Ein einziges Lied, das der richtige Typ erstöbert, reicht
bereits. Yael Naïm vereint in sich
die wichtigsten Merkmale, die ein kommender Superstar haben muss: er muss was können,
beharrlich sein und unfassbares Glück haben. All das trifft auf Yael Naïm zu.
Fast 30 Jahre alt, gelingt ihr der Durchbruch, weil sie permanent an ihrem
eigenen Stil feilt und irgendwann das Glück hat, dass Steve Jobs, der Chef von
Apple, Förderer der digitalen Musikverbreitung und leidenschaftliche
Musikkonsument, über ihre Arbeit stolpert. Yael Naïms Lied „New Soul“ landet in
einer Werbekampagne seiner Firma und darüber in den Charts vieler Länder.
Von den französischen und den iTunes-Charts, in denen die
Newcomerin für Furore sorgt, zurück zu den biografischen Wurzeln Yael Naïms: als
Tochter tunesischer Einwanderer kommt sie 1978 in Paris zur Welt, die Eltern
ziehen mit ihr, als sie vier Jahre alt ist, in eine Vorstadt von Tel Aviv, wo Yael
Naïm aufwächst. Am Anfang ihrer musikalischen Karriere steht eine kleine Orgel,
später folgen viele Jahre Klavierunterricht, irgendwann beginnt sie, selbst zu
komponieren, versucht sich zunächst klassisch, später an Soul, Beatmusik und
anderen zwar moderneren, eigentlich jedoch auch schon wieder historischen
Popmusikstilen.
Auf erste kleine Auftritte folgt der Militärdienst, Yael
Naïm spielt im Orchester der israelischen Air Force, gründet danach ihre Band
The Anti Collision und tourt durch Israel. 2000 tritt sie in Paris bei einem
großen Konzert auf und macht einige Musikindustrielle auf sich aufmerksam, die
EMI greift zu. Es beginnt eine Zeit recht vielfältigen musikalischen Wirkens, Yael
Naïm arbeitet an ihrem Debütalbum, bekommt das Angebot, den Soundtrack für
einen Film zu schreiben („Harrison´s Flower“), macht das, bekommt das Angebot,
in einem Musical zu spielen, und zwar Moses Schwester in „Les Dix
Commandements“ (Die zehn Gebote), sie wird für ein weiteres Musical angefragt,
„Spartacus Le Gladiateur“, und singt auch hier mit …
Zwischendrin, das ist 2001, wird das Debütalbum fertig
gestellt. „In A Man´s Womb“
floppt. Yael Naïm gerät in eine musikalische Krise, während sie ihren
Jobs nachgeht, bis sie, das wird zumindest überall geschrieben, dem Multiinstrumentalisten
David Donatien begegnet. Es handelt sich um einen erfahrenen Kollaborateur, der
für sie zum Produzenten wird und ihre Lieder neu zu arrangieren beginnt. Mit
der Zeit entsteht eine kleine, erfahrene Band, Yael Naïm singt auf
Französische, Englisch und Hebräisch, liebevoll wird das Material sondiert,
bearbeitet und eingespielt – und erst drei Jahre später, im Herbst 2007,
erscheint das Album „Yael Naïm“ bei Tôt ou Tard / Warner zunächst in
Frankreich, in den folgenden Monaten in vielen weiteren Ländern.
Es ist „New Soul“, dieses etwas naiv und niedlich
daherkommende, einem Kinderlied gleich vorgetragene und im Video etwas
hippiemäßig daherkommende Popstückchen, das die ganze Sache anzieht. Yael Naïm
& David Donatien, so steht es auf dem Cover, so muss es korrekt heißen, ist
etwas ganz Besonderes gelungen. Sie führen die iTunes-Charts an, stellen in
Frankreich kleine Rekorde auf und auch wenn ihre Version von Britneys „Toxic“,
die hundertste, vollkommen überflüssig ist, ist das Album insgesamt doch eine
sehr lohnenswerte Angelegenheit.
In Deutschland landet „Yael Naïm“ irgendwo in den 20ern der
Charts, die Single, die eine Single, ist Ende März 2008 immerhin auf Platz vier
der Media Control Charts.