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Er soll ja jetzt zugänglicher sein, der Van Morrison; nicht unbedingt viele Interviews geben, dafür ab und zu lächeln und wenn er Konzerte gibt, diese leidenschaftlich präsentiert. Bei einem, der sich in der Vergangenheit schon mal übel gelaunt am Rand der Bühne besoff, während seine Band zockte, kann man in diesem Fall von Altersmilde sprechen. Ohnehin ist Van Morrison ein Schatz. Er ist eine Legende der Popmusik, die diesen Status erlangt hat, obwohl sie alles Anbiedernde, das Private, den ganzen Popstarscheiß grundsätzlich sein gelassen hat (wenn man davon absieht, dass die Namen der Frauen an seiner Seite bekannt sind). Es ist noch nicht einmal abgemacht, ob Van Morrison irgendeinen populären Trend gesetzt hat.
Er scheint sich selbst zu genügen. Er lebt den Blues, passt jedoch irgendwie nicht ins Raster. Der Sohn eines amerikanische Musik sammelnden, irischen Dockarbeiters kommt im August 1945 in Belfast zur Welt. Van heißt eigentlich George Ivan Morrison und macht die Idole seines Vaters, vornehmlich Blues-Legenden, zu den eigenen. Mit 12 Jahren bekommt er seine erste Gitarre, gründet mit Schulfreunden eine Skiffle-Band, erbettelt sich ein Saxophon, spielt mit weiteren Bands in Belfast und Umgebung.
Van Morrison – Them
Nachdem er mit 14 Jahren seine Schulzeit beendet, arbeitet er als Fensterputzer, fängt an zu trinken und zieht mit der Band The Monarchs Anfang der 60er Jahre durch Europa. Die Band löst sich nach ihrer Rückkehr nach Belfast auf. Van Morrison stößt zu The Gamblers, die sich mit ihm im April 1964 nach einem Horrorfilm in Them umbenennen. Hier ist Van Morrison der Chef, der Songschreiber und hat seine ersten großen Hits.
Die Single „Baby Please Don´t Go“ wird ein erster Charthit in England, „Gloria“, die B-Seite, zu einer Art Rock-Standard, den etliche Musikgrößen interpretieren. Ebenfalls 1965 wird „Here Comes The Night“ veröffentlicht, in England auf Platz zwei der Single-Charts, Van Morrison spielt mit Jimmy Page, geht 1966 in die USA, hat eine kurze gemeinsame Zeit mit Jim Morrison – und schließlich ziemlichen Ärger mit seinem Manager bei Decca Records. Er kehrt nach Belfast zurück und will eigentlich mit dem Musikgeschäft nichts mehr zu tun haben. Them ist für ihn gestorben
Van Morrison – Astral Weeks
Van Morrison ist ein Mann der knallharten Entscheidungen, lässt sich jedoch von Bert Berns zu Solosessions für Bang Records in New York überreden. Hier entsteht „Brown Eyed Girl“, eine Single, die 1967 in den USA zu einem Charthit wird. Der Mann von Bang Records stirbt im selben Jahr, Van Morrison hat im Anschluss mit der Witwe Ärger wegen der Rechte am Session-Material, das unter dem Titel „Blowin´ your Mind“ erscheint.
Warner Bros. Records holt ihn schließlich aus dem Ärger heraus, versucht Van Morrison wiederum zu knebeln und bekommt den Stinkefinger gezeigt. Immerhin spielt der Musiker „Astral Weeks“ ein, eine legendäre Arbeit, die 1968 erscheint. Eine Absage an das, was Labelinhaber mögen, ist das sperrige Ding genau das richtige Material für Experten. Nicht gerade ein Charterfolg, schafft sich Van Morrison mit dem Album seinen Ruf als Wandler zwischen den Welten, als Künstler.
Darauf lässt sich aufbauen. Mit „Moondance“ geht er wieder einen Schritt auf die Masse der Hörer zu, gibt sich zugänglicher, schreibt mit „Moondance“ ein unglaubliches Lied, mit „Caravan“ ein weiteres, heiratet im selben Jahr (1970) und startet so in die folgenden Jahrzehnte seines Schaffens.
