Simon Tong stößt ein neuer Gitarrist zur Formation, ebenfalls ein alter Schulfreund. Die Arbeiten am Folgealbum sind weit fortgeschritten, da bitten die Musiker McCabe 1996 darum, zurückzukommen.
„Urban Hymns“ erscheint im September 1997, als Produzenten sind Martin „Youth“ Glover (Bassist von Killing Joke und einer der vielen Produzenten, die an Axl Rose gescheitert sind) und Chris Potter (von nun an Partner von Ashcroft) dabei, das Album wird vermutlich genau das, was sich die Musiker die ganze Zeit ersehnt haben: ein Wahnsinnserfolg. „Bitter Sweet Symphony“ etwa, die erste Single, dürfte jeder kennen. Das Video auch. Das hat auch alles jede Menge Reputation und Geld eingespielt, nur der Band keines gebracht – in dem Lied ist ein Sample einer bestimmten Version von „The Last Time“, einem Stones-Stück, verbaut. Die haben sich mal von einem Manager übers Ohr hauen lassen, der ihnen in einem Rechtsstreit die Rechte eines bestimmten Zeitabschnittes dafür abgenommen hat, dass er sie aus einem Knebelvertrag ließ. Und dem Typen gehört nach einem weiteren Rechtsstreit „Bitter Sweet Symphony“.
Eine unglaubliche Geschichte, die zum hundertsten Mal Zweifel an dem ganzen Musiksystem aufkommen lassen – und natürlich die Frage, wem es in allererster Linie zugute kommt, wenn man für ein härteres Vorgehen gegen die illegalen Downloader eintritt. Letztendlich ist das für die Geschichte der Band The Verve genial. Die Band rennt dem Erfolg hinterher, erreicht ihn kurz vor der Auflösung, am Scheideweg und jenem des Britpops, da kommt irgendein Blödmann daher, hält die Hand auf und wird auch noch durch die Repressionswerkzeuge des Staates gestützt. Großartig.
Letztendlich sind mit „Drugs Don´t Work“, „Lucky Man“ (das Lied für den Heiratsantrag) und „Sonnet“ weitere, sehr erfolgreiche wie hübsche Lieder Teil des Albums. McCabe geht und Ashcroft beginnt mit Salisbury an seiner Solokarriere zu feilen, singt für Kollegen und veröffentlicht einige erfolgreiche Alben zunächst bei Hut, später bei Parlophone. Im Sommer 2007, die Zeit der großen Reunions ist im Gange, verkündet auch The Verve, dass die Band wieder ins Studio geht, wieder live auftritt und im Laufe des Jahres 2008 mit dem Nachfolger von „Urban Hymns“ aufwartet – eine wirklich schwere Aufgabe. ![]() CD Reviews von The Verve findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von The Verve bietet lyrix.at |
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