Sehr produktiver Jahrzehnte: noch 1970 folgt das nächste Album „His Band An The Street Choir“. Die große Zeit der Single-Chart-Erfolge ist mit „Domino“ im selben Jahr vorbei. Die Arbeiten werden wieder sperriger, die Lieder länger, Van Morrison lebt in Kalifornien, arbeitet auf „Tupelo Honey“ zum Teil mit Country-Elementen und entwickelt zunehmend Bühnenängste. Als er 1974 in Montreux eingeladen ist, hat er sich nicht nur von seiner Frau getrennt und eine neue Freundin, Janet Rigsbee, dabei, sondern auch seine Band zuhause gelassen. Van Morrison hat keine Lust mehr auf die alten Hits, im Publikum rumort es, der Künstler verweigert sich zusehends seiner Rolle als Entertainer.
„Veedon Fleece“ ist aus eben jenem Jahr, ein Folkalbum, das erst heute, in einer Zeit, in der Folk die Rettung des verkannten Künstlers ist, in seiner ganzen Größe anerkannt wird. Zuvor bereits hat er mit „It´s Too Late To Stop Now“ ein legendäres Live-Album mit dem Caledonia Soul Orchestra eingespielt. Van Morrison zieht sich nach Irland zurück.
Van Morrison – Into The Music
1977 nimmt er mit Dr. John „A Period Of Transition“ auf, 1978 ist Van Morrison in der Martin Scorsese-Doku „The Band“ (bzw. „The Last Waltz“) zu sehen, vielleicht dem legendären Konzertfilm. Van Morrison wendet sich verstärkt religiösen Themen zu, auf dem Album „Wavelength“ (1978) ist „Kingdom Hall“ zu finden, ein Verweis auf die Zeugen Jehovas, denen seine Familie angehört.
„Into The Music“ ist zum Ende der 70er Jahre noch einmal ein großer Erfolg. Van Morrisons Arbeiten sind verstärkt von spirituellen Themen besetzt, und das bleibt erst einmal so. Mit „Common One“ räumt er 1980 in Montreux ab, bis auf 1981 und 1985 hat Van Morrison in den 80er Jahren in jedem Jahr eine große Veröffentlichung. Gegen Ende des Jahrzehnts setzt er sich mit seinen Alben zunehmend in der Spitze der Charts seiner Heimat fest, mitverantwortlich dafür sind sicherlich das Album „Irish Heartbeat“ mit The Chieftains (1988) und „Whenever God Shines His Light“, das Duett mit Cliff Richard.
Van Morrison nimmt an „The Wall“ von Rodger Waters in Berlin teil, spielt mit dem phänomenalen John Lee Hooker „Gloria“ ein … dafür gibt’s es einen Grammy. Der Mann schreibt, veröffentlicht und tritt gelegentlich auf. Auch im vierten Jahrzehnt seines Schaffens gibt es nahezu jährlich ein Album, erhält er sich seine Eigenwilligkeit und sein Niveau – in Irland wird beispielsweise „Days Like This“ zu einem großen Erfolg. Van Morrison wird in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und geht nicht hin, wühlt an seinen eigenen Wurzeln, zaubert Jazz und Skiffle zutage, bewahrt sich den Blues, Soul, Folk und Country, zwischendrin hat er ein spektakuläres Gerichtverfahren mit Linda Gail Lewis, der Schwester von Jerry Lee am Hals, die ihn beschuldigt, sie auf vielfältige Weise belästigt und bedrängt zu haben und sich nach einem zweijährigen Prozess entschuldigen muss. Das gemeinsame Album ist scheiße.
Wie es sich gehört für einen derart alten Hasen, sind seine Produktionen inzwischen immer Charterfolge. Lediglich für „What´s Wrong With This Picture“ (2003) gibt es relativ wenige Käufer. „Magic Time“, „Pay The Devil” und „Keep It Simple” verkaufen sich indes sehr ordentlich, inzwischen werden die alten Alben zu fairen Preisen neu bestückt und aufgelegt. surftippsCD Reviews von Van Morrison findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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